Politik

Streit um Obama Trump will "Washington Post" kaltstellen

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"Was Obama im Sinn hat": Donald Trump fühlt sich falsch verstanden.

(Foto: Star Max/IPx)

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Donald Trump mit den Medien anlegt: Weil die "Washington Post" kritisch über seine Kommentare zum Attentat von Orlando berichtet hat, will der US-Präsidentschaftskandidat das Blatt nun boykottieren.

Aus Verärgerung über kritische Artikel hat der designierte US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump die "Washington Post" von der Berichterstattung über seine Wahlkampfauftritte ausgeschlossen. Auf Twitter bezeichnete der Republikaner das renommierte Blatt als "unehrlich und verlogen". Wegen ihrer "unglaublich fehlerhaften Berichterstattung" werde der Zeitung umgehend die Akkreditierung für seine Wahlkampfveranstaltungen entzogen.

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Der Chefredakteur der "Washington Post", Martin Baron, wies die Anschuldigungen zurück und warf Trump einen "Verstoß gegen die Arbeit einer freien und unabhängigen Presse" vor. Seine Zeitung werde weiter über Trumps Wahlkampf berichten, "und zwar wie bisher: ehrlich, wahrhaftig, präzise, energisch und furchtlos".

Trumps Wahlkampfzentrale legte der Zeitung in einer Erklärung zur Last, im Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser ihre journalistische Integrität aufzugeben. "Wir fühlen uns nicht mehr verpflichtet, mit so einem Medienunternehmen zusammenzuarbeiten", heißt es in der Erklärung. Trump hatte in den vergangenen Monaten auch anderen unliebsamen Medien die Akkreditierung entzogen, um sie von seinen Redeauftritten und Pressekonferenzen auszuschließen.

Was Obama "im Sinn hat"

Die Entscheidung vom Montag gegen die "Washington Post" war offenbar von deren aktueller Berichterstattung über Trumps Äußerungen zu dem Attentat in Orlando beeinflusst. Trump hatte US-Präsident Barack Obama Nachlässigkeit im Umgang mit radikalen Islamisten vorgeworfen. Er sagte dabei: "Wir werden geführt von einem Mann, der entweder nicht hart ist oder nicht klug ist oder der etwas ganz anderes im Sinn hat."

Die "Washington Post" schrieb daraufhin, Trump habe "wiederholt den Anschein erweckt, er beschuldige Präsident Obama, mit radikalisierten Muslimen zu sympathisieren". Trump wiederum warf nun der "Washington Post" vor, sie unterstelle in ihrer Berichterstattung, dass er Obama eine Verwicklung in das Attentat von Orlando vorgeworfen habe. "Das ist traurig", schrieb Trump.

Hintergrund des Streits ist Trumps Beteiligung an der verschwörungstheoretischen "Birther"-Bewegung. Die "Birther" glauben, Obama sei Muslim und nicht in den USA zur Welt gekommen. Vor fünf Jahren, als Trump bereits erwog, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, zeigte er sich skeptisch, ob Obama wirklich US-Bürger sei. Er verlangte, dass der Präsident seine Geburtsurkunde vorlege. Obama tat dies auch - die Verschwörungstheorien kursieren dennoch weiterhin.

Quelle: ntv.de, jug/AFP