Politik
2016 flogen die USA rund 1000 Angriffe über Afghanistan. 2017 waren es bis Mitte Oktober schon 2400.
2016 flogen die USA rund 1000 Angriffe über Afghanistan. 2017 waren es bis Mitte Oktober schon 2400.(Foto: imago/StockTrek Images)
Dienstag, 21. November 2017

Zahl der Abwürfe verdreifacht: USA weiten Bombenkrieg in Afghanistan aus

Neue Statistiken zeigen einen drastischen Anstieg von US-Luftangriffen in Afghanistan. Ziel sind der IS, die radikalislamischen Taliban und deren geldträchtige Schlafmonplantagen. Auch die Zahl der zivilen Opfer steigt dramatisch.

Die US-Luftwaffe wird in diesem Jahr etwa dreimal so viele Bomben über Afghanistan abwerfen wie noch 2016. Neue Statistiken der Luftwaffe zeigen bis Ende Oktober schon 3554 "abgefeuerte Waffen" (number of weapons released). Im ganzen vergangenen Jahr hatte die Luftwaffe 1337 Munitionsabwürfe registriert.

Die Anzahl der US-Luftangriffe auf radikalislamische Taliban, die mittlerweile wieder rund 13 Prozent des Landes kontrollieren oder beeinflussen, und Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steigt seit Monaten rasant. Bis Mitte Oktober waren es nach Militärangaben schon rund 2400 (2016: rund 1000). Aber auch die noch im Aufbau befindliche afghanische Luftwaffe fliegt schon Angriffe. Jüngst hatten die USA dem afghanischen Militär die ersten von 159 Militärhubschraubern des Typs Blackhawk übergeben.

In der Nacht auf Montag hatten die US- und die afghanische Luftwaffe zum ersten Mal auch Drogenlabore in der südafghanischen Provinz Helmand angegriffen, um, wie Nato-Oberbefehlshaber John Nicholson sagte, finanzielle Ressourcen der Taliban zu zerstören. Helmand ist das Zentrum des Schlafmohnanbaus in Afghanistan, der 80 bis 90 Prozent allen Opiums der Welt hervorbringt, und eine Hochburg der Taliban. Die Taliban besteuern Schlafmohnanbau und Drogenschmuggel, was ihrer Kriegskasse jährlich 200 bis 400 Millionen Dollar einbringen soll.

Nicholson kündigte weitere Angriffe an. Gleichzeitig erhöhte sich auch die Zahl ziviler Opfer. Laut UN stieg in den ersten neun Monaten von 2017 die Zahl der durch Luftangriffe betroffenen Zivilisten im Vergleich zu 2016 um 52 Prozent auf 205 Tote und 261 Verletzte.

Quelle: n-tv.de