Reaktion auf Jesus-BildTrumps "Gotteslästerung" könnte ihn die christliche Basis kosten
Unter den Gruppen, die Donald Trump zur zweiten Präsidentschaft verhelfen, spielen Christen eine besondere Rolle. Aber gerade die droht der US-Präsident nun gleich mehrfach zu verärgern. Sein Bild als Jesus scheint selbst für treueste Anhänger zu viel zu sein.
US-Präsident Trump verärgert mit seinem Umgang mit den Epstein-Files und dem noch immer nicht beendeten Iran-Krieg bereits einen großen Teil seiner Wählerschaft. Mit einem auf Truth Social geposteten KI-generierten Bild von sich als heilender Jesus droht er nun eine spezielle Gruppe gegen sich aufzubringen: Christen, vor allem Katholiken. Dabei waren die ein wichtiger Baustein seines Wahlsiegs.
Das Bild ist nicht lange online, bis es wieder gelöscht wird. Der Schaden, den es bei einem Teil der eigenen Anhänger hinterlässt, könnte dennoch nachhaltig sein. Es zeigt Trump in einem weißen Gewand, der hinter einem kranken, in einem Bett liegenden Mann steht. Trump legt ihm eine Hand auf die Stirn. Sie ist von goldenem Licht umgeben. Auch aus der anderen Hand strahlt Licht. Um Trump herum stehen Menschen, darunter ein Soldat und eine Krankenschwester, und schauen zu ihm auf. Im Hintergrund sind Symbole wie die US-Flagge, der Weißkopfseeadler und die Freiheitsstatue zu sehen. Die Intention ist klar: Trump ist der Heiler, der mit nichtmenschlicher Kraft einen Kranken von seinem Leid befreien kann. Der Jesus-Bezug ist überdeutlich.
Trump löschte das Bild nicht lange nach der Veröffentlichung, allerdings wohl nicht aus eigenem Antrieb. Wie Politico schreibt, hat Mike Johnson, der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, ihn darum gebeten. Der US-Präsident redete sich im Nachgang heraus und erklärte, keinen Jesus-Bezug erkannt zu haben. Politico zitiert einen anonymen katholischen republikanischen Spendensammler mit den Worten: "Er stieß auf erheblichen Widerstand auf beiden Seiten des christlichen Spektrums, sowohl bei Evangelikalen als auch bei Katholiken. Das ist ein Tabu."
Sowohl die Sprecherin des Republikanischen Nationalkomitees, Kiersten Pels, als auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Taylor Rogers, stellten sich vor den US-Präsidenten. Sie betonten, dass er eine Reihe von pro-katholischen Maßnahmen verabschiedet sowie Maßnahmen des ehemaligen Präsidenten Joe Biden rückgängig gemacht habe, unter anderem in Bezug auf Abtreibung und Transgender-Themen.
Trump zeigte sich schon als Papst-Nachfolger
Trump selbst gab vor, den Furor nicht zu verstehen. Er behauptete, zu glauben, er werde in diesem Bild als Arzt dargestellt. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Trump sich in heiligen Kontext setzt. Nachdem Papst Franziskus verstorben war, postet er bereits ein Bild von sich als Heiligem Vater. Damals blieb Kritik weitgehend aus. Diesmal sind jedoch zahlreiche Katholiken verärgert.
In sozialen Medien gibt es Clips, in denen MAGA-Anhänger über den US-Präsidenten wüten. Einige verbrennen die für die Bewegung zentralen roten Kappen mit der Aufschrift "Make America Great Again". Andere werden etwa von TV-Teams interviewt und zu ihrer Meinung zu Trumps Darstellung als Jesus befragt. "Widerlich", "entsetzlich" oder "Schande" sind Worte, die Menschen in die Kameras sagen. Nach eigenem Bekunden sind sie Wähler Trumps. Auf die Frage, ob sie, wie Trump behauptete, einen Doktor auf dem Bild sähen, sagen sie deutlich "nein". "Ich weiß, dass das kein Doktor ist, sondern Trump, der sich als Jesus darstellt", sagt etwa ein Mann. Es handele sich aus seiner Sicht eindeutig um Blasphemie, also Gotteslästerung.
Einem Axios-Bericht zufolge machen Katholiken etwa 20 Prozent der US-Bevölkerung aus. Sie sollen Amerikas mächtigste religiöse Wählergruppe sein. 2024 konnte Trump 59 Prozent der wählenden Katholiken von sich überzeugen, mehr als bei seinem ersten Wahlsieg 2016. Damals waren es genau 50 Prozent. Bei seiner Niederlage gegen Joe Biden 2020 war es weniger als die Hälfte, was wohl daran liegen dürfte, dass Wahlsieger Biden katholisch ist - und nach John F. Kennedy erst der zweite katholische US-Präsident.
2024 machte Trump es deutlich besser und überzeugte die Katholiken mit der Ankündigung einer harten Einwanderungspolitik und der Verschärfung von Abtreibungsgesetzen sowie einem härteren Vorgehen gegenüber Transgender. Und er hielt zunächst Wort und stutzte etwa Fördergeld und Programme für Diversität in der Verwaltung oder dem Militär zusammen. Zudem sind mindestens fünf Kabinettsmitglieder Trumps Katholiken, darunter mit Vize-Präsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. gleich drei namhafte.
Trump wütet gegen Papst Leo XIV.
