Politik

Sprecher glättet die Wogen "Trump hat viel Respekt vor Merkel"

Die eine stellt die Bündnisfähigkeit der USA in Frage, der andere greift das deutsche Handelsdefizit scharf an. Trotzdem würden sich Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump "ziemlich unglaublich" verstehen - sagt sein Sprecher.

Trotz der jüngsten Kritik an Deutschland ist das Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zu Kanzlerin Angela Merkel nach Einschätzung seines Sprechers "ziemlich unglaublich". "Sie kommen sehr gut miteinander aus", sagt Sean Spicer im Weißen Haus. Trump habe viel Respekt vor Merkel. Die USA sähen Deutschland als wichtigen Verbündeten an.

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"Unglaubliches Verhältnis": Trump und Merkel beim G7-Gipfel im italienischen Taormina.

(Foto: AP)

Die Äußerungen Merkels, wonach die Europäer ihr Schicksal nun in die eigene Hand nehmen müssten, seien "großartig", so Spicer weiter. Der Präsident sehe Deutschland und Europa eher allgemein als wichtige Alliierte der USA an. Er begrüße Merkels Aufruf an die Adresse der Europäer, ihre Rolle im Verteidigungsbereich auszubauen. "Der Präsident glaubt, dass es eine sehr gute Sache ist, wenn Europa seinen Anteil der gemeinsam geschulterten Lasten hochfährt", sagte Spicer.

Die Kanzlerin hatte nach dem G7-Gipfel in einem Bierzelt mit Blick auf die USA unter Trump gesagt: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, das habe ich in den letzten Tagen erlebt." Trump übte daraufhin via Twitter massive Kritik an Deutschland. Er schrieb, die USA hätten ein massives Handelsdefizit mit Deutschland, die Bundesrepublik zahle viel zu wenig für die Nato und das Militär. "Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern."

Kanzlerin reagiert nur indirekt

Merkel reagierte nur indirekt auf Trumps Tweets. Sie verwies in einer Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag nach Angaben von Teilnehmern erneut auf die Nato-Beschlusslage, nach der sich die Verteidigungsausgaben auch in Deutschland bis zum Jahr 2024 in Richtung zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zubewegen sollen. Dazu müsse natürlich der Verteidigungshaushalt erhöht werden, wie dies bei den meisten europäischen Ländern die Tendenz sei. Dies sei aber nicht erst seit Trump der Fall. Schon dessen Vorgänger Barack Obama habe auf die Notwendigkeit von Steigerungen hingewiesen.

Merkel betonte zudem die "überragende" Bedeutung der transatlantischen Beziehungen. Das heiße aber auch, dass bestimmte Dinge nicht unter den Tisch gekehrt werden könnten. Sie habe schon immer gesagt, dass eine eigenständige europäische Außenpolitik notwendig sei, sagte die Kanzlerin demnach. Das sei aber nicht gegen die feste Achse mit den USA gerichtet.

Auch Außenminister Sigmar Gabriel versuchte nach dem indirekten Schlagabtausch, Druck aus der Debatte zu nehmen. Es sei "nicht angemessen, dass wir zwischen Bierzelt und Twitter kommunizieren", sagte der SPD-Politiker in Berlin. Es gebe zwar aktuell eine schwierige Lage. Er sei aber zuversichtlich, dass Berlin und Washington mittelfristig wieder zu einem besseren Verhältnis finden würden.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/rts