Politik

"Zum Verrat gedrängt" Russischer Botschafter beklagt Bedrohungen von Diplomaten

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Vor der russischen Botschaft in Washington versammeln sich immer wieder Protestierende.

(Foto: REUTERS)

Anatoli Antonow ist russischer Botschafter in Washington. In Zeiten des Ukraine-Krieges ist das ein durchaus herausfordernder Job, denn auch die Diplomaten bekommen zu spüren, dass die USA in diesem Konflikt die Ukraine unterstützen. Der Botschafter hat das Gefühl, in einer Festung zu sitzen.

Dem russischen Botschafter in den USA zufolge werden russische Diplomaten in den USA bedroht. "Unsere Botschaft befindet sich in einem feindlichen Umfeld. Die Botschaftsmitarbeiter erhalten Drohungen, einschließlich Drohungen mit physischer Gewalt", zitiert die russische Nachrichtenagentur TASS den Botschafter Anatoli Antonow.

Der Betrieb der Botschaft gleiche derzeit einer belagerten Festung, sagte Antonow in der Sendung Soloviev Live. "Jeden Tag finden in der Nähe unserer Mission antirussische Kundgebungen statt, es kommt zu Hooliganismus und Vandalismus."

Agenten der US-Sicherheitsdienste würden vor der russischen Botschaft Telefonnummern für Kontaktaufnahmen mit der CIA und des FBI verteilen. Antonow zufolge würden russische Diplomaten und Militärs so zum Verrat gedrängt. "Das Entsetzliche daran ist, dass renommierte Politiker, die ich früher sehr respektiert habe und deren Wissen ich sehr schätzte, jetzt in den US-Medien Aufrufe an russische Diplomaten und Militärs veröffentlichen, auf die Seite der sogenannten Demokratie zu wechseln. Tatsächlich werden meine Kameraden zum Verrat gedrängt, was jedes Land als verabscheuungswürdige Handlung ansieht", sagte der Gesandte demnach.

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Antonow zufolge haben die US-Behörden den persönlichen Kontakt zu Mitarbeitenden der russischen Botschaft in Washington vollständig eingestellt. Die russische Botschaft in Washington setze jedoch ihren normalen diplomatischen Betrieb fort. CIA und FBI lehnten bisher eine Stellungnahme ab, auch das US-Außenministerium war nicht für einen Kommentar zum Sachverhalt zu erreichen.

Russland greift seit dem 24. Februar die Ukraine militärisch an. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Ukraine mit massiver Militärhilfe. US-Außenminister Antony Blinken und Verteidigungsminister Lloyd Austin kündigten bei ihrem Besuch in Kiew Ende April weitere Rüstungshilfen an. Seit Beginn des Krieges haben mehrere Länder russische Diplomaten ausgewiesen, weil sie ihnen Spionage vorwerfen, auch Deutschland. Im Gegenzug wies Russland dann diplomatische Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Staaten aus.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 15. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, sba/rts

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