Politik

Fassungslosigkeit in Berlin US-Wahlen schockieren Politiker

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"Bei Herrn Trump wissen wir wirklich nicht, was auf uns zukommen wird", sagt SPD-Politiker Annen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Alle haben mit Hillary Clinton gerechnet. Doch als die Menschen am Morgen aufwachen, müssen sie feststellen, dass Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl vorn liegt. Deutsche Politiker sind entsetzt.

Das überraschend starke Abschneiden des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump hat in Berlin über Parteigrenzen hinweg Entsetzen ausgelöst. "Das ist mehr als Enttäuschung, das ist auch ein Schock", sagte der CDU-Politiker Norbert Röttgen. Er bezeichnete Trump als "Stimme der Wut", die man so nehmen müsse, wie sie sich im Wahlkampf präsentierte.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den sich abzeichnenden Wahlsieg Trumps als "schweren Schock" bezeichnet. "Auch wir Europäer wissen natürlich als Bündnispartner in der Nato, dass Donald Trump als Präsident fragen wird, was leistet Ihr im Bündnis", sagte die CDU-Politikerin in der ARD. "Aber auch wir fragen, wie steht Ihr zum Bündnis?", sagte sie mit Hinweis auf die Ankündigungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, dass die Europäer mehr für ihre Sicherheit tun müssten.

"Schwarzer Tag für Amerika"

"Ich glaube auch, dass Donald Trump weiß, dass dies nicht eine Wahl war für ihn, sondern gegen Washington, gegen das Establishment", fügte von der Leyen hinzu. Die Bundesregierung müsse nun herausfinden, wer überhaupt die Ansprechpartner in einer Trump-Regierung seien und welche Wahlkampfankündigungen er umsetzen wolle. "Viele Fragen sind offen." Wenn Trump sage, er wolle die USA wieder stark machen, könne er dies aber nur mit einer starken Wirtschaft. Und die könne er nur entwickeln, wenn er nicht verunsichere, mahnte die Verteidigungsministerin. "Unser Interesse ist ein verantwortungsbereites und weltoffenes Amerika."

Der Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch spricht bei n-tv von einem "schwarzen Tag für Amerika" und fügt hinzu: "Wir sehen: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Brexit, die Trump-Wahl, viele Ereignisse in Europa sagen eines ganz deutlich: Digitalisierung, Globalisierung, all diese Prozesse führen zu einer Verunsicherung. Das Establishment ist zum Feind vieler Menschen geworden und das drückt sich auch in der Trump-Wahl aus. Wenn er das wahrmacht, was er gesagt hat, 'America first', mit all den Folgen, dann gehen wir schweren Zeiten entgegen."

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz erwartet nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten schwierigere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Das politische System der USA habe allerdings immer wieder Ausschläge erlebt und sei stark genug auch für eine Präsidentschaft des Republikaners Trump, sagte der SPD-Politiker in der ARD.

"Bruch mit der bisherigen Tradition"

Schulz verglich Trumps Wahlsieg mit der Entscheidung der Briten für das Ausscheiden aus der Europäischen Union. Viele Menschen fühlten sich nicht ernst genommen und protestierten mit ihrer Stimme. "Man muss genau hinhören", sagte er und sprach von einem Lehrstück. Ähnlich große Verwerfungen wie in den USA gebe es in Europa allerdings nicht.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir nannte eine mögliche Präsidentschaft Trumps als "Bruch mit der bisherigen Tradition, dass der Westen für liberale Werte steht." Die Vereinigten Staaten würden sich unter Trump vom Rest der Welt verabschieden.

Vor dem Wahltag wurden der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton die besseren Chancen zugesprochen. Bei der Auszählung wendete sich für Donald Trump das Blatt. Der Republikaner hatte im Wahlkampf angekündigt, die Außenpolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten. Die Nato nannte er überkommen. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin lobte er.

Unklar, was kommen wird

Der SPD-Politiker Nils Annen betonte, dass es unklar sei, was eine Präsidentschaft Trumps für Europa bedeute. Bei Clinton habe man gewusst, worauf man sich einstellen könne. "Bei Herrn Trump wissen wir wirklich nicht, was auf uns zukommen wird."

Auch der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger zeigte sich erschüttert. "Er wird den Leuten, denen er jetzt alles Mögliche versprochen hat, nichts bieten können", sagte er. Riexinger fürchtet, dass sich die USA auf den Weg zu einer autoritären Gesellschaft bewegen.

Auch im Netz zeigten sich zahlreiche Politiker geschockt. "Als Jugendliche war Amerika mein Traum. Heute...", twitterte die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt. "Wenn dieser Rechtspopulist und sexistische Hassprediger US-Präsident wird, dürfen wir uns auf einen politischen Kälteschock gefasst machen", twitterte SPD-Politiker Ralf Stegner.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa/rts

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