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Berlin-Attentäter Amri Tunesien schnappt mutmaßliche Komplizen

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Fandungsfotos von Anis Amri.

(Foto: dpa)

Hatte Anis Amri Unterstützung aus seinem Heimatland? Die tunesischen Behörden melden mehrere Festnahmen. Einer der Verhafteten ist sein Neffe. Dieser behauptet im Verhör, sein Onkel sei der Anführer einer Dschihadistengruppe in Deutschland gewesen.

Tunesische Sicherheitskräfte haben drei Männer unter dem Verdacht festgenommen, Kontakt zum mutmaßlichen Berlin-Attentäter Anis Amri unterhalten zu haben. Einer davon sei ein Neffe Amris, erklärte das Innenministerium in Tunis. Die zwischen 18 und 27 Jahre alten mutmaßlichen Dschihadisten wurden demnach bereits am Freitag gefasst. Sie seien Mitglieder einer "Terrorzelle", die in Verbindung zu Amri gestanden habe.

Ob es einen direkten Zusammenhang der Festgenommenen zu dem Anschlag in Berlin von Montag gibt, erklärten die tunesischen Behörden zunächst nicht. Amris Neffe habe ausgesagt, sein Onkel habe ihm unter falschem Absender Geld per Post geschickt, damit er ihm nach Deutschland folge, erklärte das Innenministerium. Der Sohn von Amris Schwester habe nach eigenen Angaben über den verschlüsselten Nachrichtendienst Telegram in Kontakt mit diesem gestanden.

Abu Walaa

Abu Walaa gehört zu den Hardlinern der Salafistenszene.

(Foto: dpa)

Demnach habe der nicht namentlich genannte Neffe nach eigenen Angaben in einem Video, das er Amri geschickt habe, der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen. Er habe ferner ausgesagt, dass sein Onkel der "Emir" oder Anführer einer Dschihadistengruppe in Deutschland gewesen sei, die als "Abu al-Walaa"-Brigade bekannt sei.

Deutschen Medienberichten zufolge soll Amri Kontakt zu dem Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa gehabt haben. In dessen Kreis soll Amri nach einem Bericht des "Focus" wiederholt von seinen Attentatsplänen gesprochen haben. Die Zeitschrift berief sich auf eine Meldung eines V-Mannes an das Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen. Demnach hatte die Gruppe um Abu Walaa zuvor vergeblich versucht, Amri als Kämpfer des IS nach Syrien zu schleusen.

Amri war ein Kleindealer

Die "Terrorzelle", zu der die drei festgenommenen Männer gehört haben sollen, ist nach tunesischen Behördenangaben in der Gegend zwischen Fouchana südlich von Tunis und Oueslatia im Zentrum des Landes aktiv.

Anis Amri stammt aus Oueslatia und hat fünf Geschwister - zwei Brüder und drei Schwestern. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Tunesien war Amri in seinem Heimatland mehrfach wegen Drogendelikten festgenommen worden. Auch in Berlin - wo er im Herbst 2016 mehrere Monate überwacht wurde - soll er am Görlitzer Park mit Drogen gehandelt haben.

Auch die Behörden in Spanien untersuchen Kontakte eines ihrer Staatsangehörigen zu Amri. Ob es zu Festnahmen komme, müssten die weiteren Ermittlungen ergeben, sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido dem Hörfunksender COPE. Auch die Behörden in Italien versuchen herauszufinden, ob Amri dort Komplizen hatte.

Sicherheitsmaßnahmen erhöht

Zu den Weihnachtsfeierlichkeiten in Rom erhöhte die Polizei deutlich ihre Präsenz. Lastwagen durften nicht in die Innenstadt fahren und Anti-Terror-Einheiten der Polizei mit Maschinenpistolen errichteten Kontrollposten vor Sehenswürdigkeiten, wo sich üblicherweise große Menschenmengen versammeln. Auf den Straßen zum Vatikan, wo Papst Franziskus die Weihnachtsmesse feiert, waren im Abstand von rund 100 Metern Polizei- und Militärfahrzeuge positioniert.

Auch die politische Debatte über die Schlussfolgerungen aus dem Anschlag von Berlin ging weiter. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnte vor einem Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik. "Europa muss den Menschen, die aus den Kriegsgebieten und vom Terror fliehen, Zuflucht bieten", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Es wäre falsch, alle Flüchtlinge unter einen Terrorismus-Generalverdacht zu stellen."

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere forderte SPD und Grüne auf, ihre Abwehrhaltung bei neuen Asylgesetzen aufzugeben. Wären Tunesien, Marokko und Algerien als sichere Herkunftsstaaten eingestuft, würden Asylverfahren auch bei Tunesiern schneller und einfacher verlaufen als bisher, sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag".

Quelle: n-tv.de, sba/dsi/AFP

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