Politik

"Vernachlässigung erschreckend" Umgang mit Alten schockt UN-Kommissarin

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Michelle Bachelet ist UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.

(Foto: imago images/Lehtikuva)

Werden während der andauernden Corona-Krise die Menschenrechte von besonders vielen betreuungsbedürftigen Senioren verletzt? Dafür sieht die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte zumindest Indizien - und stellt den reichsten Nationen der Erde ein schlechtes Zeugnis aus.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte ist entsetzt über die hohen Infektionszahlen und Todesfälle durch das Coronavirus in Alten- und Pflegeheimen. "Die Vernachlässigung der älteren Mitbürger in Heimen in einigen Ländern ... ist erschreckend", sagte Michelle Bachelet am Donnerstag in Genf. Möglicherweise seien deren Menschenrechte verletzt worden, wenn auch nicht mit Absicht, sagte sie im Gespräch mit der Journalistenvereinigung ACANU in Genf.

Sie rief alle Länder auf, die Umstände genau zu untersuchen und Konsequenzen zu ziehen. Womöglich hätten einige Heime nicht genügend Auflagen, wie die Bewohnerinnen und Bewohner zu versorgen sind. Oder es fehlten gesetzliche Bestimmungen. Generell seien ältere Menschen oft nicht adäquat versorgt. Viele lebten teils krank zu Hause allein und würden vernachlässigt, sagte Bachelet.

Im April hat schon Frankreichs Verband öffentlicher Krankenhäuser mitgeteilt, Pflege- und Altersheimen befänden sich in einer "Situation absoluter Not". Es wachse "das Risiko, dass ältere Menschen sterben, ohne dass ihnen die notwendige Pflege zuteil wird." Das UN-Menschenrechtsbüro werde jetzt mit noch mehr Nachdruck an einer Konvention über die Rechte älterer Menschen arbeiten, sagte Bachelet.

Es zeige sich, dass einige der reichsten und mächtigsten Länder völlig unvorbereitet auf so eine Pandemie waren, obwohl Mediziner immer vor einem solchen Szenario gewarnt hätten, sagte Bachelet. Besonders betroffen seien überall die Ärmsten und die sozial Schwächsten.

Quelle: ntv.de, ter/dpa