Politik

Lucke-Vorlesung erneut gestört Uni Hamburg verteidigt Absage an Lindner

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Ein Problem mit Meinungsvielfalt? Aula der Uni Hamburg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Auftrittsverbot für FDP-Chef Lindner verteidigt die Uni Hamburg damit, dass Parteipolitik in den Hallen der Wissenschaft keinen Platz habe. Doch Linken-Politikerin Wagenknecht darf auftreten. Derweil doziert AfD-Gründer Lucke unter Polizeischutz, seine Vorlesung wird trotzdem wieder sabotiert.

Die Universität Hamburg hat ein Auftrittsverbot für FDP-Chef Christian Lindner in Räumen der Hochschule verteidigt und mit ihren klaren Bestimmungen begründet. Danach sei es explizit ausgeschlossen, Räume für Veranstaltungen mit parteipolitischer Ausrichtung bereitzustellen, sagte eine Sprecherin. Lindner hatte auf die Absage empört reagiert und sich schriftlich bei Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank beschwert.

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Laut Universität hatte die Liberale Hochschulgruppe LHG Hamburg eine Veranstaltung mit dem Titel "LHG Diskutiert mit: Christian Lindner" in den Räumen der Uni Hamburg angefragt. Dabei hätte es einen Vortrag von Lindner mit anschließender Diskussion mit dem Publikum geben, sagte eine Sprecherin. Die Universität Hamburg habe dem FDP-Chef ihre Gründe des Auftrittsverbots zuvor in einem persönlichen Brief erläutert.

Eine angekündigte Veranstaltung mit Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht verstößt laut Universität dagegen nicht gegen die Ausschlussbedingung. Sie sei als wissenschaftliche Veranstaltung mit dem Titel "Modern Money Theory in Ökonomie, Gesellschaft und Politik" angekündigt und als "Diskussionsveranstaltung zwischen zwei wirtschaftswissenschaftlichen Positionen durch den studentischen Arbeitskreis Plurale Ökonomik Hamburg" beantragt worden.

Lindner sprach von "Willkür" der Universität. Wenn bei Wagenknecht ein wissenschaftlicher Vortrag akzeptiert werde, halte er auch gerne einen, schrieb er auf Twitter. Zuvor hatte er erklärt, er habe in den vergangenen Jahren an Dutzenden Veranstaltungen dieser Art an Hochschulen in Deutschland teilgenommen.

Einlasskontrollen zum Seminar: Lucke-Vorlesung wieder gestört

Unterdessen begann AfD-Mitbegründer und Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter Polizeischutz damit, seine Vorlesung über Makroökonomik zu halten. Zunächst blieb es dabei ruhig, weil die Universität ihre Sicherheitsmaßnahmen mit der Polizei abgestimmt und ausgeweitet hatte. So gab es vor Beginn der Vorlesung Einlasskontrollen, damit nur angemeldete Studierende Zutritt zum Vorlesungssaal erhalten. Doch dann drangen etwa 10 bis 15 linke Demonstranten in den Saal ein und skandierten Sprüche wie "Kein Recht auf Nazipropaganda", berichtete ein Augenzeuge. Lucke beendete die Vorlesung, verließ den Saal und fuhr mit einem Wagen davon.

Bei der ersten Vorlesung nach seiner Rückkehr an die Universität vor einer Woche war Lucke als "Nazi-Schwein" beschimpft, körperlich bedrängt und am Reden gehindert worden. An dem Protest beteiligt waren auch Mitglieder der "Antifaschistischen Aktion" (Antifa). Die Studierendenvertretung Asta hatte davor zu einer Kundgebung vor dem Hauptgebäude der Uni aufgerufen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa