Politik

Mit Skateboard und Smartphone Trump-Schreck macht Texas verrückt

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Beto O'Rourke beim Wahlkampf.

(Foto: REUTERS)

Beto O'Rourke war in einer Punkband und fährt Skateboard. Ausgerechnet in Texas könnte er den Republikanern eine Schlappe beibringen. Donald Trump will das verhindern und hilft einem Mann, den er 2016 noch wüst beschimpfte.

Es ist Samstagabend, ein Parkplatz einer Burgerkette in der Kleinstadt Brownsville im US-Bundesstaat Texas. Beto O'Rourke fährt in der Dunkelheit mit einem Skateboard zwischen den Autos umher. Anschließend geht er in das Restaurant, isst gemeinsam mit seinen Anhängern Burger, spricht mit ihnen über die Strapazen des Wahlkampfes. Das Ganze ist live auf der Facebookseite von O'Rourke zusehen. Zehntausende schauen sich die wackligen Handyaufnahmen an.

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O'Rourke fordert bei den Senatswahlen am 6. November den republikanischen Kandidaten Ted Cruz in Texas heraus. Seit 30 Jahren konnte in dem Bundesstaat kein Demokrat mehr gewinnen. Die Wiederwahl von Ted Cruz sollte also eigentlich nur Formsache sein. Doch Umfragen sagen ein überraschend knappes Rennen voraus. Aktuell liegt O'Rourke nur etwa vier Prozentpunkte hinter Cruz.

Bei den Senatswahlen geht es für die Republikaner um jeden Sitz. Derzeit haben sie eine Mehrheit von nur zwei Stimmen in der zweiten Parlamentskammer. Ein Verlust der Mehrheit könnte die restliche Amtszeit von US-Präsident Donald Trump deutlich erschweren.

Vom Punksänger zum Politiker

Der 45-Jährige O'Rourke aus El Paso präsentiert sich als nahbarer und authentischer Politiker. Die sozialen Medien nutzt der Vater dreier Kinder seit Jahren gekonnt. Kurze nationale Bekanntheit erhielt er deshalb bereits im Sommer 2016. Gemeinsam mit anderen demokratischen Abgeordneten blockierte er den Plenarsaal des Repräsentantenhauses, um ein neues Waffengesetz zu erzwingen. Nachdem Sprecher Paul Ryan TV-Aufnahmen untersagte, streamte O'Rourke die Ereignisse live auf seiner Facebook-Seite.

O'Rourkes Weg lief nicht immer in geraden Bahnen. Anfang der 1990er Jahre tourte er mit seiner Punkband "Foss" durch die USA und Kanada. Jugendeskapaden inklusive: Wegen Trunkenheit am Steuer und Einbruchs (laut O'Rourke eine missglückte Mutprobe) wurde er zwei Mal von der Polizei festgenommen. Die Polizeiakten veröffentlichte er 2012 selbst, bevor er in die Politik ging.

Politisch setzt sich O'Rourke für gerechte Löhne, Investitionen in Bildung, Legalisierung von Marihuana, härtere Waffengesetze und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ein. Themen die auf den ersten Blick nicht unbedingt die Siegeschancen im konservativen Texas erhöhen. Trotzdem trifft er mit seiner authentischen Art offenbar den Nerv vieler Wähler.

Trump: Ein Desaster für Texas

Ein Beispiel: Bei einem Auftritt wurde O'Rourke gefragt, ob er es nicht auch respektlos finde, dass sich Football-Spieler aus Protest gegen soziale Missstände während der Nationalhymne hinknien. Seine klare Antwort: Nein. Was folgt ist ein vierminütiges, eindringliches Plädoyers für Bürgerrechte und friedlichen, unbewaffneten Protest.

Das Video wurde mittlerweile mehr als 30 Millionen Mal angeklickt und unter anderem von TV-Star Ellen DeGeneres oder Basketballer LeBron James geteilt. Wegen Auftritten wie diesem verglich das Magazin "Vanity Fair" den Kandidaten kürzlich sogar mit Barack Obama.

Der unerwartete Erfolg des Demokraten beunruhigt mittlerweile offenbar selbst den US-Präsidenten. Trump kündigte an, den republikanischen Kandidaten Cruz im Wahlkampf zu unterstützen. Dafür werde er das "größte Stadion in Texas, das wir finden können" auswählen. Den demokratischen Kandidaten O'Rourke bezeichnete er als "Desaster für Texas".

Trump macht Wahlkampf für "Lying Ted"

Die Unterstützung Trumps kommt unerwartet und zeigt, wie nervös die Republikaner sind. Denn Trump und Cruz galten lange als politische Feinde. Beide hatten sich um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner im Vorwahlkampf 2016 beworben. In erbitterten Auseinandersetzungen bezichtigte Trump seinen härtesten innerparteilichen Gegner der Lüge.

Seine auf Twitter benutzte Bezeichnung "Lying Ted" wurde zum geflügelten Wort. Trumps Attacken machten damals auch vor der Familie seines Gegners nicht halt. Dem Vater von Ted Cruz unterstellte Trump sogar eine Verbindung zum Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald.

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Trump scheint die Fehde mit Cruz vergessen zu haben, die Anhänger von O'Rourke haben es nicht. Per Crowdfunding sammelten sie Geld, um eine der vielen Aussagen Trumps über "Lying Ted" auf eine riesige Werbetafel zu drucken. Trump hatte damals getwittert: "Warum sollten die Menschen aus Texas Ted Cruz unterstützen, obwohl er absolut nichts für sie erreicht hat. Er ist ein weiterer Politiker, der nur redet und nicht handelt."

Beto O'Rourke reist unterdessen von Gemeinde zu Gemeinde. In seinem Wahlkampf hat er bereits alle 254 texanischen Counties besucht. Rund 11.000 Kilometer ist er mit seinem Toyota dafür quer durch den Bundesstaat gefahren. Bei Twitter und Facebook gibt es fast stündlich Updates, Livestreams von Wahlkampfveranstaltungen oder Selfies mit der Familie.

Auch die Republikaner nutzen die sozialen Medien, insbesondere um den Gegenkandidaten zu diskreditieren. Mit mäßigem Erfolg. Auf Twitter veröffentlichten sie unter anderem ein Bild von O'Rourke und seiner Punkband. Statt der erhofften Empörung, finden sich unter dem Tweet jedoch vor allem positive Kommentare und hämische Fragen, wo man diesen coolen Typen wählen könne.

Quelle: n-tv.de

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