Politik

Streit um russische Raketen Trump und Erdogan telefonieren wegen S-400

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US-Präsident Trump hat mit dem türkischen Staatschef Erdogan über das umstrittene Raketensystem S-400 telefoniert.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Nato-Mitglied Türkei will das russische Raketenabwehrsystem S-400 kaufen. Den USA ist das ein Dorn im Auge - auch Berlin betrachtet den Waffendeal kritisch. Um den Streit zu schlichten, macht der türkische Staatschef Erdogan US-Präsident Trump nun ein Angebot.

Der türkische Präsident Erdogan und sein US-Amtskollege Trump haben über das Raketenabwehrsystem S-400 gesprochen. In einer am Abend veröffentlichten Stellungnahme aus dem Präsidentenpalast hieß es, Erdogan habe Trump in einem Telefonat eine gemeinsame Arbeitsgruppe vorgeschlagen. Die Türkei regt eine solche Gruppe zur Deeskalierung schon seit einer Weile an.

Das Nato-Land Türkei will von Russland das Raketenabwehrsystem S-400 kaufen. Die USA sind strikt dagegen, weil es ihrer Ansicht nach Verteidigungssysteme der USA gefährdet - vor allem den teuren Kampfjet F-35. Die Türkei ist an der Produktion des Jets beteiligt und soll selbst F-35 erhalten. Sollte sie das russische Abwehrsystem und den amerikanischen Kampfjet gemeinsam einsetzen, könnte das dazu führen, dass Russland an geheime Daten über die F-35 gelangt, befürchten die USA.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA sind angespannt. Wegen der Affäre um die S-400 gab es schon Sanktionsdrohungen gegen die Türkei. Zu Konflikten führen aber auch gegensätzliche Positionen im Syrienkonflikt und die Inhaftierung von US-Bürgern wegen Terrorvorwürfen in der Türkei. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass ein türkisches Gericht einen dritten Mitarbeiter des US-Konsulats angeklagt hatte.

Deutschland teilt Bedenken der USA

Auch die Bundesregierung sieht Ankaras Pläne zum Kauf der russischen Raketen kritisch. "Wir wollen, dass die Türkei fest im westlichen Bündnis verankert bleibt, und sehen daher den Kauf der S-400 mit großer Sorge", sagte Martin Erdmann bei der Istanbuler Sicherheitskonferenz in Anwesenheit des türkischen Präsidentensprechers Ibrahim Kalin. Deutschland teile die Bedenken der USA und anderer Nato-Partner hinsichtlich des geplanten Rüstungsgeschäfts, sagte Erdmann in der Eröffnungsrede der Konferenz, die mit von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung ausgerichtet wird. Jeder Staat sei frei beim Kauf von Waffensystemen, doch müsse die Türkei "mit Konsequenzen rechnen", wenn sie sich für ein System entscheide, das nicht Nato-kompatibel sei, mahnte er.

Präsidentensprecher Kalin verteidigte das umstrittene Rüstungsprojekt. Die Türkei habe sich für das russische System entschieden, nachdem sie zehn oder elf Jahre vergeblich versucht habe, von den USA Patriot-Raketen zu erwerben, sagte er. "Wir werden die S-400 nicht in die Nato-Luftabwehrsysteme integrieren, sondern sie als eigenständiges Gerät nutzen", kündigte Kalin an.

Mehrere frühere deutsche Militärs äußerten bei der Konferenz Bedenken hinsichtlich der türkischen Pläne, die S-400 nicht in die Nato-Systeme einzubinden, da damit die gemeinsame Luftverteidigung gefährdet sei. Es sei daher im gemeinsamen Interesse der Nato-Partner, eine Lösung zu finden.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

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