Politik

Offizielle Gespräche ab Herbst USA und Taiwan wollen Handel verstärken

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Taiwan will sich wirtschaftlich stärken und Handelspakte schließen.

(Foto: AP)

In der Taiwankrise steht die nächste Provokation Chinas bevor: Die Regierungen in Washington und Taipeh starten im Herbst formelle Handelsgespräche. Ziel ist ein ehrgeiziger Fahrplan. Bereits bei den Vorbereitungen hatte sich China verärgert gezeigt.

In den ohnehin angespannten Beziehungen Chinas mit den USA und Taiwan gibt es neue Verstimmung. Die Regierungen in Washington und Taipeh kündigten an, formelle Handelsgespräche im Rahmen einer neuen Initiative aufnehmen zu wollen. Die erste Runde solle im "frühen Herbst" stattfinden, teilte das Büro der US-Handelsbeauftragten Katherine Tai mit. Beide Seiten wollten die Handels- und Investitionsbeziehungen vertiefen. China erklärte seinen Widerstand gegen ein offizielles Wirtschaftsabkommen.

Außenamtsprecher Wang Wenbin sagte in Peking: "Der Ein-China-Grundsatz ist die Voraussetzung für eine Teilnahme von Chinas Taiwan-Region in wirtschaftlicher Kooperation." China lehne die Unterzeichnung von Handels- und Wirtschaftsvereinbarungen 'mit souveräner Nebenbedeutung und offizieller Art' zwischen anderen Ländern und Taiwan ab. Die USA forderte der Sprecher auf, "alle Formen offizieller Interaktion" mit Taiwan einzustellen.

Die kommunistische Führung in Peking betrachtet Taiwan nur als Teil der Volksrepublik und lehnt alle Formen offizieller Kontakte anderer Länder zu Taipeh ab. Schon mit Blick auf die vorbereitenden Handelsgespräche zwischen Taiwan und den USA hatte das chinesische Außenministerium zusätzlich noch seinen Widerstand gegen etwaige Vereinbarungen deutlich gemacht, die offizieller Art seien und Auswirkungen auf Chinas Souveränität hätten, wie es hieß.

Die Spannungen mit China hatten sich jüngst durch den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan verschärft. Es war der ranghöchste Besuch aus den USA seit einem Vierteljahrhundert. Pelosi ist - nach dem Präsidenten und dessen Vize - die Nummer Drei der USA. Kurz darauf reiste eine weitere Delegation des US-Kongresses nach Taipeh. Peking sprach von "Provokationen". Als Reaktion nahm China großangelegte Manöver um die demokratische Inselrepublik auf. Bei der seit Jahrzehnten größten militärischen Machtdemonstration der Volksrepublik wurden eine See- und Luftblockade, eine mögliche Eroberung und andere Kampfeinsätze geübt.

Taiwan will mehr Investoren anlocken

Peking droht mit einer gewaltsamen Einnahme der 23 Millionen Einwohner zählenden Insel, während sich Taiwan als unabhängig ansieht. Die USA wiederum haben sich der Verteidigungsfähigkeit Taiwans verpflichtet. Washington und Taipeh hatten die US-Taiwan-Initiative zum Handel bereits im Juni vorgestellt. Die Verhandlungen laufen unter dem Dach der inoffiziellen Vertretungen beider Seiten: Das Amerikanische Institut in Taiwan (AIT) und die Taipeh Wirtschafts- und Kulturvertretung (Tecro) in Washington. "Wir planen, einen ehrgeizigen Fahrplan zu verfolgen", teilte das Büro der Handelsbeauftragten mit.

Die jeweiligen Handelsprioritäten sollen auf der Grundlage gemeinsamer Werte vorangetrieben sowie Innovation und integratives Wachstum gefördert werden. Es soll um Handelserleichterungen, regulatorische Fragen, Kampf gegen Korruption und mehr Handel zwischen kleinen und mittelgroßen Unternehmen sowie mit Gütern aus der Landwirtschaft gehen. Genannt wurden in Washington auch die Beseitigung von Benachteiligungen, digitaler Handel, Umwelt- und Arbeitsstandards sowie wettbewerbsverzerrende Praktiken. Taiwan will damit seine wirtschaftlichen Fähigkeiten stärken sowie mehr Investitionen aus den USA und aus anderen Ländern anziehen. Auch soll der Weg geebnet werden, sich anderen Handelspakten anschließen zu können, wie das Büro für Handelsgespräche (OTN) in Taipeh mitteilte. Ausdrücklich genannt wurde hier das asiatisch-pazifische Freihandelsabkommen CPTPP.

Als Reaktion auf Pelosis Besuch hatte China auch den Import von Hunderten landwirtschaftlichen Produkten aus Taiwan sowie die für die Insel wichtige Lieferung von Sand vom Festland gestoppt, um den Druck auf Taipeh zu erhöhen. "Durch wirtschaftliche Zusammenarbeit können sich Taiwan und die USA gemeinsam der wirtschaftlichen Nötigung durch China widersetzen", sagte Kabinettssprecher Lo Ping-cheng zu den Handelsgesprächen.

Quelle: ntv.de, chl/dpa

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