Treffen der Asean-StaatenUkrainischer Angriff überschattet Putins Gipfel

Der russische Präsident lädt zahlreiche südostasiatische Staats- und Regierungschefs zum Treffen ein. Ein Thema: die Energiesicherheit. Die zeitgleichen ukrainischen Drohnenangriffe auf eine russische Ölraffinerie dürften da ungelegen kommen.
Der ukrainische Angriff auf Moskau in der Nacht zu Donnerstag ist erneut mit einer von Präsident Wladimir Putin ausgerichteten internationalen Veranstaltung zusammengefallen - dem Asean-Russland-Gipfel in Kasan an der Wolga. Dort empfing Putin die Staats- und Regierungschefs der südostasiatischen Asean-Staaten. Ein Thema war die Zusammenarbeit im Bereich der Energiesicherheit.
Bei den Angriffen trafen ukrainische Drohnen eine Raffinerie. Die Flugabwehr der russischen Hauptstadt hat russischen Angaben zufolge rund 180 Drohnen abgefangen. In seiner Eröffnungsrede erwähnte Putin die Angriffe aber mit keinem Wort. Bereits Anfang Juni hatte die Ukraine bei Drohnenangriffen ein Tanklager in St. Petersburg in Brand gesetzt, als dort Putins Internationales Wirtschaftsforum tagte.
Zum Asean-Russland-Gipfel folgten nun Staats- und Regierungschefs aus Ländern wie Kambodscha, Thailand, Vietnam und Singapur Putins Einladung. Die Veranstaltung findet fast zeitgleich zum Treffen der G7-Staaten im französischen Evian statt, zu dem auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erschien.
In Russland sprachen die Asean-Staaten über strategische Partnerschaften und mögliche neue Felder der politischen, wirtschaftlichen und humanitären Zusammenarbeit, schreibt Euronews. Der russische Präsident sieht großes Potenzial für eine Zusammenarbeit "in den Bereichen der Energie- und Ernährungssicherheit, beim Austausch moderner Technologien und in der Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie sowie im Verkehrs- und Logistiksektor", zitiert ihn der Sender.
Putin steht aktuell im Bereich der Energiesicherheit durch die ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur allerdings selbst unter Druck. Die G7-Staaten kündigten in einer gemeinsamen Erklärung bei ihrem Gipfel in Evian zudem an, die Sanktionen gegen Russland verschärfen zu wollen, "auch gegen den Öl- und Gassektor", so Putin laut Euronews.
Ziel Putins dürfte vor allem auch sein, international weniger isoliert zu wirken. Bei einem offiziellen Empfang am Mittwochabend erklärte der russische Präsident der Nachrichtenagentur AP zufolge, Russland und die Asean-Staaten "setzen sich gemeinsam für die Schaffung einer gerechten Weltordnung ein, verteidigen die Grundsätze der souveränen Gleichheit der Staaten und des Nichteinmischungsprinzips in innere Angelegenheiten".
Am Rande des Gipfels traf sich der russische Präsident zudem mit mehreren Regierungsvertretern zu bilateralen Gesprächen, darunter Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah und Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim. Auch mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan sprach der russische Machthaber in dem Zusammenhang. Die Türkei strebt seit Jahren eine volle Mitgliedschaft in dem Staatenverbund an, die wegen der geografischen Lage der Türkei allerdings als unwahrscheinlich gilt.
Das Staatenbündnis Asean wurde 1967 von Malaysia, Indonesien, den Philippinen, Singapur und Thailand gegründet, mittlerweile gehören auch Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar, Kambodscha und Osttimor dazu. Einige der Asean-Mitgliedstaaten wie die Philippinen gelten als den USA nahestehend, während andere enge Beziehungen zu Russland und China pflegen. Weder Russland noch China sind volle Asean-Mitglieder, Russland pflegt allerdings enge Verbindungen zu dem Staatenbündnis.