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"Wenn du keinen Deal kriegst" Trump würde aus der EU austreten

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Donald Trumps Rat an die Briten: "Wenn Du nicht den Deal kriegst, den Du möchtest, wenn Du keinen fairen Deal kriegst, dann gehst Du raus."

(Foto: REUTERS)

Kurz vor seiner Reise nach London löst US-Präsident Trump auf der Insel irritierte Reaktionen aus. Im Exklusiv-Interview mit zwei Murdoch-Blättern erteilt er der britischen Politik hemdsärmelige Ratschläge zur May-Nachfolge und zum Umgang mit den Europäern.

US-Präsident Donald Trump hat sich in einem Interview mit der "Sunday Times" erneut in die britische Politik eingemischt und im Zweifel einen "No-Deal"-Brexit befürwortet. "Wenn sie nicht kriegen, was sie wollen, dann würde ich rausgehen", sagte er auf die Frage, was er dem Nachfolger der scheidenden Premierministerin Theresa May raten würde. "Wenn Du nicht den Deal kriegst, den Du möchtest, wenn Du keinen fairen Deal kriegst, dann gehst Du raus."

Im Vorfeld seines anstehenden Staatsbesuchs in Großbritannien hatte er bereits seine Sympathien für den Brexit-Hardliner und möglichen May-Nachfolger Boris Johnson in einem Interview mit dem britischen Boulevardblatt "The Sun" zum Ausdruck gebracht. Dass sich ein Staatsgast derart deutlich in innenpolitische Fragestellungen einmischt, muss zumindest als ungewöhnlich gelten. In Teilen der britischen Öffentlichkeit stößt Trumps Parteinahme auf Kritik.

Dass Trump zwei britischen Blättern exklusiv für Interviews zur Verfügung steht, wirft zudem weitere Fragen auf: Beide Zeitungen gehören zum Imperium des erzkonservativen Medienmoguls Rupert Murdoch - ebenso wie Trumps US-Haussender Fox News.

"So bin ich. Ich würde nicht zahlen."

Trump sprach sich in dem Interview mit der "Sunday Times" auch dafür aus, dass Großbritannien seine Schulden bei der EU in Höhe von 39 Milliarden Pfund (rund 44 Milliarden Euro) nicht bezahlen sollte. "Wenn ich sie wäre, ich würde nicht 50 Milliarden Dollar zahlen", sagte Trump. "Das ist eine große Zahl." Er fuhr fort: "Ich würde nicht 50 Milliarden Dollar zahlen. So bin ich. Ich würde nicht zahlen - das ist eine gewaltige Summe."

Was Trump hier großzügig übergeht, sind gewichtige vertragliche Verpflichtungen: Die fraglichen Zahlungen gehen auf langfristige EU-Beschlüsse aus der Zeit vor der Austrittsdebatte zurück. Die meisten dieser Beschlüsse kamen auch Großbritannien zugute. Sie wurden aber vor allem wie alle EU-Entscheidungen unter Mitwirkung britischer Politiker und mit Zustimmung der Regierung in London auf den Weg gebracht und beschlossen.

Nigel Farage soll mit der EU verhandeln

Trump hielt für die Briten kurz vor seiner Großbritannien-Reise einen weiteren Tipp parat: Den Politikern in London riet er, den hoch umstrittenen Brexit-Partei-Politiker und EU-Abgeordneten Nigel Farage in die Verhandlungen zu integrieren. Farage sollte für seinen Erfolg bei den zurückliegenden Europawahlen belohnt werden.

Zu der bisherigen Weigerung der britischen Konservativen sagte er: "Ich glaube, das ist ein Fehler. Er hat eine Menge anzubieten. Er ist ein sehr kluger Mensch." Farage hatte sich im Vorfeld des Brexit-Referendums als glühender Verfechter eines EU-Austritts hervorgetan. Nach dem knappen Votum überraschte er seine Anhänger mit der Ankündigung sich ins Privatleben zurückziehen zu wollen.

Dass Trump große Stücke auf Farage zählt, ist keine Überraschung. Kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten legte der den Briten bereits nahe, Farage zum Botschafter des Vereinigten Königreichs in Washington zu machen.

Tee mit Charles, Staatsbankett mit der Queen

Die Ankunft des US-Präsidenten in der britischen Hauptstadt wird für Montag erwartet. Anschließend stehen Fototermine mit Mitgliedern des britischen Königshauses, ein Tee mit Prinz Charles und auch eine Audienz bei Königin Elizabeth II. auf dem Programm.

Am Morgen nach dem abendlichen Staatsbankett mit der Queen ist ein "Business"-Frühstück mit der scheidenden Premierministerin Theresa May angesetzt. Beide wollen nach ihren Gesprächen auch gemeinsam vor die Presse treten.

Am Mittwoch wird Trump, der in Begleitung seiner Frau Melania durch Europa reist, an einer Flugschau im südenglischen Marinehafen Portsmouth teilnehmen, wo im Vorfeld des 75. Jahrestag des "D-Day" der alliierten Invasion an der Küste der Normandie im Zweiten Weltkrieg gedacht wird. Nach einem formellen Abschiedsgruß der Queen fliegt der US-Präsident weiter nach Irland, wo ein Treffen mit dem irischen Premierminister Leo Varadkar geplant ist.

"D-Day"-Gedenken mit Macron

Am Donnerstag, 6. Juni, landet Trump den Angaben aus dem Weißen Haus zufolge an den Stränden der Normandie, um dort gemeinsam mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron der Befreiung Frankreichs und der Kriegstoten zu gedenken.

Was Trump am Freitag vor seinem Rückflug in die USA vorhat, ist noch unklar. Möglicherweise, heißt es, legt er einen weiteren Zwischenstopp in Irland ein, um dort in seinem "Doonbeg Golf Resort" an der irischen Westküste einen Erholungstag zu genießen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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