Politik

Was hat Washington erreicht?Trumps fragwürdige Iran-Bilanz

17.06.2026, 15:08 Uhr
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Von einem Regimechange in Teheran ist keine Rede mehr: Eine Frau läuft dort an einem Propagandabild vorbei. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Ende Februar beginnen die USA ihren Krieg gegen die Mullahs, nun liegt zumindest ein vorläufiges Friedensabkommen vor. Und so mancher, nicht nur in den USA, wird sich fragen: Haben sich die milliardenschweren Kämpfe gelohnt?

Kurz nach dem Beginn der Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar formulierte US-Präsident Donald Trump weitreichende Ziele. Es sollte sichergestellt werden, dass die Islamische Republik niemals eine Atombombe bauen kann und ihre ballistischen Raketenkapazitäten sollten zerstört werden. Zudem sollte die Unterstützung der Führung in Teheran für Extremisten und Milizen in der Region gestoppt werden. Mehr als drei Monate später liegt ein vorläufiges Friedensabkommen vor. Es stellt sich nun die Frage, was Trump tatsächlich erreicht hat. Die Bilanz ist durchaus fragwürdig.

Vor dem Konflikt verfügte der Iran über das größte Arsenal an ballistischen Raketen im Nahen Osten, dessen Umfang auf 2500 bis 6000 Raketen unterschiedlicher Typen geschätzt wurde. Einige davon haben eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern und können Israel erreichen. Zudem stellte das Land in großem Stil Langstreckendrohnen her, insbesondere den Typ Schahed, den auch Russland in der Ukraine einsetzt. Etwa einen Monat nach Beginn der Angriffe berichteten US-Insider der Nachrichtenagentur Reuters, ein Drittel dieses Arsenals sei zerstört und ein weiteres Drittel beschädigt oder unterirdisch in Sicherheit gebracht worden.

US-Admiral Brad Cooper erklärte am 14. Mai im Kongress, die iranischen Kapazitäten zum Bau von Raketen und Drohnen seien um Jahre zurückgeworfen worden. Demnach fingen die USA und ihre Verbündeten während des Konflikts mehr als 1500 Raketen und 6000 Drohnen ab. Wie viele Raketen dem Iran verbleiben, ist allerdings unklar, und das Land ist weiterhin zu Angriffen in der Region fähig. Am 6. Juni feuerte der Iran Raketen auf Kuwait und Bahrain ab, am 7. Juni folgte ein Angriff auf Israel. Den betroffenen Staaten zufolge entstanden dabei keine größeren Schäden.

Das US-Militär sieht die konventionellen Fähigkeiten des Irans zur Einflussnahme und Machtausübung in der Region als geschwächt an. Admiral Cooper erklärte vor dem Kongress, die US-Streitkräfte hätten 161 iranische Kriegsschiffe zerstört und 82 Prozent der iranischen Luftabwehr ausgeschaltet. Die iranische Luftwaffe, die vor dem Krieg täglich bis zu 100 Einsätze flog, bleibe inzwischen komplett am Boden. Dennoch gelang es dem Iran während des gesamten Konflikts, die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr weitgehend zu sperren. Mit Schnellbooten, Minen, Drohnen und Raketenkreuzern blockierte das iranische Militär die Meerenge, durch die ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl- und Erdgas transportiert wird.

Irans Atomfähigkeiten fast unverändert

Trumps erklärtes Hauptziel bleibt es, den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern. Teheran betont stets, kein Atomwaffenprogramm zu verfolgen und die Nukleartechnologie friedlich zur Energiegewinnung nutzen. Der Konflikt hat an den nuklearen Fähigkeiten des Irans jedoch wenig geändert. US-Geheimdienste schätzten im vergangenen Monat, dass der Iran weniger als ein Jahr für den Bau einer Nuklearwaffe benötigen würde. Dies entspricht derselben Zeitspanne, die nach den Angriffen auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 prognostiziert worden war.

Das Atomprogramm dürfte ein zentraler Punkt bei den weiteren Verhandlungen sein, die dem Rahmenabkommen folgen sollen, das am Freitag in der Schweiz formell unterzeichnet werden soll. Trump dringt Insidern zufolge darauf, dass der Iran sein angereichertes Uran außer Landes schafft. Der neue oberste Führer des Irans, Ajatollah Modschtaba Chamenei, lehne dies jedoch ab, hieß es von Insidern.

Trump hatte zudem am 2. März im Weißen Haus erklärt, der Iran dürfe die verbündeten Extremisten-Milizen im Irak, im Libanon, im Gazastreifen und im Jemen nicht weiter finanzieren und bewaffnen. Die Führung in Teheran zeigte hingegen während des Konflikts keine Bereitschaft, ihre Unterstützung für die iranischen Stellvertreter in der Region einzustellen. Dennoch bewerten das US-Militär und unabhängige Experten das Netzwerk der iranischen Verbündeten als deutlich geschwächt.

Regimewechsel kein Thema mehr

Viele dieser Entwicklungen hin zu einer Schwächung der iranischen Verbündeten in der Region begannen allerdings bereits vor dem Krieg. Israel tötete nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 zahlreiche Anführer und Kämpfer der militant-islamistischen Palästinenser-Organisation im Gazastreifen sowie der Hisbollah-Miliz im Libanon. Zudem verlor der Iran mit dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Jahr 2024 einen wichtigen Transportweg für Waffenlieferungen an die Hisbollah. Sanktionen und die wirtschaftliche Krise im Iran schränkten die Finanzierungsmöglichkeiten Teherans weiter ein. Bis auf die Hisbollah spielten diese Gruppen im jüngsten Krieg keine große Rolle.

Die Hamas griff Israel nicht aus dem Gazastreifen an, und die Huthi-Miliz im Jemen störte den Schiffsverkehr im Roten Meer nicht erheblich. Die Hisbollah griff am 2. März mit Raketen und Drohnen in den Konflikt ein, woraufhin Israel mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Libanon reagierte. Dabei wurden fast 3700 Menschen getötet und 1,2 Millionen vertrieben. Auf israelischer Seite starben 28 Soldaten und 4 Zivilisten. Admiral Cooper erklärte im Mai, der Iran könne seine Verbündeten nicht mehr verlässlich mit modernen Waffen versorgen.

Vor dem Krieg hatte Trump die iranische Bevölkerung zum Umsturz aufgerufen und den Tod des langjährigen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei bei den Angriffen am 28. Februar als historische Chance bezeichnet. Am 6. März erklärte er, der Krieg werde erst mit einer bedingungslosen Kapitulation des Iran und einer neuen Führung enden. Zwar stürzte die theokratische Regierung nicht, Trump verbuchte die Entwicklung dennoch als Erfolg. Ali Chamenei wurde durch seinen Sohn Modschtaba Chamenei ersetzt, was Trump am 29. März als Antritt eines neuen, vernünftigeren Regimes bezeichnete. In den vergangenen Wochen verzichtete der US-Präsident auf weitere Aufrufe zum Sturz der iranischen Führung.

Quelle: ntv.de, Andy Sullivan, rts

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