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Geschätzte 9000 Tonnen Opium wurden laut den UN in diesem Jahr in Afghanistan produziert.
Geschätzte 9000 Tonnen Opium wurden laut den UN in diesem Jahr in Afghanistan produziert.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 20. November 2017

Rekordernte in Afghanistan: USA bombardieren Drogenlabore der Taliban

Nach 16 Jahren Krieg sind die Taliban in Afghanistan noch immer nicht besiegt. Die USA wollen nun deren finanzielle Grundlage zerstören - und bombardieren Opiumfabriken im Süden des Landes. Dabei werden womöglich auch Zivilisten getroffen.

Piloten der US-Luftwaffe haben in Afghanistan zum ersten Mal Bomben auf mehrere Drogenfabriken abgeworfen. Das bestätigte der Oberbefehlshaber der Nato- und der US-Streitkräfte im Land, General John Nicholson. Der gemeinsame Einsatz mit afghanischen Streitkräften in der südafghanischen Provinz Helmand habe es gezielt auf die finanziellen Ressourcen der radikalislamischen Taliban abgesehen.

Die Provinz Helmand ist das Zentrum des Schlafmohnanbaus in Afghanistan, der 80 bis 90 Prozent allen Opiums der Welt hervorbringt. Sie ist außerdem Hochburg der Taliban. Sie besteuern Schlafmohnanbau und Drogenschmuggel, was ihrer Kriegskasse nach wechselnden Angaben jährlich 200 bis 400 Millionen Dollar einbringt. Sie sollen zunehmend auch selbst in die Drogenproduktion einsteigen.

Erst vergangene Woche hatten die UN die größte Opiumernte in der Geschichte des Landes gemeldet: Geschätzte 9000 Tonnen hätten mehrere Ernten in 24 der 34 Provinzen in diesem Jahr hervorgebracht, hieß es im Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Das seien 87 Prozent mehr als noch 2016. Schlafmohnpflanzen wuchsen demnach auf rund 328.000 Hektar. In Helmand allein seien die Anbauflächen um 79 Prozent gewachsen.

Ein Sprecher der Taliban, Kari Jusuf Ahmadi, wies Nicholsons Angaben zurück. Es gebe in den Gegenden keine Drogenproduktion. Die USA wollten nur verstecken, dass sie Zivilisten angegriffen hätten. Ein Provinzratsmitglied, das namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, es habe bei den Angriffen möglicherweise zivile Opfer gegeben. "Die meisten, die in solchen Fabriken arbeiten, sind Zivilisten."

Quelle: n-tv.de

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