Politik

Der Kriegstag im Überblick Ukraine berichtet von erfolgreichen Schlägen im Süden - Moskau bombardiert Donbass

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Ein ukrainischer Panzer nimmt im Donbass russische Truppen unter Beschuss. Die Front in der Region bewegt sich zuletzt langsam - allerdings zugunsten Russlands.

(Foto: REUTERS)

Die Ukraine spricht von einer schwierigen Situation im Süden des Landes, aber auch Erfolgen durch Luftschläge. Moskau bestätigt neue Raketen- und Artillerieangriffe im Osten. Ebenfalls im Süden gerät das russisch besetzte Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja ins Kreuzfeuer - Kiew und Moskau machen sich erneut gegenseitig für den Beschuss verantwortlich. Dutzende Staaten fordern nun den Abzug russischer Truppen von dem AKW-Gelände. Der 172. Kriegstag im Überblick.

Ukraine sieht Erfolge in Südukraine - Lage schwierig

Weiterhin besonders gespannt war die Lage im Süden der Ukraine in der Region Cherson und in dem benachbarten Gebiet Saporischschja, wo Kiews Truppen versuchen, Ortschaften zurückzuerobern. Im Generalstab in Kiew war von einer schwierigen Situation die Rede. Es habe allerdings auch erfolgreiche Luftschläge gegen die russische Armee gegeben.

Im Süden gelinge es dem ukrainischen Militär aber immer wieder, den "russischen Okkupanten" Schläge zu versetzen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft am Samstagabend. So sei die Autobrücke des Staudamms Nowa Kachowka im Gebiet Cherson nach mehreren Angriffen nicht mehr befahrbar. Obendrein sei nun die letzte der drei einzigen Flussquerungen über den Dnipro zerstört worden. Damit soll der Nachschub für Teile der russischen Armee verhindert werden.

Russland beschießt Dutzende Ortschaften

Russland beschoss bei neuen Raketen- und Artillerieangriffen im Osten der Ukraine nach eigenen Angaben Ziele in Dutzenden Ortschaften. Die Attacken konzentrierten sich auf die Region Donezk, im benachbarten Gebiet Charkiw sei die Ortschaft Udy eingenommen worden, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Der ukrainische Generalstab in Kiew berichtete ebenfalls von massiven Angriffen im Osten: Im Gebiet Donezk sei ein Versuch des Feindes, die Verteidigungslinie nach Slowjansk zu durchbrechen, abgewehrt worden. Die Lage sei weitgehend unverändert, hieß es in Kiew. Das russische Militär teilte mit, bei Slowjansk ein Treibstofflager in Brand gesetzt und zerstört zu haben.

Laut Selenskyj ist die Lage im Osten der Ukraine weiter schwierig, aber ohne große Veränderungen. Besonders die Region Charkiw werde immer wieder angegriffen, die Verteidigung aber halte, sagte er in einer am Samstagabend verbreiteten Videoansprache. Russland habe im Donbass indes "kolossale Ressourcen" an Artillerie, Personal und Ausrüstung aufgefahren.

Kadyrow schickt neue Truppen in die Ukraine

In der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus teilte Republikchef Ramsan Kadyrow mit, für den Kampf in der Ukraine neue Truppen mit "Freiwilligen" auf den Weg geschickt zu haben. In einem Video, das Einheiten auf dem Flughafen der tschetschenischen Hauptstadt Grosny zeigen soll, wurden die Uniformierten auf die "Vernichtung" ukrainischer Nationalisten eingeschworen. Überprüfbar von unabhängiger Seite sind diese Aufnahmen nicht.

AKW unter Feuer - gegenseitige Schuldzuweisungen

In der ukrainischen Stadt Enerhodar am russisch besetzten Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja schlugen erneut Artilleriegeschosse ein, teilten russische wie ukrainische Quellen mit. Beide Seiten machten jeweils die andere für den Beschuss verantwortlich. Übereinstimmend wurde berichtet, dass ein Zivilist getötet worden sei. "Die Nationalisten der Ukraine haben ein Wohngebiet von Enerhodar mit Raketen beschossen", teilte die russische Besatzungsverwaltung der Agentur TASS zufolge mit.

Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj erhob in seiner Videoansprache schwere Vorwürfe gegen Russland. Die "Besatzer" nutzten das AKW Saporischschja für eine "Erpressung", indem sie "auf extrem zynische Weise" Angst verbreiteten, sagte der Präsident. Die russischen Truppen "verstecken" sich hinter dem AKW, um die ukrainisch kontrollierten Städte Nikopol und Marhanez zu beschießen. Der ukrainische Bürgermeister von Enerhodar warnt vor einer weiteren Verschärfung der Lage im größten Kernkraftwerk Europas. Das Risiko "wächst jeden Tag", so Dmytro Orlow.

Westen fordert Abzug russischer Truppen aus AKW

42 Staaten und die EU forderten unterdessen den sofortigen Abzug russischer Truppen aus dem besetzten Atomkraftwerk Saporischschja. "Die Stationierung von russischen Militärs und Waffen in der Atomanlage ist inakzeptabel", hieß es in einer Erklärung. Russland verletze die Sicherheitsprinzipien, auf die sich alle Mitgliedsländer der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) verpflichtet hätten. Die Kontrolle über das AKW müsse den befugten ukrainischen Behörden übergeben werden. Die Forderung wurde im Namen der EU und aller ihrer Mitgliedsländer erhoben. Zudem unterzeichneten die USA, Großbritannien, Norwegen, Australien, Japan, Neuseeland und andere Länder.

Russland hingegen sieht im Ringen um die Sicherheit des AKW Saporischschja die Vereinten Nationen am Zug. Aufgabe des UN-Sekretariats sei es, "grünes Licht zu geben für einen Besuch des AKW von Experten und Expertinnen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), sagte der russische Diplomat Michail Uljanow in einem Interview der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS.

Erster Getreidefrachter in UN-Auftrag unterwegs

Der erste Getreidefrachter im Auftrag der Vereinten Nationen lief aus dem südukrainischen Hafen Piwdennyj mit Weizen für Afrika aus. Das teilte der Gouverneur des Gebietes Odessa, Maxym Martschenko, auf Telegram mit. Das Welternährungsprogramm der UN (WFP) habe den Frachter "Brave Commander" gechartert. Die Ladung von 23.000 Tonnen Weizen ist nach UN-Angaben für Äthiopien bestimmt.

Als gute Nachricht bezeichnete der ukrainische Präsident Selenskyj in seiner Videobotschaft den Transport von ukrainischem Getreide und Lebensmitteln über die Häfen im Schwarzen Meer. Inzwischen seien 16 Schiffe mit Mais, Weizen, Soja, Sonnenblumenöl und anderen Produkten ausgelaufen, um die Lage auf dem globalen Lebensmittelmarkt zu entspannen. Die Einnahmen aus dem Verkauf kämen dem Staat und den Landwirten zugute, die nun die neue Saat ausbringen könnten, sagte Selenskyj. "Das ist ein wichtiges Element auf dem Weg zum Sieg", sagte er.

Scholz bricht zu Besuchen in Norwegen und Schweden auf

Bundeskanzler Olaf Scholz wird am Montag zu einer zweitägigen Reise in die skandinavischen Königreiche Norwegen und Schweden aufbrechen. In Norwegens Hauptstadt Oslo will er am Montag am Treffen der Nordischen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten teilnehmen und bilaterale Gespräche mit Regierungschef Jonas Gahr Störe führen. Es soll dabei unter anderem um die Sicherheit Nordeuropas nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und um Energiefragen gehen.

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Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

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