Politik

Stimme der "Bewegung" USA werden Trump nicht so schnell los

Die Vereinigten Staaten haben einen harten und schmutzigen Wahlkampf hinter sich. Dafür sorgte vor allem Donald Trump. Und nichts deutet darauf hin, dass der 70-Jährige nach einer etwaigen Niederlage die politische Bühne verlässt.

Von John McCain, Mitt Romney und Bob Dole war in den vergangenen Jahren nicht mehr viel zu hören. Die drei Republikaner spielten nach ihren Wahlniederlagen gegen Barack Obama beziehungsweise Bill Clinton in ihren Parteien keine große Rolle mehr. Gleiches gilt für Clintons Vize Al Gore, der bei dem denkwürdigen Votum im Jahr 2000 gegen George W. Bush verlor. Nur John Kerry, der 2004 gegen Bush das Nachsehen hatte, ist nach wie vor präsent - als Chefdiplomat in der zweiten Obama-Administration. Aber auch nur, weil Hillary Clinton nach ihrer Niederlage bei den Vorwahlen der Demokraten 2008 ihren zweiten Anlauf auf das Weiße Haus plante, und ihr damit ein weiterer Verbleib im State Department nicht möglich war.

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Der Milliardär kämpft nach eigenen Angaben für die Arbeiterklasse. Er findet vor allem bei den Weißen Gehör.

(Foto: REUTERS)

Was passiert nun nach dem jetzigen Votum? Zieht sich Donald Trump nach einer etwaigen verlorenen Wahl wieder zurück und wird in der von internen Machtkämpfen zerfledderten Republikanischen Partei keine Rollen mehr spielen? Trump, der nach eigenen Aussagen nicht will, dass "Amerika von einer korrupten politischen Klasse regiert wird" und deshalb die "amerikanische Arbeiterklasse zurückschlagen" müsse. Gibt der 70-Jährige, der mit seinen populistischen Sprüchen mit dazu betrug, dass sich die Gräben in der US-Gesellschaft weiter vertieften, einfach auf und lässt seine Anhänger, die sich zum großen Teil aus nationalistischen und wirtschaftlich abgehängten Weißen rekrutieren, im Stich?

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Heute beginnt in den USA die Wahl zum 45. Präsidenten. Wenn Sie die Wahl zwischen der Kandidatin der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, und ihrem Mitbewerber der Republikanischen Partei, Donald Trump, hätten - wen würden Sie wählen?

Im Gegensatz zu den vergangenen Wahlen werden diesmal die Monate danach mit Sicherheit turbulenter. Siegt Clinton, haben es die Trump-Anhänger weiter mit dem von ihnen gehassten Washingtoner Establishment zu tun, das ihr Vormann bei seinen aggressiven Wahlkampfauftritten täglich attackiert hatte. Trump selbst könnte die Stimmung weiter anheizen, indem er im Fall seiner Niederlage das Wahlergebnis nicht anerkennen würde. "Ich werde das Wahlergebnis anerkennen, aber nur, wenn ich gewinne", hatte der Immobilien-Milliardär bereits getönt.

Was passiert mit der Republikanischen Partei?

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass ein solcher Kandidat bei einem knappen Wahlausgang zeitnah klein beigibt und seiner Konkurrentin Hillary Clinton zum Wahlsieg gratuliert. Trump, der bereits öffentlich von Wahlbetrug sprach, könnte auf Wiederauszählung in Bundesstaaten mit vielen Wahlmännern und knappen Ergebnissen dringen. Auch ein Gang vor Gericht wäre durchaus im Bereich des Möglichen. Dass in den Wahllokalen Vertreter beider Parteien über den ordnungsgemäßen Ablauf des Urnengangs wachen, schert ihn nicht.

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Trump-Gegner Paul Ryan.

(Foto: AP)

Zudem steht Trumps Glaubwürdigkeit bei seinen Wählern auf dem Spiel. Denn sein Feldzug gegen "die da oben" in Washington zielt nicht nur auf die demokratischen, sondern auch auf die republikanischen Protagonisten des Establishments. Es ist für Trump unerträglich, seinen innerparteilichen Intimfeind Paul Ryan, der sich vom New Yorker Haudrauf wegen dessen frauenfeindlichen Ausfällen distanziert hatte, weiter als Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses zu sehen. Für Trump sind Menschen wie Ryan schlichtweg Schwächlinge, die es politisch kaltzustellen gilt.

So ist es gut möglich, dass der Machtkampf bei den Republikanern nach der Wahl in seine finale Phase tritt und die "Grand Old Party" entweder völlig zerlegt wird, oder noch weiter nach rechts abdriftet. Das ist übrigens auch ein Horrorszenario für eine mögliche Präsidentin Clinton, die sich nach Lage der Dinge wie Barack Obama mit einem von den Republikanern dominierten Kongress herumschlagen muss.

Der monatelange schmutzige Wahlkampf, der das internationale Ansehen der Vereinigten Staaten von Amerika nicht gerade gefördert hat, hat die Reformbedürftigkeit des althergebrachten Parteiensystems zutage gebracht. Viele US-Bürger sehen sich seit Jahrzehnten nicht mehr von ihren Politikern vertreten.

Kein Interesse an "Trump TV"

Trump, der den Rächer der Vernachlässigten und Zukurzgekommenen spielt und die Leute regelrecht aufhetzt, könnte bei der Neuordnung eine wichtige Rolle spielen. "Ich habe eine Bewegung hinter mir", sagte er mehrmals. So ist es durchaus möglich, dass sich in den USA eine im rechten Spektrum angesiedelte dritte politische Kraft etabliert, die vor allem die weiße Bevölkerungsschicht repräsentiert, deren quantitative Dominanz in einigen Jahrzehnten verschwinden wird. So werden im Jahr 2060 nur noch 44 Prozent der US-Amerikaner weiß sein, während der Anteil der Asiaten und Hispanics wächst. Dieser Umstand wird zwangsläufig auch einen politischen Wandel nach sich ziehen.

Donald Trump wird die Öffentlichkeit weiter beschäftigen. So geistern Meldungen über ein "Trump TV" herum, einen Kanal, der die rechtspopulistische Strömung bedienen und rechts von Rupert Murdochs erzkonservativem Sender "Fox News" angesiedelt sein soll. Ein Medienkonzern, der Trumps Kampagne auch nach der Wahl weiter tragen soll. Trump selbst wiegelt ab. Er habe kein Interesse daran, sagte er unlängst. Allerdings ist sein Lager, bei dessen Wahlkampfarbeit Medienschelte eine wichtige Rolle spielt, dazu übergegangenen, eigene "Expertenrunden" via Social Media auszustrahlen. Vielleicht kommt doch noch der Augenblick, bei dem Trump sein Geschwätz von gestern nicht mehr interessiert.

Quelle: ntv.de