Politik

Erster Schwarzer im Bundestag Unbekannte schießen auf Abgeordneten-Büro

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Bereits 2015 wurde die Scheibe des Büros von Karamba Diaby eingeworfen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit 2013 sitzt Karamba Diaby für die SPD im Bundestag. Immer wieder ist der im Senegal geborene Parlamentarier rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Nun erreichen sie einen neuen Höhepunkt: auf sein Bürgerbüro in Halle wird geschossen. Nicht nur der Außenminister ist entsetzt und empört.

Das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby in Halle ist angegriffen worden. Ein Polizeisprecher sagte, dass Einschusslöcher an der Scheibe des Bürgerbüros festgestellt wurden. Diaby selbst schrieb auf Twitter: "Eine Büroscheibe mit meinem Konterfei weist mehrere Einschusslöcher auf." Er veröffentlichte auch ein Foto der Scheibe, auf dem drei Löcher erkennbar waren. Diaby gab an, die Polizei und der Staatsschutz würden ermitteln. Die Polizei nannte zunächst keine weiteren Details.

Außenminister Heiko Maas reagierte empört. "Einfach unfassbar. Widerlich und feige. Volle Unterstützung, auch für das gesamte Team", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Wir werden weiter an Eurer Seite für eine freie, tolerante und vielfältige Demokratie eintreten. Jetzt erst recht!"

Führende SPD-Politiker schlossen sich der Verurteilung des Angriffs und der Solidarität mit Diaby an. "Ich bin ehrlich geschockt, zu welchen Mitteln feige Kriminelle greifen, um Andersdenkende einzuschüchtern", schrieb die SPD-Chefin Saskia Esken auf Twitter. "Ich bin mit meinen Gedanken bei Dir und Deinem Team". Auch ihr Amtskollege Norbert Walter-Borjans teilte auf Twitter mit, an der Seite Diabys zu stehen.

"Wütend" über schnelles Vergessen

Die Berliner SPD-Staatssekretärin Sawsan Chebli schrieb: "Volle Solidarität. Was mich so wütend macht: Jetzt empören wir uns alle und in ein paar Tagen ist das vergessen." Sie frage sich jeden Tag, was noch passieren müsse, bis alle aufwachten. Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley, bezeichnete Diaby als einen Demokraten, "wie er im Buche steht".

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff von der CDU teilte mit, er verurteile jegliche Form von Gewalt und Angriffen auf Mandatsträger. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak schrieb bei Twitter: "Ich verurteile den Anschlag auf das Büro meines Kollegen Karamba Diaby. Ihm gilt die volle Solidarität der CDU. Angriffe gegen Abgeordnete sind immer auch ein Anschlag auf die Demokratie."

Laut Diabys Büroleiter Andrej Stephan kamen bereits Menschen zum Büro und zeigten ihre Betroffenheit. Das Bündnis "Halle gegen Rechts" erklärte sich in einer Mitteilung mit dem Politiker solidarisch. Er unterstützt demnach seit Jahren die Aktivitäten des Bündnisses.

In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Angriffe und Gewaltandrohungen von Rechtsextremisten gegen Politiker gegeben. Ein Mitarbeiter Diabys sagte: "Wir haben heute Morgen festgestellt, dass in einer ungefähr drei Meter hohen und vier Meter breiten Scheibe fünf größere Löcher waren."

Bereits 2015 wurde im Bürgerbüro des Parlamentariers die Schaufensterscheibe eingeworfen. Der 58-Jährige hatte bereits in der Vergangenheit berichtet, dass er immer wieder Rassismus ausgesetzt ist. Er wurde 1961 im Senegal geboren und kam in den 80er Jahren als Student nach Deutschland. Seit 2013 sind er und Charles M. Huber von der CDU die ersten afrodeutschen Mitglieder des Deutschen Bundestages.

Quelle: ntv.de, mra/dpa/AFP