Behörden: Tote und VerletzteUkraine greift wichtige Ölraffinerie in Russland an

Die Ukraine setzt ihre Kampagne gegen die russische Ölindustrie fort. Ziel ist diesmal eine Raffinerie in der Teilrepublik Tatarstan. Nach Behördenangaben kommen bei dem Angriff viele Menschen ums Leben. Die Ukraine meldet Verletzte.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff sind in Nischnekamsk in der russischen Teilrepublik Tatarstan laut Behörden mindestens 13 Menschen getötet worden. Es seien auch 48 Menschen verletzt worden, teilte die Regierung in der Hauptstadt Kasan mit. Republikchef Rustam Minnichanow verhängte offiziell Trauer in Tatarstan. Der Bürgermeister von Nischnekamsk, Radmir Beljajew, hatte zuvor von einem massiven Angriff mit ukrainischen Drohnen auf Industrieanlagen und zivile Objekte sowie von Toten berichtet.
Ukrainische Medien meldeten, dass dort eine der größten Ölraffinerien des Landes angegriffen worden sei. Später bestätigte der Generalstab in Kiew den Angriff auf die Raffinerie "Taneko" in Nischnekamsk. Die Raffinerie des Unternehmens Tatneft war bereits Anfang Juni von der Ukraine angegriffen worden. Sie gehört zu den modernsten Raffinerien in Russland. Im Jahr 2024 verarbeitete sie 17 Millionen Tonnen Rohöl und produzierte 2,7 Millionen Tonnen Benzin sowie 8,5 Millionen Tonnen Diesel.
Kiew greift in seinem Abwehrkampf gegen Moskaus Angriffskrieg immer wieder Anlagen der russischen Ölindustrie an. Ziel ist es, der Kriegsmaschinerie Moskaus so die wichtigen Einnahmen etwa aus dem Export der Energie zu nehmen. Bei den ukrainischen Gegenangriffen kamen nach russischen Angaben zuletzt vermehrt Zivilisten ums Leben.
Viele Verletzte in der Ukraine nach russischen Angriffen
Russland attackierte seinerseits die Ukraine mit Drohnen, Marschflugkörpern und Gleitbomben. Bei einem Luftangriff auf die südostukrainische Großstadt Saporischschja sind nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen verletzt worden. Militärgouverneur Iwan Fedorow informierte auf Telegram über beschädigte Wohnhäuser und in Brand gesetzte Autos. Es sei mindestens eine Gleitbombe auf die Industriestadt abgeworfen worden. Für die Großstadt gilt aufgrund ständiger Angriffe fast ununterbrochen Luftalarm. Die Frontlinie ist nur etwas mehr als 20 Kilometer von Saporischschja entfernt.
Darüber hinaus griff Russland sein Nachbarland in der Nacht mit 126 Kampfdrohnen und 4 Marschflugkörpern an. 92 Drohnen und 3 Marschflugkörper seien abgeschossen oder durch elektronische Flugabwehr zum Absturz gebracht worden, hieß es. Ein Marschflugkörper habe sein Ziel verfehlt. Einschläge habe es an 22 Orten in der Ukraine gegeben, teilte die ukrainische Luftwaffe am Morgen auf Telegram mit. Allerdings können auch herabstürzende Trümmer abgewehrter Flugkörper verheerende Schäden verursachen.
Russland setzte in den vergangenen Monaten vermehrt Raketen und Marschflugkörper gegen ukrainische Städte ein. Im Juli feuerte Russland nach ukrainischen Angaben insgesamt 376 Raketen und Marschflugkörper auf die Ukraine ab. Im Juni hatte die ukrainische Luftabwehr noch insgesamt 180 Raketen und Marschflugkörper erfasst, im Mai waren es insgesamt 211.
Die Zahl der von Russland eingesetzten Drohnen ging hingegen zurück. Der Militäranalyst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer führt den Rückgang der Drohnenangriffe auch auf die Umstellung der russischen Produktion auf raketengetriebene Drohnen vom Typ Geran zurück.
Der Ukraine fehlen die Mittel, um die russischen Raketenangriffe abzuwehren. Bereits seit Monaten bittet Kiew seine Partner daher um die Lieferung weiterer Patriot-Raketen, um mehr russische Raketen abwehren zu können. Ohne Patriot-Raketen gelingt der Ukraine nur der Abschuss sehr weniger Raketen, wie Daten der ukrainischen Luftwaffe zeigen. Russischen Massenangriffen mit Raketen ist die Ukraine schutzlos ausgeliefert. Immer wieder werden bei den nächtlichen Angriffen nach Behördenangaben viele Zivilisten getötet oder verletzt. Bei den langsamer fliegenden Marschflugkörpern liegt die Abschussrate deutlich höher.