"Keine Gefahr für Gemeinschaft"US-Einwanderungsbehörde nimmt Nonne auf Weg zur Kirche fest

Die Kluft zwischen den politischen Lagern ist in den USA unter Präsident Trump weiter gewachsen - vor allem beim Thema Migration. Doch die Einwanderungsbehörde ICE geht in der Grenzregion zu Mexiko so vor, dass sich in Texas jetzt sogar parteiübergreifend Widerstand formiert.
Die Festnahme einer Nonne auf ihrem Weg zur Kirche durch die umstrittene Einwanderungsbehörde ICE hat im US-Bundesstaat Texas auf beiden Seiten des politischen Spektrums für Empörung und einen seltenen Schulterschluss gesorgt. Schwester Leticia "Letty" Ugboaja war auf dem Weg zur Messe in der Stadt McAllen, als ICE-Uniformierte sie anhielten, ihren Rosenkranz beschlagnahmten und ihr Handschellen anlegten, wie die "Washington Post" berichtet.
Die aus Nigeria stammende katholische Ordensschwester sei einige Stunden später freigelassen worden, nachdem Abgeordnete der Demokraten und Republikaner interveniert hätten. Das US-Heimatschutzministerium reagierte nicht auf Anfragen der Zeitung nach einer Stellungnahme zum Aufenthaltsstatus der Nonne.
Dem Bericht zufolge gaben auch Vertreter der zuständigen Diözese von Brownsville keine weiteren Details preis. Es hieß lediglich, dass Ugboaja eine Krankenschwester sei, die legal in die Vereinigten Staaten eingereist sei. Die Nonne gehöre der Kongregation "Daughters of Mary Mother of Mercy" mit Sitz in Nigeria an und sei seit mehr als einem Jahrzehnt in örtlichen Krankenhäusern in Texas tätig.
Die republikanische Kongressabgeordnete Monica De La Cruz schloss sich demokratischen Politikern an, die die Freilassung der Frau forderten: "Wie ich bereits wiederholt gesagt habe, sollte sich unsere Einwanderungskontrolle auf gewalttätige Kriminelle konzentrieren", schrieb De La Cruz auf Facebook. "Eine katholische Nonne auf dem Weg zur Kirche ist keine Gefahr für unsere Gemeinschaft."
Laut "Washington Post" war Ugboajas vorübergehende Festnahme nur der jüngste Vorfall, der in Südtexas bei beiden politischen Lagern Empörung auslöste. Das umstrittene Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE sorge in der Grenzregion dafür, dass die hispanische Bevölkerung der Abschiebekampagne von US-Präsident Donald Trump zunehmend mit Argwohn begegne. Dabei hatte Trump bei der letzten Präsidentschaftswahl 12 der 14 texanischen Grenzbezirke gewonnen, die lange Zeit von Demokraten dominiert worden waren.
Im Rio Grande Valley habe sich ein unerwarteter parteiübergreifender Konsens in Protest gegen mehrere kürzlich erfolgte Festnahmen von Einwanderern gebildet. Demnach waren unter den Festgenommenen drei jugendliche Mariachi-Musiker, zahlreiche Bauarbeiter sowie Kinder, denen eigentlich Schutz vor Abschiebung gewährt worden war.
"Wenn die Regierung gesagt hätte, sie habe die Grenze geschlossen, würde Kriminelle abschieben und es dabei belassen, wäre das eine willkommene Nachricht gewesen", sagte der demokratische Abgeordnete Henry Cuellar aus Texas. "Aber sie hat es nicht dabei belassen. Sie hat angefangen, Menschen auf der Straße zu verfolgen." Genau dieses "überzogene Vorgehen" der ICE-Behörde treibe viele Latinos zurück in die Arme der Demokraten.