Politik

"Nicht mehr ausreichend autonom" USA erkennen Hongkongs Sonderstatus ab

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Die gegen China verhängten US-Strafzölle galten bislang nicht für Einfuhren aus Hongkong. Das könnte sich nun ändern.

(Foto: imago images/UIG)

Die chinesische Regierung weitet ihre Machtbefugnisse in Hongkong aus. US-Präsident Trump will deshalb die Vorzugsbehandlung der Sonderverwaltungszone streichen. Das dürfte Peking ärgern, aber auch die Bürger der Millionenmetropole direkt treffen.

Angesichts der zunehmenden Einmischung Chinas im eigentlich autonomen Hongkong wird die US-Regierung die vorteilhafte Behandlung der Metropole weitgehend beenden. Das werde auch Exportkontrollen und Zölle betreffen, sagte US-Präsident Donald Trump im Garten des Weißen Hauses. "Hongkong ist nicht mehr ausreichend autonom, um eine spezielle Behandlung zu verdienen", sagte Trump. Die Abschaffung der Vorteile für Hongkong betreffe mit wenigen Ausnahmen "das ganze Ausmaß" bisheriger Abkommen, sagte Trump. Auch die Reisehinweise für Hongkong würden verschärft.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China weitgehend autonom nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" verwaltet. Die Sonderverwaltungszone erfreute sich daher bisher auch in den USA eines speziellen Rechtsstatus, der für Unternehmen und Bürger der Metropole große Bedeutung hat. Zum Beispiel gelten die gegen China verhängten US-Strafzölle bislang nicht für Einfuhren aus Hongkong. Auch für den Finanzplatz Hongkong - der für das kommunistische China sehr wichtig ist - und dort ansässige Unternehmen hat die Sonderstellung große Bedeutung.

Einreise in die USA wird schwieriger

US-Visa dürften für Menschen aus Hongkong zudem künftig schwieriger zu bekommen sein. "China hat das Versprechen "ein Land, zwei Systeme" ersetzt durch "ein Land, ein System"", sagte Trump am Freitag. Die kommunistische Führung in China exportiere ihren totalitären Überwachungsstaat inzwischen auch nach Hongkong. Beamte aus China und Hongkong, die direkt mit solchen Maßnahmen befasst seien, könnten von den USA mit Sanktionen belegt werden, warnte der US-Präsident. Das jährliche Handelsvolumen für Waren und Dienstleistungen zwischen den USA und Hongkong betrug zuletzt 67 Milliarden US-Dollar. Die US-Regierung will zudem die Ausstellung von Visa für chinesische Studenten, die in den USA ein Masterstudium oder eine Promotion verfolgen, extrem begrenzen. Chinas Militär missbrauche Studenten für Industrie- und Forschungsspionage, erklärte das Weiße Haus.

Peking hatte zuletzt immer stärker in die Freiheiten der Sonderverwaltungszone Hongkong eingegriffen. Das führte seit vergangenem Jahr auch zu immer neuen Massenprotesten in der Millionenmetropole. Ein von Peking inzwischen geplantes restriktives Sicherheitsgesetz brachte das Fass aus Sicht der US-Regierung aber zum Überlaufen: Diese Woche erklärte das Außenministerium dem Kongress, Hongkong erfülle die Kriterien einer gesonderten Behandlung nicht mehr. Mit der politischen Feststellung bereitete die Regierung den Boden, für die nun angekündigten Schritte. Trotz massiver internationaler Kritik hatte Chinas Volkskongress am Donnerstag die Pläne für das neue Sicherheitsgesetz in Hongkong gebilligt. Das Gesetz umgeht Hongkongs Parlament. Es richtet sich gegen Aktivitäten, die als subversiv oder separatistisch angesehen werden. Das Vorhaben wäre der bisher weitgehendste Eingriff in die eigentlich garantierte Autonomie.

Auch Großbritannien hat China im Streit um das geplante Sicherheitsgesetz für Hongkong mit Maßnahmen gedroht. Sollte China das Gesetz einführen, werde die britische Regierung Optionen prüfen, um Bürgern der ehemaligen britischen Kronkolonie einen Weg zur britischen Staatsbürgerschaft zu eröffnen, teilte Innenministerin Priti Patel mit. Bislang können Bürger Hongkongs sich bis zu sechs Monate ohne Visum in Großbritannien aufhalten, wenn sie den Status eines British National Overseas (BNO) haben und im Besitz eines entsprechenden Ausweises sind. Derzeit sind das nach Angaben Londons rund 350.000 Menschen. Theoretisch wären aber knapp drei Millionen ehemalige Untertanen berechtigt, einen entsprechenden Pass zu beantragen.

Quelle: ntv.de, lri/ino/dpa