Politik

Hamburger Florent starb in Syrien Trauerfeier für IS-Kämpfer in Kirche

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Imam Abu Ahmed Jakobi , die Mutter des getöteten IS-Anhängers, Florence K., und Pastor Sieghard Wilm (v.l.n.r.).

(Foto: dpa)

Mit 17 Jahren stirbt ein Hamburger in Syrien. Der Junge aus St. Pauli hatte sich dem IS angeschlossen. Die Trauerfeier findet in einer evangelischen Kirche statt - das bleibt nicht ohne Kontroverse.

Bei einer christlich-muslimischen Trauerfeier in der Hamburger St. Pauli Kirche haben Familie und Freunde Abschied von einem jungen IS-Anhänger genommen, der im Kampfgebiet der Terrormiliz getötet worden war. Ein Foto in der Nähe des Altars erinnerte an den 17-jährigen Florent, der mit 14 Jahren vom Christentum zum Islam konvertierte. Er schloss sich der Salafisten-Szene an und nannte sich dann "Bilal".

Der Gottesdienst hatte im Vorfeld für Debatten gesorgt. "Der Terror ist uns mit der Todesnachricht ganz nah gekommen", sagte Pastor Sieghard Wilm. Gemeinsam mit einem Imam wolle er ein "Zeichen setzten, dass Gewalt mit Religion nichts zu tun haben darf".

"Ich bin schon öfter kritisch angegangen worden, wie ein Pastor eine Trauerfeier für einen Terroristen machen könne", sagte Pastor Wilm. "Es gab aber auch Verständnis für diese Entscheidung, dass die Kirche einen geschützten Raum anbieten will für die Trauer der Familie und Freunde." Auch die Mutter des Jungen sprach zu der Gemeinde.

Im Frühjahr 2015 reiste er nach Syrien, wo er unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Nach Angaben des Verfassungsschutzes hatte Florent kurz vor seinem Tod noch seine Glaubensbrüder in einer Audiobotschaft davor gewarnt, für den IS in den Krieg zu ziehen. In der Botschaft schildert er unter anderem, wie er und andere zugereiste IS-Kämpfer mit falschen Versprechen getäuscht und Männer ohne militärisches Training an die Front geschickt worden seien.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa