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Luftschläge gegen den IS? US-General stellt sich Trump entgegen

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Trump steht an der Spitze einer riesigen Militärmaschinerie: Im Bild üben Piloten eines strategischen Bombers vom Typ B-52H "Stratofortress" den Luftangriff im Formationsflug.

(Foto: U.S. Air Force photos / Senior Airman Malia Jenkins)

US-Präsident Trump erklärt den Kampf gegen den IS zur Chefsache. Bis Ende des Monats soll das US-Militär eine neue Strategie vorlegen, wie die USA die Terroristen besiegen können. Ein hochrangiger Fachmann warnt davor, blindlings Bomben abzuwerfen.

Diese Warnung kann US-Präsident Donald Trump kaum ignorieren: Der Generalstabschef der US-Luftwaffe hat den neuen Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte ausdrücklich vor einer Ausweitung der Luftschläge im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gewarnt.

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General David L. Goldfein

(Foto: US Air Force)

Skeptisch äußerte sich General David L. Goldfein in einem Gespräch mit Journalisten vor allem zu den Überlegungen der neuen US-Regierung, die Luftangriffe auf IS-Anhänger in Syrien und dem Nordirak zu intensivieren. Ein stärkerer Einsatz der Luftwaffe müsse abgestimmt werden mit einem parallelen Vormarsch von Anti-IS-Kräften am Boden, betonte Goldfein. Andernfalls sei mit erheblichen Schwierigkeiten zu rechnen. Zudem müsse ein etwaiger US-Militäreinsatz gegen den IS eingebettet sein in politische und diplomatische Bemühungen.

Eine Lockerung der Einsatzregeln für Luftangriffe dürfte die Zahl ziviler Opfer erhöhen, warnte Goldfein. "Kurzfristige Fortschritte, die mit einer raschen Erhöhung der Einsätze erreicht werden, könnten im Vergleich zu den langfristigen Kosten verblassen, falls wir nicht mehr als wertegeleitete Nation kämpfen", betonte er. Er sei "stolz" darauf, dass die USA ein Land seien, "das mit Wertvorstellungen in den Krieg zieht", fügte der hochdekorierte General hinzu.

Massive Angriffe aus der Luft?

US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf wiederholt gefordert, IS-Stellungen in Syrien und im Irak viel massiver als bisher aus der Luft anzugreifen. Wörtlich kündigte Trump in seiner Antrittsrede an, den "islamischen Terrorismus" insgesamt "auszulöschen". Wie genau er diese Ankündigung umsetzen will, ist noch vollkommen unklar. Der Führung der US-Streitkräfte gab er bis Ende Februar Zeit, einen überarbeiteten Plan zum Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat vorzulegen.

Als Stabschef der US Air Force dürfte Goldfein eng in die Bemühungen um eine neue Strategie eingebunden sein. Bei seiner Rede vor Journalisten in Washington betonte der General auch, dass das US-Militär "apolitisch" bleiben müsse. Goldfein reagierte damit nach Einschätzung von Beobachtern auf eine Aussage des US-Präsidenten von Wochenbeginn.

Bei einem Auftritt vor US-Soldaten in Florida hatte Trump erklärt: "Ihr mögt mich, und ich mag euch." Ohne Trump beim Namen zu nennen, erinnerte Goldfein vor diesem Hintergrund daran, dass US-Militärs bei der Vereidigung auf die Verfassung schwören, und nicht etwa auf eine bestimmte Partei oder einen Parteiführer. Die Eidesformel laute, die Verfassung der Vereinigten Staaten "gegen alle Feinde, von außen und innen, zu verteidigen", zitierten US-Medien den Luftwaffen-Chef.

Kampferprobter Jet-Pilot

Was eine etwaige Intensivierung der Luftschläge in der Praxis bedeutet, kann Goldfein aufgrund eigener Erfahrung beurteilen. Im Laufe seiner Karriere bei der US-Luftwaffe flog der ausgebildete Kampfjetpilot nicht nur Jagdmaschinen wie die F-16, sondern auch den Stealth-Bomber F-117A. Auch mit der Steuerung von Drohnen vom Typ MQ-9 "Reaper" ist er den Angaben der US-Luftwaffe zufolge vertraut.

Kampfeinsätze erlebte er unter anderem bei der US-Invasion im Irak ("Desert Storm") unter Präsident George Bush senior sowie im Rahmen des Anti-Terror-Feldzugs "Enduring Freedom" unter dessen Sohn George W. Bush. In den 1990er-Jahren war Goldfein zeitweise auf dem US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland stationiert.

Die US-geführte Koalition hat nach Pentagon-Angaben seit Beginn des Einsatzes im Sommer 2014 rund 18.000 Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und dem Nordirak geflogen. Nach US-Regierungsangaben wurden dabei mindestens 199 Zivilisten getötet. Kritiker vermuten, dass die Zahl der getöteten Zivilisten deutlich höher liegt.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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