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Schallattacken auf US-Diplomaten USA ziehen Botschaftspersonal in Kuba ab

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Die US-Botschaft in Havanna zählt nur noch wenige Mitarbeiter.

(Foto: dpa)

Nach Angriffen auf Diplomaten der US-Botschaft auf Kuba greift Washington drastischen Maßnahmen. Ein Großteil des Personals und deren Angehörige werden abgezogen, heißt es, da nicht für deren Sicherheit garantiert werden kann.

Nach mysteriösen Erkrankungen US-amerikanischer Diplomaten auf Kuba hat die US-Regierung beschlossen, rund 60 Prozent ihres Botschaftspersonals von der Insel abzuziehen. Die Botschaft in Havanna solle geöffnet bleiben, allerdings würden von dort keine gewöhnlichen Visa mehr ausgestellt, zitierte der US-Sender "CBS News" Regierungsvertreter, die nicht namentlich zitiert werden wollten.

In den vergangenen Monaten hatten mindestens 21 Angehörige der erst 2015 formell eröffneten US-Botschaft in Havanna Probleme mit dem Gehör bekommen. Vermutet wird, dass das Botschaftspersonal absichtlich starken Schallwellen ausgesetzt worden waren. Die Symptome reichten von Schlafstörungen über Schwindelgefühle bis hin zu Tinnitus und komplettem Gehörverlust.

Schall-Attacken aus dem Hinterhalt

Bei der Ursachenforschung zu den rätselhaften Ohrenschäden von US-Botschaftsbediensteten in Havanna tappt die US-Regierung weiter im Dunkeln. "Die Ermittler waren nicht in der Lage festzustellen, wer dafür verantwortlich ist und wodurch die Angriffe ausgelöst wurden", heißt es in einer Stellungnahme von US-Außenminister Rex Tillerson, die sein Ministerium vor dem Wochenende in Washington veröffentlichte.

Die USA entschieden sich daraufhin, in Havanna nur noch eine Notbesatzung zu belassen und ihr restliches Botschaftspersonal nebst Familienangehörigen abzuziehen. Zudem rief das Außenministerium alle US-Bürger auf, Reisen nach Kuba zu vermeiden. Die diplomatischen Beziehungen zu Kuba seien aber nicht gekappt worden, heißt es in dem Statement Tillersons weiter.

Notbesetzung in Havanna

Kuba habe zugesichert, bei der Aufklärung der Vorfälle mit den USA zu kooperieren. Jedoch werde die Botschaft bis auf weiteres in reduzierter Personalstärke betrieben. "Bis die Regierung von Kuba die Sicherheit unserer Diplomaten zusichern kann, wird unsere Botschaft nur mit Notbesetzung gefahren, um die Zahl der Diplomaten, die Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, zu minimieren", schrieb Tillerson weiter.

Das Außenministerium warnte US-Bürger zudem vor Reisen nach Kuba. In der vergangenen Woche hatte Tillerson seinen kubanischen Amtskollegen Bruno Rodríguez getroffen, um über die Problematik zu sprechen. Die Regierung in Havanna bestritt, etwas mit den Vorfällen zu tun zu haben. Unabhängig von einer Beteiligung an den Attacken steht Kuba internationalen Gepflogenheiten zufolge in der Pflicht, die Sicherheit der Diplomaten zu garantieren.

Sturmschäden am Gebäude

Die Botschaft in Havanna dürfte nach dem Abzug des Personals nahezu verlassen sein. Einige der von den Attacken betroffenen Diplomaten haben bereits das Land verlassen. Unabhängig von den Schallattacken ist das Gebäude durch die Hurrikane "Harvey" und "Irma" in Mitleidenschaft gezogen worden und teilweise beschädigt. Auch deshalb wurde einzelne Mitarbeiter abgezogen.

Erst 2015 hatten beide Länder die Wiederinbetriebnahme der jeweiligen Botschaften ermöglicht. Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA verschlechterten sich nach der Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump stetig. Im Juni hatte Trump neue Sanktionen gegen den Karibikstaat und ein Handelsembargo angekündigt.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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