Politik

"Alle Optionen auf dem Tisch"Trump verschiebt US-Angriff auf Iran

16.01.2026, 12:13 Uhr b58b01e6-b3b2-4108-ace9-39b8c6dbd390Von Hubertus Volmer
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Das Weiße Haus berät sowohl intern als auch in Gesprächen mit Verbündeten in der Region über Zeitpunkt und Risiken eines Angriffs auf den Iran. (Foto: REUTERS)

Offenbar auf Bitten des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu und einiger arabischer Staaten der Region vertagen die USA einen Angriff auf den Iran. Die Vorbereitungen für ein militärisches Eingreifen gehen unterdessen weiter.

US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung für einen Angriff auf den Iran verschoben. Das meldet die Nachrichtenseite Axios unter Berufung auf Quellen in den USA, Israel sowie der arabischen Welt. Ein US-Angriff scheine nicht unmittelbar bevorzustehen, heißt es in dem Bericht.

Zugleich "weiß jeder, dass der Präsident seinen Finger am Knopf hat", zitiert das Portal eine Person aus Trumps Umfeld. Seit Beginn der blutigen Niederschlagung der Proteste im Iran hat der US-Präsident dem Regime in Teheran mehrfach mit Angriffen gedroht.

Das Weiße Haus berate sowohl intern als auch in Gesprächen mit Verbündeten in der Region über Zeitpunkt und Risiken einer solchen Operation, schreibt Axios. Diskutiert werde auch über die Frage, ob ein Angriff das iranische Regime überhaupt bedeutend schwächen würde.

Netanjahu bittet um mehr Zeit

Denn die möglichen Folgen eines Angriffs auf den Iran sind völlig unklar. Es sei möglich, dass sie "die Chancen auf einen Sturz des Regimes erhöhen würden, aber sie könnten auch eine nationalistische Reaktion auslösen" und das Regime damit stärken, schreibt der frühere US-Diplomat Richard Haass in der Zeitschrift "Foreign Affairs". Unklar sei auch, wie es nach einem Sturz des Regimes im Iran weitergehen würde.

Dazu kommen Sorgen in den Nachbarstaaten des Iran über Vergeltungsschläge. Laut "New York Times" hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Trump am Mittwoch gebeten, Pläne für einen Militärschlag gegen den Iran zu verschieben. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt bestätigte das Telefonat, kommentierte den Bericht ansonsten aber nicht. Am Dienstag soll Netanjahu auch mit US-Vizepräsident JD Vance gesprochen haben.

Über Netanjahus Gründe für seine Bitte schreibt die Zeitung nichts. Axios berichtet, der israelische Premier habe Trump um Zeit gebeten, sich auf einen möglichen iranischen Gegenschlag vorzubereiten. Zudem sehe Israel den aktuellen Plan der USA nicht als stark oder effektiv genug an, um das iranische Regime bedeutend zu schwächen. Dem israelischen Nachrichtenportal Ynet zufolge sprach der israelische Premier auch mehrfach mit US-Außenminister Marco Rubio.

Arabische Nachbarn befürchten Vergeltungsschläge

Auch Katar, Saudi-Arabien, Oman und Ägypten haben Trump nach Informationen der "New York Times" gebeten, den Iran nicht anzugreifen. Demnach haben sie Vertretern der US-Regierung in mehreren Telefonaten ihre Befürchtung übermittelt, dass ein Angriff der USA auf den Iran sich zu einem größeren Konflikt ausweiten könnte - schließlich befinden sich US-Stützpunkte in ihren Ländern. Der Iran hat gedroht, Angriffe mit Attacken auf US-Militärbasen in der Region zu beantworten

Am Mittwoch hatte Trump noch überraschend ein Zeichen der Entspannung gegeben. Er sei "von sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite" informiert worden, dass der Iran die Hinrichtungen von Demonstrierenden gestoppt habe, sagte der US-Präsident. Laut Ynet hatte Trump kurz zuvor mit Netanjahu telefoniert.

Auf die Frage, ob das Ende der Hinrichtungen bedeute, dass ein militärisches Eingreifen vom Tisch sei, sagte Trump: "Wir werden den Prozess beobachten und sehen, wie sich das entwickelt, aber wir haben eine sehr gute, eine sehr gute Stellungnahme von Leuten erhalten, die wissen, was los ist."

Vorbereitungen für Angriff laufen

Zugleich verstärken die USA ihre militärische Präsenz in der Region, wie mehrere US-Medien berichten. Demnach ist der Flugzeugträger "Abraham Lincoln", der bisher im Südchinesischen Meer unterwegs war, zusammen mit seinen Begleitschiffen auf dem Weg Richtung Nahost. Es dürfte eine Woche dauern, bis der Verband sein Ziel erreicht hat. Parallel haben die USA die Zahl ihrer Truppen in Katar sowie auf anderen Stützpunkten im Nahen Osten reduziert.

Die Vorbereitungen für einen Angriff laufen also. Parallel verstärken die USA den Sanktionsdruck auf Teheran, indem sie Strafzölle gegen die Handelspartner des Iran verhängt haben. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt machte beim Pressebriefing im Weißen Haus deutlich, dass alle Optionen möglich sind. "Nur Präsident Trump weiß, was er tun wird, und ein sehr, sehr kleiner Beraterkreis ist in seine Überlegungen eingeweiht." Der Präsident beobachte die Lage, "und behält weiterhin alle Optionen auf dem Tisch".

Quelle: ntv.de