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Ein Junge wird in Sanaa wegen Unterernährung medizinisch versorgt.
Ein Junge wird in Sanaa wegen Unterernährung medizinisch versorgt.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 09. November 2017

Größte Hungersnot seit Langem: UN befürchten Millionen Tote im Jemen

Die humanitäre Lage im Jemen ist katastrophal. Und sie könnte noch sehr viel schlimmer werden. Die Hungersnot dort werde die größte sein, "die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat - mit Millionen von Opfern", warnt der UN-Nothilfekoordinator.

Im Jemen sind wegen der saudi-arabischen Blockade nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Leben von Millionen Menschen bedroht. Diese könnten verhungern, wenn die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition die See- und Flughäfen weiter blockiere, warnte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock in New York, nachdem er den Sicherheitsrat über die aktuelle Lage in dem Land unterrichtet hatte.

Seit 2014 herrscht Krieg im Jemen - Tausende sind bereits gestorben.
Seit 2014 herrscht Krieg im Jemen - Tausende sind bereits gestorben.(Foto: REUTERS)

"Es wird nicht wie die Hungersnot im Südsudan in diesem Jahr sein, wo Zehntausende Menschen betroffen waren. Es wird nicht wie die Hungersnot 2011 in Somalia sein, wo 250 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Es wird die größte Hungersnot sein, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat - mit Millionen von Opfern", sagte er.

Wie der Leiter des UN-Nothilfebüros Ocha im Jemen, George Khoury, sagte, reichen die UN-Vorräte für notleidende Menschen im Jemen nur noch für wenige Wochen. "Im November können wir die Menschen noch versorgen, im Dezember nicht mehr", sagte er. Durch die Schließung zweier wichtiger Häfen sei die Versorgungskette bereits jetzt unterbrochen, sodass es zu Engpässen kommen werde.

Auch der UN-Sicherheitsrat brachte seine "Besorgnis" über die "katastrophale humanitäre Lage im Jemen" zum Ausdruck, wie es in einer Erklärung des Rates hieß. Das Gremium hatte zuvor auf Antrag Schwedens hinter verschlossenen Türen über die Lage in dem Land beraten.

Hunderttausende Kinder mangelernährt

Ende Juli hatten die UN bereits mitgeteilt, dass fast zwei Millionen Kinder in dem Land von akuter Mangelernährung betroffen sind. 80 Prozent der Kinder brauchen demnach "sofortige humanitäre Hilfe". "Mangelernährung setzt die Kinder einem höheren Infektionsrisiko aus und Choleraerkrankungen führen zu Mangelernährung", hieß es in der gemeinsamen Erklärung des Kinderhilfswerks Unicef, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Welternährungsprogramms (PAM). Die Organisationen sprachen von einem "Teufelskreis" und der "größten humanitären Katastrophe der Welt".

Im bettelarmen Jemen im Süden der Arabischen Halbinsel tobt seit 2014 ein Bürgerkrieg. Schiitische Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten haben große Teile des Landes überrannt. Ein saudi-arabisch geführtes Militärbündnis unterstützt die international anerkannte Regierung des Jemen und bombardiert seit rund zweieinhalb Jahren Stellungen der Rebellen aus der Luft. Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

In dem Bürgerkrieg wurden bisher mehr als 10.000 Menschen getötet. Die schiitischen Huthis werden vom Iran unterstützt, der mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region kämpft. Die Regierung in Riad versteht sich als Schutzmacht der Sunniten und der Iran als die der Schiiten.

Quelle: n-tv.de

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