Politik

IS-Hochburg in Libyen USA fliegen erstmals Luftangriffe auf Sirte

Bisher bombardieren die USA IS-Stellungen im Irak und in Syrien. Nun greifen sie auch in Libyen direkt ein: Auf Bitten der Einheitsregierung beginnen US-Truppen mit Luftangriffen.

Das US-Militär hat erstmals Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in der libyschen IS-Hochburg Sirte angegriffen. Das teilte Pentagon-Sprecher Peter Cook in Washington mit. Angaben zu möglichen Opfern machte er nicht. US-Präsident Barack Obama habe die Luftschläge genehmigt. Der Ministerpräsident der Einheitsregierung in Tripolis, Fajis al-Sarradsch, sagte in einer Fernsehansprache, seine Regierung habe in Kooperation mit den Milizen am Boden um direkte Luftunterstützung der USA gebeten. Es habe "hohe Verluste" bei den Islamisten gegeben.

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Die Regierungstruppen, die Sirte zurückerobern wollen, kommen nicht weiter - nun greifen die USA ein.

(Foto: REUTERS)

Die Küstenstadt war im Februar 2015 von islamistischen Kämpfern unter Führung des IS erobert worden. Seit Mai versuchen die Truppen der Einheitsregierung, die Kontrolle über Sirte zurückzuerlangen. Im Juni gelang es ihnen, in die Stadt vorzudringen. Zuletzt geriet die Offensive aber ins Stocken, als die Truppen im Zentrum der Stadt auf gut befestigte Stellungen der Islamisten trafen. Bei den Kämpfen gab es auf beiden Seiten große Verluste. Das IS-Einflussgebiet in Zentrallibyen war zuletzt auf mehr als 300 Kilometer Länge angewachsen.

Nach Angaben von Pentagon-Sprecher Cook halten sich in Sirte noch bis zu 1000 Kämpfer der Terrormiliz auf. Ob die Präzisionsschläge mit Drohnen oder mit Kampfjets ausgeführt wurden, wollte er nicht sagen. Ziel waren demnach unter anderem ein Panzer sowie Fahrzeuge des IS. Cook machte deutlich, dass es keine einzelne Aktion war. "Wir sind darauf vorbereitet, in Abstimmung mit der Einheitsregierung weitere Angriffe auszuführen", sagte er.

Formelle Bitte fehlte bisher

Diplomaten zufolge hatten die USA schon seit Monaten darauf gedrungen, den IS aus der Luft angreifen zu können. Doch eine formelle Bitte von der Einheitsregierung hatte bislang gefehlt. Die Regierung in Tripolis zögerte wohl auch deshalb, weil sie durch eine amerikanische Militärintervention interne Kritik auf sich ziehen und vom Westen abhängig wirken könnte.

Dabei hatten die US schon vorher vereinzelt Luftangriffe auf den IS in anderen Landesteilen geflogen. So kamen bei einem Luftangriff auf ein mutmaßliches Terrorcamp der Dschihadisten im Februar Dutzende Menschen ums Leben. In Sirte unterstützen libyschen Militärangaben zufolge US-amerikanische und britische Spezialkräfte die Kämpfer am Boden mit Koordinaten von IS-Stellungen. In Syrien und im Irak hat die US-geführte Koalition in etwa zwei Jahren fast 14.000 Luftangriffe gegen den IS und andere Islamisten geflogen.

Libyen ist seit dem vom Westen unterstützten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 nicht zur Ruhe gekommen. Eine neue Einheitsregierung hat die Anerkennung der UN und soll zwei bislang in Libyen um die Macht kämpfende Führungen ersetzen. Ihre Macht in Libyen ist bislang aber noch begrenzt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa