Politik

Nach "plötzlicher Erkrankung"US-Senator Lindsey Graham gestorben

13.07.2026, 08:24 Uhr
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Er war einer der einflussreichsten Republikaner: Nun ist der US-Senator Lindsey Graham im Alter von 71 Jahren gestorben. Die republikanische Partei verliert damit einen scharfen Kritiker des Kreml. Der ukrainische Präsident Selenskyj zeigt sich "zutiefst betrübt".

Der einflussreiche US-Senator Lindsey Graham ist tot. Dies gab sein Büro auf X bekannt. Der eng mit US-Präsident Donald Trump verbündete republikanische Politiker, der bei den Zwischenwahlen im November für eine fünfte Amtszeit im Senat antreten wollte, starb nach einer "kurzen und plötzlichen Erkrankung". Er wurde 71 Jahre alt.

In der Erklärung zu seinem Tod hieß es, seine Familie bedanke sich "bei allen, die für sie beten". Sie bitte "um Respekt für ihr Privatleben in dieser extrem schwierigen Zeit".

Graham vertrat den US-Bundesstaat South Carolina ab Mitte der 90er Jahre zunächst im Repräsentantenhaus. 2003 begann seine erste Amtszeit als Senator. Er galt als erfahrener Außenpolitiker und beschäftigte sich bis zuletzt mit den großen Konfliktherden. Graham war unter anderem häufiger Gast auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Im Februar trat er am Rande der Konferenz bei einer Großveranstaltung der iranischen Exil-Opposition auf.

Graham war gerade erst von einer Reise aus der Ukraine zurückgekehrt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte dem Republikaner am Freitag auf X für seinen zehnten Besuch in dem von Russland angegriffenen Land gedankt und Aufnahmen von dem Treffen verbreitet.

Selenskyj äußerte sich "zutiefst betrübt" über den Tod des US-Senators. Er würdigte den Einsatz des republikanischen Politikers für die Ukraine. "Er hat die Ukraine seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion zehnmal besucht und stand unserem Volk zur Seite, als dies am dringendsten nötig war", schrieb der ukrainische Präsident auf Facebook. "Amerika und die Welt haben einen entschlossenen Anführer verloren."

Trump würdigt Graham

Der US-Präsident, den mit Graham eine wechselvolle Beziehung verband, nannte Graham auf seiner Plattform Truth Social "einen der großartigsten Menschen und Senatoren", die er je gekannt habe. "Er war stets im Einsatz und ein wahrer amerikanischer Patriot. Lindsey wird uns sehr fehlen!"

Dabei waren Trump und Graham nicht immer so gut befreundet. Als damalige Konkurrenten im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner übte Graham 2015 öffentlich harsche Kritik an Trump. Trump sei ein "rassistischer, fremdenfeindlicher, religiöser Fanatiker", der nicht die Werte der republikanischen Partei vertrete, sagte Graham im Sender CNN. "Wissen Sie, wie man Amerika wieder großartig macht? Sagen Sie Donald Trump, er soll zur Hölle fahren."

Nach Trumps Wahl zum Präsidenten näherten sich die beiden Männer aber an. Besonders regelmäßige Treffen zum Golfen hätten dazu beigetragen, hieß es in der "New York Times". "Lindsey war früher ein großer Feind von mir, und jetzt ist er ein guter Freund von mir", sagte Trump 2018 während einer Pressekonferenz. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich mag ihn wirklich sehr."

Trotzdem äußerte Graham immer wieder Meinungsverschiedenheiten mit Trump. 2021 brach er mit ihm nach der Erstürmung des US-Kapitols durch dessen Anhänger. Graham erkannte zwar selbst über Wochen nicht den Wahlsieg von Demokrat Joe Biden an - mit Blick auf die Versuche von Trump und seinen Anwälten, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl zu verbreiten, sagte er nach den Krawallen im US-Parlament aber: "Der Präsident muss verstehen, dass sein Handeln das Problem war, nicht die Lösung." Final war der Bruch nicht - und Graham unterstützte schließlich Trumps erneute Präsidentschaftskandidatur. 

Die Medien verfolgten Grahams Äußerungen genau. Wann immer ein Hauch von Kritik in politischen Fragen zu erkennen war, war Graham die Aufmerksamkeit sicher. In den meisten politischen Fragen folgte er aber in den vergangenen Jahren Trumps Linie. 

In seiner Politik gegenüber Moskau verfolgte er aber einen dezidiert anderen Kurs als Trump, der immer wieder Kremlchef Wladimir Putin verteidigt. Kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die gesamte Ukraine 2022 rief Graham die Russen zur Ermordung von Kremlchef Wladimir Putin auf.  "Irgendwer in Russland" müsse jetzt aktiv werden "und diesen Typ aus dem Weg schaffen", forderte er bei Fox News. Laut CNN sagte er damals auch, Trump habe einen Fehler gemacht, als er Putin ein Genie nannte. "Putin ist kein Genie. Er ist ein Kriegsverbrecher."

Noch am Samstag hatte sich Graham gemeinsam mit einem republikanischen und zwei demokratischen Kollegen auf verschärfte Sanktionen gegen Russland geeinigt.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa

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