Politik

"Bilder wie aus Aleppo" Umstelltes Mariupol steht unter Dauerbeschuss

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Die Zerstörungen in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol werden bereits mit denen in Aleppo und Grosny verglichen.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Kein Fluchtweg, keine humanitäre Hilfe, Wasser und Essen werden knapp: Die Lage in Mariupol ist katastrophal. Zudem bombardieren russische Truppen die Hafenstadt dauerhaft. Den Ukrainern fehle es an Waffen gegen die Angriffe. Die Situation sei mit Aleppo und Grosny vergleichbar, sagt der Vize-Bürgermeister.

In der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol warten nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als 200.000 Menschen auf die Möglichkeit zu flüchten. Die Stadt sei unter ständigem Beschuss und Bombardement durch die russische Armee. "Außerdem haben sie die Stadt von allen Richtungen abgeschnitten", sagte Vize-Bürgermeister Serhij Orlow in der ARD. Nach seinen Angaben werden keine humanitären Lastwagen in die Stadt gelassen. Bislang sind mehrere Anläufe für humanitäre Korridore zur Rettung von Zivilisten gescheitert. Die Versorgung mit Strom, Gas, Wasser und Essen sei katastrophal. Dem ukrainischen Energieversorger Energoatom zufolge waren in der gesamten Ukraine fast eine Million Menschen ohne Strom.

"Ich weiß nicht, wie ich die Zerstörungen in unserer Stadt beschreiben soll. Die Stadt existiert eigentlich nicht mehr. Die Bilder von Grosny und von Aleppo - so sieht Mariupol im Augenblick aus", sagte Orlow. Die ukrainische Armee sei "sehr tapfer", aber gegen die Luftangriffe der russischen Armee hätten die Soldaten keine Waffen, um das Leben der Zivilisten zu schützen. Auch der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, hatte bereits Parallelen zu früheren Zerstörungen im tschetschenischen Grosny und im syrischen Aleppo gezogen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau nahmen prorussische Rebellen Wolnowacha im Norden der belagerten Stadt Mariupol ein. Dort soll den siebten Tag in Folge versucht werden, einen humanitären Korridor zu errichten.

Berichte über Opfer in Geburtsklinik nicht überprüfbar

Am Mittwoch wurde unter anderem eine Geburtsklinik in Mariupol bombardiert. Dabei sollen 17 Zivilisten verletzt und 3 getötet worden sein. Berichte über die Getöteten kann das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte derzeit nicht überprüfen. Allerdings hat es in der Ukraine bereits viele russische Angriffe auf zivile Ziele dokumentiert. Dabei könne es sich um Kriegsverbrechen handeln, sagte eine Sprecherin des Hochkommissariats.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind seit Beginn des Krieges am 24. Februar mindestens 26 Gesundheitseinrichtungen angegriffen worden. Dabei seien 12 Menschen umgekommen und 34 verletzt worden, sagte ein Sprecher in Genf. Die Sprecherin des Hochkommissariats sprach von "offenbar wahllosen Angriffen", bei denen Zivilisten getötet und verletzt wurden, was nach dem humanitären Völkerrecht verboten ist.

Quelle: ntv.de, als/dpa/rts

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