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Feuer auf Islamisten und Kurden Türkische Armee greift IS-Stellungen an

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Türkische Artillerie an der syrischen Grenze.

(Foto: AP)

Ankara hatte nach dem Attentat in Gaziantep mit mindestens 54 Toten angekündigt, die Grenzregion zu Syrien vom IS zu säubern. Nun beginnt offenbar der Angriff. TV-Sender berichten von Artilleriefeuer - nicht nur auf Stellungen des IS.

Die türkische Armee hat nach Fernsehberichten Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat und der Kurdentruppe PYD im Norden Syriens mit Artillerie beschossen. Bei den Angriffen seien IS-Ziele in der Stadt Dscharablus und PYD-Ziele nahe Manbidsch unter Haubitzen-Feuer genommen worden, berichteten die Sender CNN-Türk und NTV.

Kurdische Milizen haben den Angriff bestätigt. Die Stellungen in der nordsyrischen Region Manbidsch seien vom türkischem Militär bombardiert worden. Die Türkei habe Stellungen rund 20 Kilometer von der Grenze beschossen, sagte ein Sprecher der Kurden in der Region, Scherwan Darwish, der Deutschen Presse-Agentur.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) kontrollieren ein großes Gebiet an der türkischen Grenze, das nur durch das Einflussgebiet des IS unterbrochen wird. Der Vormarsch der YPG, des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, ist der Türkei ein Dorn im Auge. Erst kürzlich hatte die Regierung vor einem weiteren Vorrücken der Kurden in der Region gewarnt. Ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet an der Grenze zur Türkei könnte auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befeuern, so die Befürchtung Ankaras.

"Terrororganisation bei uns und im Ausland bekämpfen"

Vor den Angriffen hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärt, Ankara wolle die Grenzregion zu Syrien vollständig vom IS "säubern". Cavusoglu sagte, die Türkei werde den IS "bis zum Ende" bekämpfen. Unterdessen liefen die Ermittlungen zur Identität des jugendlichen Selbstmordattentäters auf Hochtouren. Cavusoglu sagte über die IS-Miliz weiter, es sei das "ganz natürliche Recht" der Türkei, "diese Terrororganisation bei uns und im Ausland zu bekämpfen". Die Türkei werde den IS bekämpfen und auch den Kampf anderer Länder und Gruppen gegen die Dschihadistenmiliz unterstützen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet unterdessen, auf der türkischen Seite der Grenze seien hunderte von Ankara unterstützte syrische Milizionäre versammelt. Sie wollten die syrische Grenzstadt Dscharablus einnehmen, die unter der Kontrolle des IS steht. Offenbar wollen die Kämpfer kurdischen Einheiten zuvorkommen. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle können nur schwer überprüft werden.

Ein junger Attentäter hatte sich am Samstagabend auf einer kurdischen Hochzeitsfeier in Gaziantep im Südosten der Türkei in die Luft gesprengt. Nach den Worten des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan war der Täter zwischen zwölf und 14 Jahre alt. Unklar ist weiter, ob er sich selbst in die Luft sprengte oder ob sein Sprengstoffgürtel aus der Ferne gezündet wurde. Erdogan vermutet die IS-Miliz hinter der grausigen Tat. Jüngsten Angaben zufolge stieg die Zahl der Toten bei dem Attentat auf 54. 66 Verletzte liegen weiter im Krankenhaus, 14 von ihnen mit schweren Verletzungen.

Quelle: n-tv.de, bdk/AFP/DJ/dpa

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