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Drei Szenarien für den Krieg US-Geheimdienst: "Das Bild bleibt ziemlich düster"

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Das Skelett eines Hauses in Mariupol.

(Foto: IMAGO/SNA)

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Was plant Russlands Präsident Putin? Laut dem US-Geheimdienst zielt er offenbar nicht nur auf den Donbass. Nach wie vor wolle er wohl den größten Teil der Ukraine einnehmen, sagt US-Geheimdienstkoordinatorin Haines. Wobei er vermutlich verstärkt auf asymmetrische Kriegsführung zurückgreifen werde.

Russland hegt offenbar noch weitgehende Ambitionen für die Ukraine. Laut der US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines hat der russische Präsident Wladimir Putin sein Ziel, den größten Teil der Ukraine einzunehmen, nicht geändert. Sie erwartet, dass der Krieg "über einen längeren Zeitraum" andauern werde, wie der englischsprachige Dienst der Agentur Reuters schreibt. "Kurz gesagt, das Bild bleibt ziemlich düster und Russlands Haltung gegenüber dem Westen verhärtet sich", sagte Haines auf einer Konferenz des Handelsministeriums.

Auch wenn Putin sich erstmal auf die Einnahme der gesamten östlichen Donbass-Region konzentriere, hat er laut Haines langfristig mehr im Sinn: Sie gehe davon aus, Putin plane noch immer, "den größten Teil der Ukraine einzunehmen", so Haines in ihrer ersten öffentlichen Bewertung des Krieges seit Mai.

Die US-Geheimdienste sehen in naher Zukunft drei Szenarien: einen zermürbenden Konflikt, in dem Russland nur schrittweise Fortschritte, aber keinen Durchbruch erzielt, einen größeren russischen Durchbruch oder kleine Fortschritte der Ukraine im Süden bei gleichzeitiger Stabilisierung der Frontlinie.

Die russischen Streitkräfte seien jedoch durch die mehr als vier Monate andauernden Kämpfe so geschwächt, dass es unwahrscheinlich sei, dass sie Putins Ziel in absehbarer Zeit erreichen können. "Wir sehen eine Diskrepanz zwischen Putins kurzfristigen militärischen Zielen in diesem Gebiet und den Kapazitäten seines Militärs, eine Art Missverhältnis zwischen seinen Ambitionen und dem, was das Militär zu leisten vermag", sagte Haines. Es werde Jahre dauern, bis Russland seine Streitkräfte wieder aufgebaut habe, so Haines.

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Haines geht davon aus, dass Russland in dieser Zeit "verstärkt auf asymmetrische Mittel wie Cyberangriffe, Bemühungen um die Kontrolle der Energieversorgung und sogar Atomwaffen zurückgreifen wird", um seine Macht und seinen Einfluss weltweit auszubauen. Dabei hält sie es für unwahrscheinlich, dass die russischen Truppen in der Lage sind, mehrere Operationen gleichzeitig durchzuführen.

Auch die US-Denkfabrik Institute for the Study of War erwartet, dass Putins Ambitionen über den Donbass hinausgehen. Die russischen Streitkräfte würden weiterhin offensive Operationen nördlich von Charkiw durchführen. Dies deute darauf hin, dass der Kreml territoriale Ambitionen jenseits des Donbass habe. Diese würden weiterhin Personal und Ausrüstung zermürben, möglicherweise auf Kosten der Offensivkraft auf wichtigeren Vormarschachsen.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 30. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ghö

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