Politik

Nominierungsparteitag in Cleveland Trumps Krönung darf nicht misslingen

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(Foto: dpa)

Er ist fast am Ziel: Beim Parteitag in Cleveland will sich Donald Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat küren lassen. Widerstand ist zwar aussichtslos, aber nicht ganz ausgeschlossen.

Er stritt mit der US-Bundesrichterin Ruth Bader Ginsburg. Verklagte einen ehemaligen Wahlkampfmitarbeiter auf 10 Millionen Euro Schadenersatz, weil er vertrauliche Informationen an die Medien weitergegeben haben soll. Amerikanische Filmemacher gründeten Facebook-Seite und warnen vor der Wahl Donald Trumps. Es ist eine ganz gewöhnliche Woche im US-Wahlkampf – und im Leben des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers.

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In Cleveland laufen seit Tagen die Vorbereitungen für das große Spektakel: den Wahlparteitag der Republikaner.

(Foto: REUTERS)

Trump ist allgegenwärtig und das wird dem 70-jährigen Milliardär nicht unrecht sein. In der kommenden Woche will er beim Wahlparteitag der Grand Old Party in Cleveland die nächste Stufe erklimmen auf dem Weg zu seinem großen Ziel. Nach den siegreichen Vorwahlen will er sich auch offiziell zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei küren lassen. Nicht nur ganz Amerika wird deshalb zwischen dem 18. und 21. Juli gebannt darauf schauen, was in der Stadt im Bundesstaat Ohio geschehen wird. Dass es dort doch noch eine Überraschung gibt und Trump doch noch stolpern könnte, ist jedoch so gut wie ausgeschlossen.

50.000 Besucher haben sich angemeldet, in Ohio wurden 20.000 Hotelzimmer reserviert. Sie wollen sich die Kür von Trump nicht entgehen lassen. Aber bei allen Superlativen, die im "The Q", dem Heimstadion des NBA-Teams der Cleveland Cavaliers zu erwarten sind: Die Conventions werden in diesem Jahr anders sein als in der Vergangenheit.

Traditionelle Sponsoren wie Apple, Ford und General Electric haben abgesagt. Aus der Riege der Parteigrößen will niemand auf der Bühne sprechen, weder ein Mitglied aus der Bush-Dynastie, noch Mitt Romney oder John McCain. Trumps gescheiterter Mitbewerber Ted Cruz und seine Kinder Ivanka, Eric und Donald jr. sollen Reden halten. An ihnen und natürlich an Trump selbst liegt es an den vier Tagen, die Skeptiker zu überzeugen. Seine Chancen sind schlecht, wenn er nicht einmal die eigene Partei hinter sich vereinen kann.

Haben die Republikaner eine andere Wahl?

Die Vorbehalte und das Zähneknirschen über Trump sind groß. Viele Republikaner fremdeln nach wie vor sehr mit der Vorstellung, dass er die Partei als Kandidat in den Wahlkampf führen soll. Mit seinem Auftreten im Wahlkampf hat der exzentrische Milliardär, der zwischen 1999 und 2012 sieben Mal die Partei wechselte, Spuren hinterlassen. Die Skepsis speist sich auch aus den mageren Umfragen. Viele US-Konservative fürchten, dass Trumps Unbeliebtheit die ursprünglich durchaus vorhandene Wechselstimmung im Land fortspülen und die Demokraten vier weitere Jahre im Weißen Haus bleiben können.

Noch vor Monaten hofften die Trump-Gegner, dass sich ein anderer Bewerber durchsetzen würde. Aber alle Konkurrenten warfen hin, bei den Vorwahlen nahm Trump locker die Hürde der nötigen Delegierten, siegte mit riesigem Vorsprung und holte 1542 der 2472 Delegierten. Haben die Republikaner eine andere Wahl? Eigentlich nicht. Seit einigen Wochen mühen sich Trump-Gegner mit einem letzten verzweifelten Versuch, die Verfahrensregeln des Parteitags so zu ändern, um ihn noch stoppen zu können. Die Gruppe kämpft darum, dass die Delegierten im Cleveland doch nicht an die Vorwahlergebnisse gebunden sein sollen und sammelt bereits Geld für mögliche Rechtsstreitigkeiten.

Notfalls ohne die Partei

Die Regeln des Parteitags sind kompliziert. Bei der Wahl sind alle Wahlmänner an das Votum gebunden. Erst wenn es keine Mehrheit gibt und weitere Wahlgänge nötig sind, dürfen sie für einen anderen Kandidaten stimmen. Nur: Einen Gegenkandidaten zu Trump gibt es nicht mehr. Trumps Rivalen Cruz, Marco Rubio und John Kasich haben ihre Kampagnen beendet. Von ihnen käme auch nur Cruz infrage, weil er mindestens acht Vorwahlen gewonnen hat, wie es die Regeln für einen Alternativkandidaten voraussetzen.

Dass die Trump-Gegner den missliebigen Kandidaten doch noch stoppen können, ist sehr unwahrscheinlich. Fast alles deutet darauf hin, dass Trump nicht mehr aufzuhalten ist. Ein Putschversuch birgt zudem das Risiko, dass sich die Chancen auf einen Republikaner im Weißen Haus weiter verschlechtern würden. Die Einheit der Partei wäre endgültig dahin und der Kandidat beschädigt, bevor die heiße Phase des Wahlkampfes begonnen hat. Das würde die designierte Demokraten-Kandidatin Hillary Clinton stärken, die Ende Juli nominiert werden soll.

Trump gibt sich öffentlich wenig beeindruckt. Versuche, die Regeln des Parteitags zu ändern, bezeichnet er als illegal. Bereits im Juni kündigte er an, seinen Wahlkampf notfalls alleine zu führen. Beim Parteitag in Cleveland will er sich nicht nur nominieren lassen. In Umfragen liegen Clinton und Trump gleichauf in Ohio. Wer in dem Swing-State gewann, wurde meistens auch Präsident. Barack Obama siegte zweimal in Ohio und sein Vorgänger George W. Bush ebenfalls. Aus Trumps Sicht können die Spiele endlich beginnen – nur die eigene Partei kann ihm jetzt noch in die Quere kommen.

Quelle: n-tv.de

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