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"Aufgeblasener Dummkopf" Trump legt nach gegen Diplomat - und May

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Der dritte und letzte Tweet endet mit "Danke, Herr Präsident!", womit sich Trump offenbar selbst meint.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trumps Wut auf den britischen US-Botschafter ebbt nicht ab. Auf Twitter legt der US-Präsident mit Attacken gegen Darroch und die scheidende Premierministerin May nach. Diese seien "unfähig" und "verrückt", wettert er.

Mit einer Serie von Twitter-Attacken gegen die britische Premierministerin Theresa May und ihren Botschafter in den USA hat US-Präsident Donald Trump den diplomatischen Zwist zwischen London und Washington angeheizt. Mays Brexitverhandlungen bezeichnete Trump auf Twitter als "Desaster". Kim Darroch sei ein "verrückter Botschafter" und "sehr dummer Typ". Am Abend sollen der britische Außenminister Jeremy Hunt und sein Amtsvorgänger Boris Johnson zu einem TV-Duell um Mays Nachfolge zusammentreffen.

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Schon am Montag hatte Trump geschrieben, die scheidende Regierungschefin und ihre Mitarbeiter hätten beim Brexit "Chaos" angerichtet. Die "gute Nachricht für das wunderbare Vereinigte Königreich" sei, dass das Land "bald einen neuen Premierminister" haben werde. Nun fügte Trump hinzu, May habe seine Brexit-Ratschläge ignoriert. "Sie ist ihren eigenen, törichten Weg gegangen - und war unfähig, es hinzukriegen. Ein Desaster!"

Den britischen Diplomaten Kim Darroch, der den US-Präsidenten in internen Vermerken deutlich kritisiert hatte, nannte Trump in seinen Tweets einen "verrückten Botschafter" und "sehr dummen Typen". Weiter schrieb der US-Präsident: "Ich kenne den Botschafter nicht, aber mir wurde gesagt, er sei ein aufgeblasener Dummkopf." Am Vortag hatte er erklärt, seine Regierung werde keinen Kontakt mehr mit Darroch unterhalten.

Der Diplomat sei in den USA "nicht beliebt" und genieße kein Ansehen. "Sagt ihm, die USA haben nun mit Abstand die beste Wirtschaft und das beste Militär auf der ganzen Welt und sie werden nur größer, besser und stärker." Der dritte und letzte Tweet endete mit "Danke, Herr Präsident!", womit sich Trump offenbar selbst meinte.

Darroch genießt Mays "volle Unterstützung"

Verärgert ist Trump offenbar über Mays explizites Festhalten an ihrem Botschafter in Washington. Darroch genieße weiterhin die "volle Unterstützung" der Premierministerin, erklärte ein Sprecher Mays am Montagabend. Damit bekräftigte London eine frühere Erklärung, in der May ebenfalls nicht von Darroch abgerückt war.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte geheime Vermerke veröffentlicht, in denen Darroch Trump als "unsicher" und "inkompetent" beschrieb. "Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird; weniger dysfunktional; weniger unberechenbar; weniger gespalten; weniger diplomatisch plump und ungeschickt", schrieb Darroch demnach.

Der britische Außenminister Hunt hatte sich von Darrochs Bewertungen distanziert. Ihre Authentizität bestritt Hunt indes nicht. Der Urheber der Veröffentlichungen solle gesucht und bestraft werden, forderte Hunt. Der diplomatische Zwist fällt in die Zeit der Vorbereitung von Gesprächen über ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern für die Post-Brexit-Ära.

Unberechenbarer Johnson gilt als Premier-Favorit

Sowohl die Umsetzung des Brexits als auch die Rolle Großbritanniens in der Welt nach einem EU-Austritt gehören zu den Themen, die Hunt und Johnson am Abend diskutieren wollten. Es ist das erste TV-Duell der letzten verbliebenen Kandidaten im Rennen um den Vorsitz der konservativen Tory-Partei und damit auch um die Nachfolge Mays an der Regierungsspitze. Der Sieger wird von den 160.000 Tory-Mitgliedern in einer Urwahl bestimmt.

Johnson gilt als Favorit, um Ende Juli die Regierungsgeschäfte von May zu übernehmen. Einer Umfrage des Instituts YouGov zufolge trauen die Tory-Mitglieder Johnson eher zu, die EU notfalls auch ohne Austrittsvertrag zu verlassen und so den Wählerauftrag eines raschen Brexits umzusetzen.

Die Tories hatten bei den letzten Kommunal- und Europawahlen viele Stimmen an die neue Brexit-Partei des Rechtspopulisten Nigel Farage verloren. Allerdings gilt Johnson als unberechenbar, weshalb ihm Beobachter zutrauen, sich mit unbedachten Äußerungen auf den letzten Metern noch um den Sieg zu bringen.

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Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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