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"Sozialistischer Albtraum" Trump schlägt nach Horrorwoche zurück

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Trump ist unbelehrbar und selbstgewiss wie eh und je.

(Foto: REUTERS)

Die Anschuldigungen seines Ex-Anwalts Cohen und der Misserfolg in Vietnam können Trump offensichtlich nichts anhaben. In der wohl längsten Rede seiner bisherigen Amtszeit geht er zum Angriff über - ohne Manuskript.

Wenn es einen Wettbewerb für die schlimmste Woche im Amt für Donald Trump gäbe, die vergangene wäre ein heißer Erfolgskandidat. Doch bei der jährlich stattfindenden "Conservative Political Action Conference", kurz CPAC, zeigt sich der US-Präsident völlig unbeeindruckt. Im Gegenteil. Er lässt die Aktivisten und Mandatsträger zwar rund eine halbe Stunde warten, präsentiert sich dann jedoch in Höchstform. Trump betritt die Bühne, kuschelt mit der US-Flagge, klatscht zur Musik und nimmt sich mehr als zwei Stunden Zeit. Die mutmaßlich längste Rede seiner Amtszeit ist eine selbstbewusste Wahlkampfansage an die Demokraten.

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Dabei waren die vergangenen Tage alles andere als angenehm für Trump. Erst packte sein reuiger Ex-Anwalt Michael Cohen vor dem Abgeordnetenhaus und live im Fernsehen stundenlang über seinen ehemaligen Chef aus, beschimpfte ihn - und im Grunde alle Republikaner - als Lügner und lieferte nebenbei einige Details über seine Vergehen, die den Präsidenten noch teuer zu stehen kommen könnten. Dann flog Trump nach Hanoi zum zweiten Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Schon die Ankündigung eines Friedensvertrages der beiden Koreas wäre ein großer Erfolg gewesen. Doch der Plan, von starkem Mann zu starkem Mann zu reden und einen Deal auszuhandeln, scheiterte. Trump stand auf, ließ Kim sitzen und ging mit leeren Händen.

Sollte er sich auch nur für den Bruchteil einer Sekunde als gescheitert empfunden haben, so lässt Trump sich das auf der Bühne der CPAC nicht anmerken. Er beginnt entspannt; bei den Konservativen hier hat er ein Heimspiel. Es dauert nicht lange, da klingen schon die ersten "USA, USA"- Sprechchöre aus dem Publikum. Nach wenigen Minuten setzt Trump den eigenen Ton für sich und seine Unterstützer, womöglich für den kompletten Wahlkampf. "Wisst ihr, ich rede gerade völlig ohne Manuskript. So bin ich gewählt worden." Jubel brandet auf. "Wenn wir nicht vom Skript abweichen, bekommen wir Probleme." Er lädt seine Basis zum Blick hinter den Vorhang ein und zeigt ihr damit sein Vertrauen.

"Ich will der Republikaner sein, der gegen sie antritt"

Mehrfach kommt Trump auf ein Projekt der linken Demokraten um die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez zu sprechen: die Energiewende alias "Green New Deal". "Ich unterstütze das", spottet er. Er sei allerdings dafür gewählt worden, dagegen zu sein. "Keine Flugzeuge, keine Energie. Wenn der Wind nicht weht, ist es das Ende eurer Elektrizität. 'Schatz, weht der Wind heute? Ich würde gerne Fernsehen gucken.'" Dabei imitiert er einen Ehemann, der nach dem Wetter sieht. Das Publikum amüsiert sich prächtig. Trump warnt, die Demokraten wollten "die amerikanische Wirtschaft komplett zerstören", "dass ihr nur noch ein Auto habt und es elektrisch ist", Flugreisen wären unmöglich. In New York müsste man Gebäude deshalb abreißen und neu bauen. "Ich will es ihnen nicht ausreden, aber ich will der Republikaner sein, der gegen sie antritt", sagt er mit breiter Brust. Wieder Jubel.

Klar ist, dass Trump trotz seiner immensen Probleme nicht bereit ist, klein beizugeben. Er hält keine dramatische "America First"-Rede wie bei seinem Amtsantritt. Stattdessen geht in Maryland "die größte Dauerwerbesendung der politischen Geschichte" weiter, wie sein abtrünniger Ex-Anwalt Michael Cohen den vergangenen Wahlkampf nannte. Auch nach seinem Amtsantritt war Trump aus dem Wahlkampf nie richtig ausgestiegen. Immer wieder tritt er bei Veranstaltungen auf, wo er sich für seine Angriffe auf die Gegenseite und verbale Ausfälle feiern lässt. Der Auftritt in Maryland stellt allerdings einen Höhepunkt dar. "Ich werde diese Rede bereuen", witzelt Trump. "Ich hätte sie erst in einem Jahr halten sollen, verdammt."

