Politik

Comey lässt nicht locker "Trump ist Antithese zu ethischer Führung"

101631667.jpg

US-Präsident Trump hatte Comey vor knapp einem Jahr als FBI-Chef gefeuert.

(Foto: picture alliance / Uncredited/AP)

Kaum eine Woche ist es her, dass der gefeuerte FBI-Chef Comey US-Präsident Trump durch eine Buchveröffentlichung in Bedrängnis bringt. Nun legt er in einem deutschen Medium nach. Mit Rache habe das aber nichts zu tun.

Der frühere FBI-Chef Comey legt mit Kritik an US-Präsident Donald Trump nach. "Wer über Frau­en spricht und sie be­han­delt, als wä­ren sie ein Stück Fleisch, wer dau­ernd gro­ße und klei­ne Lü­gen ver­brei­tet und wer bei den Vor­gän­gen in Char­lot­tes­vil­le im ver­gan­ge­nen Jahr eine mo­ra­li­sche Äqui­va­lenz sah zwi­schen Rechts­ex­tre­mis­ten und je­nen, die ge­gen sie pro­tes­tier­ten – der ist in mei­nen Au­gen mo­ra­lisch un­ge­eig­net, Prä­si­dent zu sein", sagte Comey dem Magazin "Spiegel" in einem ausführlichen Interview.

Es ist kaum eine Woche her, dass Comey mit der Veröffentlichung seines Buches für Aufsehen sorgte: "A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership" ("Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an"). Comey zeichnet darin ein verheerendes Porträt des Präsidenten als notorischen Lügner und unmoralische Führungsperson. Wenig später wurden Gesprächsnotizen Comeys und Trumps in US-Medien veröffentlicht, die den Präsidenten weiter in Bedrängnis bringen. Die Dokumente gelten als wichtiges Beweisstück in der Frage, ob US-Präsident Donald Trump versucht hat, die Ermittlungen zu einer möglichen russischen Einflussnahme auf die Wahl 2016 zu behindern. Trump selbst sprach von einer "Hexenjagd".

Im "Spiegel"-Interview, dem ersten von Comey mit einem deutschen Medium, versichert der Ex-FBI-Chef, dass es ihm nicht um Rache gehe. "Ei­gent­lich wür­de ich das al­les viel lie­ber nicht tun, aber ich habe mir ge­sagt: Ich kann nütz­lich sein, vor al­lem jetzt. Ich habe eine Pflicht, das zu tun. Und des­halb tue ich es."

Trump hatte Comey im Mai 2017 als FBI-Chef gefeuert - nach nur vier Monaten im Amt. Der Grund dafür waren möglicherweise Comeys Ermittlungen zu Trumps Russlandverbindungen. Wirklich belegt ist das bisher allerdings nicht.

Comey ist gegen Amtsenthebungsverfahren

In dem Interview bekräftigt Comey viele der Vorwürfe, die er bereits in seinem Buch erhoben hat. Darin ging es unter anderem um das Desinteresse Trumps an Russlands mutmaßlicher Einflussnahme auf die US-Wahlen, aber auch pikante Details rund um Prostituierte und Trumps fragwürdiges Frauenbild. Comey rechtfertigt auch, warum Trump in seinem Buch eine so große Rolle einnimmt. "Man kann nicht über ethi­sche Füh­rung schrei­ben, ohne Trump zu nen­nen, als An­ti­the­se."

So weit, ein Amtsenthebungsverfahren zu fordern, geht Comey allerdings auch jetzt noch nicht. "Zu­nächst ein­mal wer­den die Ge­set­ze, die Fak­ten und un­se­re Ver­fas­sung dar­über ent­schei­den", erwidert er auf eine entsprechende Frage. "Aber ich hof­fe, auch wenn es selt­sam klin­gen mag, dass es kein Im­peach­ment-Ver­fah­ren gibt." Da­mit, so Comey, wür­den die Ame­ri­ka­ner aus der Ver­ant­wor­tung ent­las­sen. "Wir ha­ben ge­mein­sa­me Wer­te, die be­deut­sa­mer sind als un­se­re po­li­ti­schen Kämp­fe. Und wenn Trump aus dem Amt ge­jagt wird, ze­men­tie­ren sich nur un­se­re Dif­fe­ren­zen."

Comey, einst überzeugter Republikaner, plädiert dafür, bei den nächsten Wahlen für "un­se­re Wer­te" einzu­tre­ten. Und er lässt durchblicken, dass er Trumps Vorgänger Barack Obama vermisst. "Ja. Ja­wohl. Ja", sagt Comey. "Am An­fang war ich skep­tisch, ich hat­te sei­nen Geg­nern Geld ge­spen­det. Am Ende emp­fand ich gro­ßen Re­spekt für ihn." Obama sei nicht perfekt, so Comey, aber er schätzte die de­mo­kra­ti­schen In­sti­tu­tio­nen.

Quelle: n-tv.de, ieh

Mehr zum Thema