Dass er die Zustimmung katholischer Anhänger nun verlieren könnte, deutet nicht nur die Reaktion einiger Wähler in sozialen Medien oder in Interviews an. Bereits zuvor hatte Trumps Papst-Schelte für einigen Unmut gesorgt. Leo XIV. hatte den Krieg der USA im Iran kritisiert. "Gott segnet keinen Konflikt. Wer ein Jünger Christi, des Friedensfürsten, ist, steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert schwangen und heute Bomben abwerfen", schrieb der Pontifex, der ebenfalls US-Amerikaner ist, vor rund einer Woche.
Trump wütete und bezeichnete Leo XIV. nicht nur als schwach, sondern behauptete zudem, er sei überhaupt nur Papst geworden, weil Trump zur Zeit der Papstwahl US-Präsident gewesen sei. "Er stand auf keiner Liste der Papstkandidaten und wurde von der Kirche nur deshalb dort eingesetzt, weil er Amerikaner ist und man dachte, das wäre der beste Weg, um mit Präsident Donald J. Trump umzugehen. Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan", schrieb Trump auf Truth Social. Kurze Zeit später postete er das Bild von sich als Jesus.
Aber auch das war nur der zweite Akt in der Verärgerung christlicher Unterstützer durch den US-Präsidenten. Der erste fand direkt an Ostern statt. Da drohte Trump dem Iran zunächst mit der Bombardierung von Kraftwerken und Brücken, also ziviler Infrastruktur und fabulierte kurz darauf sogar von der "Auslöschung einer ganzen Zivilisation". Das brachte politische Hardliner und Verschwörungsideologen wie Radiomoderator Alex Jones, die rechte Aktivistin Candace Owens und Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson auf die Palme.
Letzterer kritisierte die Drohungen des US-Präsidenten in einem Video scharf. Carlson sagte, dass der Ostermorgen eigentlich friedlich sein sollte. Aus seiner Sicht seien die Worte Trumps abscheulich. Das US-Militär einzusetzen, um zivile Infrastruktur zu zerstören, sei ein Kriegsverbrechen. Carlson fragte, was denn passieren würde, wenn Kraftwerke zerstört würden. "Menschen sterben. Babys in Brutkästen sterben. Menschen in Krankenhäusern sterben." Und dann würden Menschen anfangen, zu hungern und zu fliehen. Und das sei vollkommen inakzeptabel, so Carlson, und zwar nicht unter den Regeln internationaler Gemeinschaften, sondern unter moralischen Regeln, "unter Gottes Regeln", so der einstige Moderator weiter. Das könne nie gerechtfertigt werden und sei immer falsch.
Tucker Carlson sieht Trump-Bild als Beleidigung aller Christen
Dass Trump seinen Post noch mit den Worten: "Lob sei Allah" garniert, bringt den Ex-Fox-News-Moderator dann zusätzlich auf. "Offensichtlich machen Sie sich über die Religion Irans lustig." Kein anständiger Mensch mache sich über die Religion von anderen lustig. "Sich über den Glauben eines Menschen lustig zu machen bedeutet, sich über Glauben an sich lustig zu machen", stellt Carlson klar. In seinen Augen handelt es sich bei Trumps Worten nicht nur um eine Verspottung des Islam, sondern um die des Christentums. "Einen Tweet mit dem F-Wort am Ostermorgen zu senden, die Tötung von Zivilisten zu versprechen und dann zu sagen: 'Lob sei Allah', [...] damit beleidigen Sie mich und jeden anderen Christen. Das können wir nicht unterstützen". Mit den Worten: "Das ist die Entweihung von Schönheit und Wahrheit und das ist die Definition des Bösen" beendet Carlson seine Worte zu Trumps Oster-Posting.
Sowohl Carlson als auch Alex Jones und Candace Owens sind wichtige Unterstützer Trumps. Carlson stellt klar, dass er mit vielen Positionen des US-Präsidenten übereinstimmt. Aber hier übertritt er aus seiner Sicht klar eine Linie.
Und wie reagierte Trump auf diese und andere kritische Worte? Statt sich der Größe der katholischen Wählergruppe und der Reichweite der rechten Aktivisten bewusst zu sein und rhetorisch abzurüsten, schlug der US-Präsident hart zurück. Er behauptete, dass sie ihn schon jahrelang bekämpfen würden, was faktisch falsch ist. Dann unterstellte er Carlson und den anderen Kritikern noch, dass sie iranische Atomwaffen großartig fänden, um sie abschließend persönlich zu beleidigen und ihnen einen niedrigen Intelligenzquotienten zu attestieren.
Da sich Trump, wie Axios berichtete, bei seinem Wahlsieg auf eine breite, inhaltlich ganz bunte Gruppe von Anhängern stützen konnte, muss die Verärgerung von Katholiken nicht sofort zu einem massiven Einbruch der Unterstützung führen. Allerdings ging die Zustimmung bei Christen in den USA bereits vor Trumps aktuellen Äußerungen zurück. In einer Umfrage von Fox News, einem Sender, der Trump grundsätzlich gewogen ist, sagte Ende März nur noch die Hälfte der Protestanten, dass sie mit seiner Amtsführung einverstanden sei. Das waren drei Prozentpunkte weniger als Anfang März. Bei den Katholiken nahm der Zuspruch im gleichen Zeitraum ebenfalls ab - von 52 auf 48 Prozent. Das alles geschah binnen drei Wochen. Wie sich Trumps neueste Entgleisungen niederschlagen, ist offen. Stärken werden sie seine Position zumindest unter Christen eher nicht.
