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USA nennen Kämpfe "inakzeptabel" Türkei will Kurden weiter angreifen

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Ein türkischer Panzer überwacht das Grenzgebiet zu Syrien.

(Foto: AP)

Die Offensive der Türkei gegen grenznahe kurdische Stellungen in Syrien macht die Lage im Kriegsgebiet nicht gerade einfacher. Trotz Mahnungen aus den USA kündigt Ankara aber weitere Kämpfe an - bis die Kurden sich hinter den Euphrat zurückgezogen hätten.

Trotz Ermahnungen aus den USA setzt die Türkei ihren Kampf gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens fort. Die türkische Armee werde die YPG so lange bekämpfen, bis diese sich wieder östlich hinter den Euphrat zurückziehe, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Die US-Regierung rügte Gefechte zwischen türkischen Soldaten und den von Washington unterstützten syrisch-kurdischen Kämpfern als "inakzeptabel".

Cavusoglu forderte die YPG-Kämpfer auf, sich "so schnell wie möglich" an das Ostufer des Euphrats zurückzuziehen. "So lange sie das nicht machen, stellen sie für uns ein Ziel dar", fügte Cavusoglu nach einem Treffen mit seinem niederländischen Kollegen Bert Koenders in Ankara hinzu.

Der Minister warf der Kurdenmiliz "ethnische Säuberungen" in den von ihr eroberten Gebieten vor. Die YPG versuche insbesondere, die Rückkehr geflüchteter arabischer Bewohner in die kürzlich von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückeroberte Stadt Manbidsch zu verhindern. Die YPG vertreibe aber auch andersdenkende Kurden.

Mehrere Dörfer erobert

Mehrere bewaffnete Gruppen erklärten über Twitter, sie hätten südlich der Grenzstadt Dscharablus weitere Dörfer von den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) erobert, einem von Kurden angeführten Bündnis. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete Geländegewinne der Rebellen. Diese rückten damit näher an Manbidsch heran. Das türkische Militär beschoss derweil sowohl im Nordirak als auch in Syrien Ziele kurdischer Milizen. Im Irak habe die Luftwaffe Verstecke der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bombardiert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Im Gebiet um die nordsyrische Stadt Dscharablus habe die Armee in den letzten 24 Stunden 20 Ziele von "Terroristen" beschossen, meldete Anadolu weiter.

Bereits am Wochenende waren bei zwei Angriffen der türkischen Luftwaffe auf die Region Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der getöteten Zivilisten sei auf 45 gestiegen, meldete die Beobachtungsstelle, deren Angaben nur schwer unabhängig überprüft werden können.

Die Türkei hatte am vergangenen Mittwoch zusammen mit syrischen Rebellen ihre Offensive "Schutzschild Euphrat" gestartet, die sich neben dem IS vor allem auch gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), den bewaffneten Arm der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), richtet. Die Regierung in Ankara bezeichnet die PYD als syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die sie in der Türkei seit Jahren als Terrororganisation bekämpft. Auch EU und USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. Die Co-Vorsitzende der PYD, Asia Abdullah, sagte, Ziel der Kurden sei es, Syrien vom IS und vom Terrorismus zu befreien. Die Stadt Manbidsch sei bereits offiziell an lokale Kräfte übergeben worden.

"Grund zu großer Sorge"

Die Kurden wollen in ihrem angestammten Siedlungsgebiet in Nordsyrien ein eigenes Autonomiegebiet schaffen. Ankara will dies verhindern und mit dem Militäreinsatz eine Ausweitung des Kurdengebiets entlang der türkischen Grenze stoppen.

Die türkische Offensive im syrischen Grenzgebiet hat die Lage in dem Bürgerkriegsland zusätzlich verkompliziert. Für die USA, ein wichtiger Nato-Partner der Türkei, ist die YPG einer der wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen den IS in Syrien. Der Sonderbeauftragte von US-Präsident Barack Obama für den Kampf gegen den IS, Brett McGurk, bezeichnete Gefechte zwischen türkischen Soldaten und kurdischen Kämpfern sowie deren arabischen Verbündeten nahe des Grenzorts Dscharablus als "inakzeptabel".

Auch Pentagonsprecher Peter Cook erklärte, die Gefechte seien für die US-Regierung ein "Grund zu großer Sorge". Die Zusammenstöße bei Dscharablus, wo der IS nicht mehr vertreten sei, seien mit der US-Armee nicht abgesprochen "und wir unterstützen sie nicht", fügte Cook hinzu. Allerdings hatten die USA ihren bisherigen Schützling YPG auch ultimativ zum Rückzug hinter den Euphrat aufgerufen.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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