Politik

Stärkere Unterstützung gefordertUN-Botschafter Melnyk: Ukraine steht vor einem Kollaps

04.02.2026, 20:17 Uhr
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"Wir spüren keine Bereitschaft Russlands, zum Frieden beizutragen", sagt Andrij Melnyk. (Foto: REUTERS)

Bei den russisch-ukrainischen Verhandlungen in Abu Dhabi ist kein Durchbruch in Sicht. Der ukrainische UN-Botschafter Melnyk mahnt nun eine größere militärische Unterstützung vonseiten der EU für sein Land an. Es bestehe die Gefahr, dass Russland sonst Fakten schaffe.

Während sich aktuell in Abu Dhabi ukrainische und russische Vertreter unter US-Vermittlung zu Friedensgesprächen treffen, hat Andrij Melnyk, Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen, ein schlimmes Bild der Lage in seinem Land gezeichnet. Wegen der Zunahme der russischen Angriffe sei die Lage in der Ukraine "desaströs", sagt er im Fernsehsender phoenix.

Seit über einem Jahr hätten sich die USA aus der militärischen Hilfe immer mehr zurückgezogen, Europa seine Unterstützung aber nicht erhöht, wohingegen Russland seinen Beschuss der Ukraine um das dreißigfache gesteigert habe, meinte der ukrainische UN-Botschafter. "Deshalb steht das ganze Land vor einem Kollaps. Und das wird für ganz Europa Folgen haben", appellierte Melnyk an die EU-Staaten, die Zeichen der Zeit zu erkennen, und "den Himmel über der Ukraine zu schließen".

Melnyk ruft die europäischen Staaten zu einer deutlichen Verstärkung ihrer militärischen Unterstützung seines Landes auf. "Leider ist es so, dass Europa in der letzten Zeit eine Beobachterrolle eingenommen hat. Das muss sich ändern, denn wir sehen, dass der Druck, der aus den USA kommt, immer noch viel zu gering ist", äußerte sich der Ukrainer, der acht Jahre lang Botschafter seines Landes in Deutschland war, weiter auf phoenix. Der russische Präsident Putin breche ständig sein Wort, ohne dass es Konsequenzen gebe.

Die Dringlichkeit verlange eine Neubewertung der Lage. "Ich habe leider manchmal den Eindruck, dass, weil die Gefahr so akut auch in Deutschland und anderen EU-Staaten zu spüren ist, man sich eigene Vorräte schafft. Und da scheint die Ukraine auf der Strecke zu bleiben."

Sein Land sei dankbar für das neue 90-Milliarden-Euro-EU-Darlehen, doch bevor dies anlaufen könne, bestehe die Gefahr, dass Russland längst Fakten geschaffen habe. "Wir spüren keine Bereitschaft Russlands, zum Frieden beizutragen", so Melnyk. Eine Waffenruhe sei eine wichtige Voraussetzung, um bei den Friedensgesprächen Fortschritte zu erzielen.

Quelle: ntv.de, gut/dpa

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