Politik

Vorwürfe gegen Kanzleramtschef Uni prüft Doktorarbeit von Helge Braun

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Will möglichst transparent in der Sache sein: Kanzleramtsminister Helge Braun.

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Schon seit Januar stehen die Vorwürfe im Raum - nun gehen die Uni Gießen und Kanzleramtsminister Helge Braun damit an die Öffentlichkeit: Wegen des Verdachts auf mögliche Regelverstöße wird die Doktorarbeit des CDU-Politikers überprüft. Braun selbst ist vom "wissenschaftlichen Wert" überzeugt.

Die Universität Gießen prüft die Dissertation von Kanzleramtsminister Helge Braun wegen eines Hinweises auf mögliche Verstöße gegen die Regularien. Braun bestätigte auf Twitter, dass eine solche Prüfung auch auf seine Bitte hin eingeleitet wurde. Wie die "Gießener Allgemeine Zeitung" berichtet, hatte sich bereits Ende Januar eine Einzelperson mit dem Verdacht an die Universität gewendet. Nach einer Vorprüfung sei nun die zuständige Kommission der Universität mit der Sache betraut worden.

Demzufolge beziehen sich die Vorwürfe auf das Verhältnis der Dissertation zu einer zuvor erschienenen Publikation mit Braun als Co-Autor, aber auch auf mögliche Überschneidungen mit anderen Schriften, heißt es laut Bericht in einer Stellungnahme der Universität. Eine Kommission prüfe die Arbeit nun in einem standardisierten mehrstufigen Verfahren. Wie lange eine Bewertung der Arbeit voraussichtlich dauern wird, wurde nicht mitgeteilt.

Braun arbeitete als Assistenzarzt

Der Minister und studierte Mediziner promovierte 2007 im Alter von 35 Jahren zum Einfluss intraoperativer Tachykardien (Herzrasen während einer Operation) auf die postoperative Prognose. Danach arbeitete er zwei Jahre als Assistenzarzt am Uniklinikum in Gießen, bevor er für die CDU in den Bundestag einzog. Der 48-Jährige ist seit 2018 Chef des Bundeskanzleramts und damit einer der engsten Vertrauten und Berater von Kanzlerin Angela Merkel.

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Braun betonte, er sei "vom wissenschaftlichen Wert" der Arbeit sowie "von dem dadurch erzielten medizinischen Erkenntnisgewinn überzeugt". Ihm sei aus Rücksicht auf die BürgerInnen in seinem Wahlkreis volle Transparenz in der Sache wichtig, hieß es weiter.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre Braun nicht der erste Politiker, der daraus auch Konsequenzen für sein Amt ziehen könnte. 2013 war die damalige Bildungsministerin Annette Schavan über die Aberkennung ihres Doktortitels infolge einer Prüfung der Arbeit gestürzt. 2011 beendete der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seine politische Karriere infolge einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit.

Quelle: ntv.de, jug

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