Mark Meadows und Jim Jordan, beide republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, sind ebenfalls vor Ort. Sie hatten sich bei Cohens denkwürdiger Anhörung als Frontkämpfer für Trump präsentiert. Mehrmals gibt Trump ein Extralob an sie aus. Es ist die öffentliche Belohnung für ihre loyale Angriffslust. Zu den Demokraten, die gegen Trump in Ausschüssen vorgehen, sagt er: "Sie haben nichts, was Russland betrifft, also gehen sie hin und sagen: 'Lasst uns jedes Geschäft untersuchen, das er je getätigt hat und seine Finanzen checken.' Diese Leute sind krank." Trump greift auch Sonderermittler Robert Mueller an: "Der lügende Jim Comey", der ehemalige FBI-Chef, den Trump mutmaßlich feuerte, weil er ihm keine Treue schwören wollte, sei Muellers bester Freund. Womit Trump durchaus recht hat: Cohen hatte bei seiner Anhörung gesagt, er habe keine Belege für eine Zusammenarbeit Trumps mit Russland, wohl aber Hinweise darauf.

Selbstlob und Opferrolle

Wie üblich lobt Trump sich ausführlich selbst, viele Minuten allein für seine Zollpolitik gegen China und Indien, die ihm eine gute Verhandlungsposition für Handelsabkommen verschaffen würde. Er prahlt zudem, dass deshalb viel Geld in die Staatskassen flösse. Auch das stimmt. Was er nicht sagt ist, dass es die Amerikaner selbst zahlen, wenn sie die Produkte importieren. Immer wieder kommt Trump auch auf vergangene Wahlkampferfolge zurück, um die Anwesenden daran zu erinnern, worum es geht. "Wir müssen das 2020 mit einem noch größeren Sieg bestätigen", fordert der Präsident. Das Publikum skandiert "four more years!", für vier weitere Jahre im Weißen Haus nach dem erhofften Wahlsieg. Zwischendurch zeigt sich Trump sogar emotional. "Ich bin verliebt, ihr seid verliebt, wir sind verliebt. Es ist so einfach, hier zu sprechen, weil so viel Liebe in diesem Raum ist."

Aber auch die Opferrolle hat Platz in Trumps Rede: Wenn er von "Intoleranz" von links spricht, von täglicher gegen ihn gerichtete Wut, von angeblichen Redeverboten und politischer Korrektheit an Hochschulen. Er kündigt an, Universitäten Gelder zu streichen, die sich nicht einer Anordnung zu "freier Rede" verpflichten würden. Trump gibt sich als Erklärer, sagt, im Sozialismus gehe es nur um Macht für die herrschende Schicht. "Guckt nach Venezuela!" Die von den Demokraten geplante Krankenversicherung für alle, nennt er schlicht eine "sozialistische Übernahme", die zu "kolossalen Steuererhöhungen wie nie zuvor" führe. Genau so hatte bereits die Tea Party gegen Barack Obama gekämpft.

Etwas skurril wird es, als Trump Länder wie Burundi, Weißrussland und Libanon erwähnt, um sich so für den von ihm ausgerufenen nationalen Notstand zu rechtfertigen. Der soll ihm die Mittel zum Mauerbau an der Grenze zu Mexiko verschaffen. Wieder spricht er von Mördern, die mit "Karawanen" von Migranten ins Land kämen, von "Drogen, Menschen und Kriminellen", die in die Vereinigten Staaten einfielen. Das Publikum unterstützt ihn mit dem alten Schlachtruf "build that wall", "bau diese Mauer"-Sprechchören.

Der Auftritt bei der CPAC zeigt, dass Trump dann ganz bei sich und seinen Fans ist, wenn er vom Manuskript abweicht. Er schafft es, sein Showtalent unverkrampft einzusetzen, wechselt fast übergangslos zwischen persönlicher Ansprache, frei vorgetragenen Anekdoten und Passagen vom Teleprompter. Dabei arbeitet Trump die Schlüsselthemen ab und führt scheinbar mühelos Angriffe auf die Demokraten. "Wir glauben an den amerikanischen Traum, nicht den sozialistischen Albtraum", tönt er an einer Stelle. Das würde glatt als Motto seiner Wiederwahlkampagne taugen.

Quelle: n-tv.de

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