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GBU-43 (Archivbild von 2003)
GBU-43 (Archivbild von 2003)(Foto: imago/ZUMA Press)
Freitag, 14. April 2017

Tunnelkomplex zerstört: US-Megabombe tötet Dutzende IS-Kämpfer

Am Donnerstag wirft die US-Luftwaffe erstmals eine Bombe des Typs GBU-43 auf IS-Ziele in Afghanistan ab. Nach Angaben aus Kabul werden mindestens 36 IS-Mitglieder getötet. Es habe keine zivilen Opfer gegeben.

Beim Abwurf der größten nicht-atomaren Bombe des US-Militärs in Afghanistan sind nach Behördenangaben mindestens 36 Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden. Wie das afghanische Verteidigungsministerium mitteilte, wurden bei dem Angriff im Osten des Landes "strategische" Verstecke der Islamisten sowie ein tief unter der Erde gelegener Tunnelkomplex zerstört. Es habe keine zivilen Opfer gegeben. Ein Sprecher des Pentagons konnte die Zahl nicht bestätigen.

Der IS bestritt allerdings Todesopfer in den eigenen Reihen. Es habe weder Verletzte noch Tote gegeben, teilte die IS-nahe Propaganda-Agentur Amaq in sozialen Netzwerken mit.

Der Abwurf der Riesenbombe am Donnerstag wurde auch als Warnung der USA an die viel größere Gruppe der radikalislamischen Taliban verstanden, deren Frühjahrsoffensive bevorsteht. Der Angriff sei in Zusammenarbeit mit den örtlichen Streitkräften erfolgt, hieß es in der Erklärung des afghanischen Verteidigungsministeriums weiter.

Es war das erste Mal, dass die US-Streitkräfte eine GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast (MOAB) einsetzten, die im Militärjargon auch "Mother of all Bombs" genannt wird. Abgeworfen wurde die mehrere Meter lange Bombe mit einer Sprengkraft von elf Tonnen TNT nach Angaben des Pentagons von einer MC-130-Transportmaschine im Bezirk Achin in der Provinz Nangarhar. Dort war am vergangenen Wochenende ein US-Soldat im Einsatz gegen die Dschihadisten getötet worden.

Der Gouverneur von Achin, Esmail Shinwari, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Explosion durch die Bombe sei "die größte gewesen, die ich jemals gesehen habe". Riesige Flammen seien in der Gegend hochgeschlagen. Aus einer afghanischen Armeequelle verlautete, Bewohner hätten berichtet, der Boden habe beim Einschlag "wie bei einem Erdbeben" gezittert. Menschen seien ohnmächtig geworden.

Afghanistans Präsident unterstützt Bombenangriff

Aus einer anderen afghanischen Militärquelle hieß es, vermutlich versteckten sich bis zu tausend IS-Kämpfer in der Gegend. Nach Angaben von Sicherheitsexperten hat die IS-Miliz ihre Verstecke in der Nähe der Häuser von Zivilisten angelegt.

Nach Darstellung der Regierung in Kabul sind jedoch Tausende Familien bereits in den vergangenen Monaten vor den Kämpfen geflohen. "Es wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um zivile Opfer zu vermeiden", twitterte Präsident Aschraf Ghani und stellte sich damit hinter den US-Bombenangriff.

Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, John Nicholson, begründete den Einsatz der Mega-Bombe damit, dass die Dschihadisten als Reaktion auf ihre zunehmenden Verluste zuletzt ihre Verteidigungsstellungen mit Sprengsätzen, Bunkern und Tunneln ausgebaut hätten. US-Präsident Donald Trump sprach von einer "sehr, sehr erfolgreichen" Mission.

MOAB zuletzt 2003 getestet

Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, ergänzte, den IS-Kämpfern in der Region müsse der Raum für ihre Einsätze abgeschnitten werden, "was wir getan haben". Die USA haben rund 8400 Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Sie unterstützen die afghanischen Regierungstruppen im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban sowie gegen den IS.

Erst vor einer Woche hatte Trump den ersten Luftangriff auf syrische Regierungstruppen angeordnet. Dabei wurden 59 Tomahawk-Marschflugkörper auf einen Luftwaffenstützpunkt abgefeuert, von dem aus ein mutmaßlicher Giftgasangriff geflogen worden war.

Die MOAB war in den Jahren 2002 bis 2003 entwickelt worden. Sie wurde nach Angaben der US-Luftwaffe zuletzt im Jahr 2003 getestet. Danach sei eine gewaltige pilzförmige Wolke bis in 32 Kilometer Entfernung zu sehen gewesen.

Am Freitag fand in Moskau eine internationale Afghanistan-Konferenz mit Staaten der Region statt. Ziel des Treffens war es, Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in Gang zu bringen. Vertreter von Nato-Staaten oder der Vereinten Nationen waren nicht beteiligt.

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Quelle: n-tv.de