Sollte so der Ölpreis sinken?US-Energieminister Wright vermeldet Tanker-Eskorte, die es nicht gab

Der explodierende Ölpreis setzt die US-Regierung unter Druck. Zunächst deutet Präsident Trump ein nahes Kriegsende mit dem Iran an. Der Ölpreis gibt nach. Später legt Energieminister Wright mit einer anderen guten Nachricht nach. Der Preis sinkt erneut. Nur ist an der Geschichte nichts dran.
Seit Beginn des Iran-Kriegs soll das US-Militär erstmals einen Tanker durch die Straße von Hormus begleitet haben, behauptete US-Energieminister Chris Wright auf einer Pressekonferenz und später in einem Beitrag auf Social Media. Wenig später ist der Post jedoch gelöscht. Der Ölpreis sinkt trotzdem.
Die Straße von Hormus ist derzeit praktisch nicht ohne Risiko zu durchfahren - vor allem für westliche Frachtschiffe. Hunderte von ihnen liegen daher abseits des Nadelöhrs. Das wirkt sich massiv auf den Welthandel aus, allem voran auf die Öl- und Gaspreise. Die US-Regierung ist von der Sorge um steigende Lebenshaltungskosten getrieben und versucht zu beschwichtigen. Bereits am Wochenende erklärten Trump-Sprecherin Karoline Leavitt und US-Energieminister Chris Wright in TV-Interviews, dass es sich maximal um kurzzeitige Preissprünge handeln würde. Ihre Bemühtheit lässt den Schluss zu, dass die Sorgen in der Regierung groß sind. Am Montag dann kletterten die Ölpreise erneut deutlich. Am Abend suggerierte US-Präsident Trump, dass ein Kriegsende nahe sei. Der Ölpreis fiel daraufhin enorm - um 25 Prozent, wie die BBC schrieb.
Gleiches versuchte offenbar auch Energieminister Wright. Er behauptete bei einem Pressetermin in Colorado zunächst, dass die USA erstmals seit Kriegsbeginn einen Tanker durch die Straße von Hormus geleitet hätten. Wörtlich sagte er: "Ein großer Öltanker hat sie vor etwa 36 Stunden durchfahren. Ich glaube, Sie werden bald mehr davon sehen". Später teilte er diesen Ausschnitt auf seinen Social-Media-Accounts.
Kurz danach reagierte Jennifer Griffin auf den Beitrag. Sie befasst sich für Fox News mit Sicherheitspolitik und schrieb nun, dass die Behauptung von Wright falsch sei. Sehr gut informierte Quellen aus Militärkreisen hätten ihr das bestätigt. "Bisher hat das US-Militär keinen Öltanker durch die Straße von Hormus eskortiert...", stellte sie klar. Bestätigungen von Wrights Behauptung durch das US-Militär liegen nicht vor.
Kurz darauf löschte Wright seinen Beitrag kommentarlos. Wie die Seite Zerohedge dokumentiert, war der Ölpreis zu diesem Zeitpunkt aber bereits erneut gesunken - von etwas mehr als 84 auf über 77 US-Dollar. Ähnlich wie bei Trumps Äußerungen zu einem möglichen bevorstehenden Kriegsende reagierten die Ölmärkte zügig. Nachdem Wrights Beitrag gelöscht war, stieg der Preis laut Zerohedge wieder auf mehr als 81 US-Dollar.
Wrights Aussage angeblich "verfrüht"
Darauf reagierte erneut Fox News, diesmal in Gestalt des Wirtschaftsberichterstatters für das Weiße Haus, Edward Lawrence. Er bestätigte auf X, dass Wright den Beitrag gelöscht hat und schrieb, eine Quelle aus dem Weißen Haus habe diesen als "verfrüht" bezeichnet. Allerdings war Wrights Auftritt in Colorado da bereits einige Stunden her. Und während dieses Auftritts behauptete er, dass die Eskortierung des Tankers bereits 36 Stunden zurücklag. Da es auch keinerlei Berichte seitens des US-Militärs oder der US-Regierung gab, dass ein solches Unterfangen kurz bevorstehe, ist nicht klar, inwiefern die Behauptung Wrights als "verfrüht" bezeichnet werden kann.
Wie die Website Marinetraffic.com zeigt, liegen weiterhin massenhaft Frachtschiffe ober- und unterhalb der Straße von Hormus. Nicht mal eine Handvoll Schiffe durchfahren sie derzeit. Dabei handelt es sich auch vornehmlich um chinesische Schiffe. Die sind für das iranische Militär jedoch kein bevorzugtes Ziel. China hat die Angriffe Israels und der USA auf den Iran scharf kritisiert.
Mittlerweile erklärte auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, dass die US-Marine keinen Tanker durch die Straße von Hormus eskortiert habe, berichtete CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins auf X. Leavitt habe aber gesagt, dass dies bei Bedarf eine Option sei.