Politik

Russische Attacken in Ukraine UN: Berichte über willkürliche Streubomben-Angriffe

Eines der Hauptziele der russischen Streitkräfte: die Stadt Charkiw. Hier werden ukrainischen Angaben zufolge auch zivile Gebäude attackiert.

Beim Angriff auf die Stadt Charkiw kam offenbar Streumunition zum Einsatz.

(Foto: Andrew Marienko/AP/dpa)

Bilder aus ukrainischen Städten zeigen Experten zufolge, dass dort vonseiten der russischen Armee Streumunition eingesetzt wurde. Deren Nutzung gegen dicht besiedelten Wohngebiete ohne militärisches Ziel gilt als Kriegsverbrechen. Die Vereinten Nationen sind alarmiert.

Die Vereinten Nationen haben eigenen Angaben zufolge Informationen über den völkerrechtswidrigen Einsatz von Streumunition durch russische Truppen im Ukraine-Krieg. Es lägen "glaubwürdige Berichte über den Einsatz von Streumunition durch russische Streitkräfte auch in besiedelten Gebieten" vor, sagte die UN-Beauftragte für politische Angelegenheiten, Rosemary DiCarlo, bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.

Es handle sich um "willkürliche Angriffe", die dazu bestimmt seien, unterschiedslos militärische Ziele und Zivilisten oder zivile Objekte zu treffen. Diese seien nach dem humanitären Völkerrecht verboten und könnten zusammen mit dem Flächenbombardement von Gebieten Kriegsverbrechen darstellen. Den UN seien zudem 26 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine bekannt, bei denen zwölf Menschen gestorben seien - darunter auch der Angriff auf eine Klinik in der Stadt Mariupol. Diese Attacken seien uneingeschränkt zu verurteilen.

Als Streumunition werden Raketen oder Bomben bezeichnet, die noch in der Luft über dem Ziel zerbersten und eine Vielzahl kleiner Sprengkörper freisetzen, die sogenannte Submunition. Diese Mini-Bomben, in etwa so groß wie eine Getränke- oder Spraydose, fallen dann in einem Umkreis von mehreren Dutzend Metern zu Boden. Sie können selbst leicht gepanzerte Fahrzeuge durchschlagen und nicht nur durch ihre Splitterwirkung Menschen in der Nähe tödlich verletzen. Streumunition kann vom Boden aus durch Raketenwerfer abgefeuert, aber auch von Flugzeugen als Bombe abgeworfen werden.

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Experten für Konfliktforschung, Menschenrechte und Waffenkunde hatten den Einsatz von Streumunition gegen die ukrainische Bevölkerung bereits in den vergangenen Tagen wiederholt angeprangert. Bei Angriffen dieser Art wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehrere Menschen getötet, darunter auch Kinder. "Wir müssen uns auf schlimmes Leid einstellen", sagte Simone Wisotzki von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Zu Behauptungen des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu, wonach Russland "nur auf militärische Objekte" ziele und "ausschließlich mit hochpräzisen Waffen" arbeite, sagte die Konfliktforscherin Wisotzki: "Streumunition ist keine Präzisionswaffe."

Gefährlich ist diese Art von Munition nicht nur wegen ihrer unmittelbaren Sprengwirkung und den Schrapnellen. Laut Alan Barlow, dem technischen Chefberater der Organisation Conflict Armament Research, detonieren mindestens zehn Prozent der Submunition nicht wie vorgesehen: "Diese Blindgänger bergen eine große Explosionsgefahr für Menschen in der Umgebung, solange sie nicht entschärft werden." Streubomben sind in den meisten Ländern der Welt geächtet. 110 Staaten haben bisher das Übereinkommen gegen Streumunition von 2008 ratifiziert, darunter Deutschland. Die Konvention verbietet unter anderem die Herstellung und den Einsatz dieser Art von Munition. Russland und die Ukraine haben den Vertrag jedoch nicht unterzeichnet. Berichten zufolge wurde seit 2014 auch in umkämpften Gebieten im Donbass Streumunition verwendet.

Quelle: ntv.de, tno/dpa

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