Politik

Nach wochenlanger Funkstille Bundeskanzler Scholz telefoniert mit Putin

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r.) und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Es war das erste Gespräch nach wochenlanger Funkstille zwischen Putin und Scholz.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Anlässlich des Ukraine-Krieges telefoniert Kanzler Scholz abermals mit dem russischen Präsidenten Putin. Das Telefonat sei im Nachgang zu Scholz' jüngsten Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj erfolgt, heißt es von der Bundesregierung.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat erneut mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Das teilte die Bundesregierung mit. Nach wochenlanger Funkstille war es der erste persönliche Austausch zwischen den beiden Politikern. Laut deutscher Seite fand das 75-minütige Gespräch im Nachgang zu Scholz' Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom 11. Mai statt.

Scholz und Putin haben sich demnach über den Ukraine-Krieg und die Bemühungen für ein Kriegsende unterhalten. Angesichts der "Ernsthaftigkeit der militärischen Lage" und der Konsequenzen des Krieges insbesondere in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol habe der Kanzler auf einen Waffenstillstand gedrängt, hieß es in einer Mitteilung der Bundesregierung. Scholz forderte demnach eine "Verbesserung der humanitären Lage" und Fortschritte "bei der Suche nach einer diplomatischen Lösung des Konflikts".

Weiterhin habe Scholz den Vorwurf deutlich zurückgewiesen, "dass Nazismus in der Ukraine verbreitet sei". Russland begründet seinen am 24. Februar begonnenen Angriffskrieg gegen das Nachbarland immer wieder unter anderem mit einer angeblichen "Entnazifizierung" der Ukraine. Auch hätten der Bundeskanzler und der Kremlchef über die durch den Krieg angespannte "globale Lebensmittellage" gesprochen. "Der Bundeskanzler erinnerte daran, dass Russland hier in besonderer Verantwortung steht", hieß es.

Friedensgespräche: Putin beschuldigt Ukraine

Laut Kreml fand das Gespräch auf Initiative der deutschen Seite statt. Aus Moskau hieß es, Putin habe "ausführlich" über Russlands Ziele in der Ukraine informiert. Ein Fokus des Gesprächs habe auf humanitären Aspekten gelegen. Es sei vereinbart worden, dass die Diskussion "auf verschiedenen Kanälen" fortgesetzt werden solle. Putin habe Scholz zudem auf "grobe Verletzungen der Normen des internationalen Völkerrechts durch sich zur nazistischen Ideologie bekennende Kämpfer" hingewiesen. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, der Kremlchef habe dem Kanzler gesagt, dass die Friedensgespräche von der Führung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew blockiert würden.

Scholz hatte die Initiative bereits am Morgen im Verteidigungsausschuss des Bundestags angekündigt. "Man muss natürlich an irgendeinem Punkt dazu kommen, dass es auch wieder diplomatische Initiativen geben muss", begründete Regierungssprecher Steffen Hebestreit den Vorstoß des Kanzlers. Ziel sei es, "diesen furchtbaren Krieg mit schrecklichen Zahlen von Opfern, viel Zerstörung und auch der ganzen Sinnlosigkeit, die ein Krieg mit sich bringt, einem Ausweg zuzuführen".

Mehr zum Thema

Der Kanzler hatte nach Beginn des Krieges in der Ukraine mehrfach mit Putin telefoniert, zuletzt am 30. März. Wenige Tage später wurde das Massaker im Kiewer Vorort Butscha bekannt, danach gab es zunächst keinen Kontakt mehr. In einem vergangene Woche veröffentlichten "Stern"-Interview hatte Scholz gesagt: "Wenn es etwas zu bereden gibt, werde ich den Kontakt wieder aufnehmen. Unsere Priorität ist klar: Die Kriegshandlungen müssen sofort beendet werden."

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron hatte zwischenzeitlich nicht mehr mit Putin telefoniert, griff aber bereits am 3. Mai wieder zum Hörer. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte Putin sogar in Moskau besucht, um eine Deeskalation im Ukraine-Krieg zu erreichen.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen