Politik

RTL/ntv-Trendbarometer Union nähert sich der 20-Prozent-Marke

Keine vier Wochen mehr bis zum Wahltag und die Union kann den Abwärtstrend weiterhin nicht stoppen. Welche Auswirkungen das erste TV-Triell hatte, wird erst die Forsa-Auswertung der kommenden Woche in ganzer Breite zeigen. Das aktuelle Trendbarometer legt allerdings nahe: CDU und CSU müssen dringend etwas tun, wenn sie auch den nächsten Kanzler stellen wollen.

Die SPD kann sich, wenn auch nur in kleinen Schritten, weiter von der Union absetzen. Im Trendbarometer von RTL und ntv, für das das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom vergangenen Dienstag bis zum gestrigen Montag 2508 Wählerinnen und Wähler repräsentativ befragt hat, kommen die Sozialdemokraten zwar unverändert auf 23 Prozent. CDU/CSU verlieren allerdings einen Prozentpunkt und liegen damit nur noch bei 21 Prozent. Vor 14 Tagen war es noch genau umgekehrt.

Auf Platz drei folgen die Grünen mit unverändert 18 Prozent. Auch FDP und Linke verharren auf dem Vorwochenniveau. Lediglich die AfD legt leicht zu.

Noch im Januar 2021 führte die Union bei der Sonntagsfrage mit 36 Prozent. Die SPD kam damals auf 15, die Grünen auf 19 Prozent. Und auch in der ersten Juli-Woche war der Zuspruch für die Union im RTL/ntv-Trendbarometer noch doppelt so hoch (30 Prozent) wie für die SPD (15 Prozent).

Wenn bereits jetzt Bundestagswahl wäre, könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen: SPD 23 Prozent (Bundestagswahl 2017: 20,5 Prozent), CDU/CSU 21 Prozent (32,9), Grüne 18 Prozent (8,9), FDP 12 Prozent (10,7), AfD 11 Prozent (12,6), Linke 6 Prozent (9,2). Die sonstigen kleineren Parteien erreichen zusammen weiterhin 9 Prozent (5,2). Von den sonstigen Parteien erreicht aber keine Partei die 3-Prozent-Marke. Die 9 Prozent verteilen sich auf insgesamt 48 Parteien.

Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen ist etwas gesunken und liegt nun bei 24 Prozent und damit sehr nahe beim Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8 Prozent).

Union oder SPD könnten Kanzler stellen, Grüne nicht

Im durch die Überhang- und Ausgleichsmandate im Vergleich zu 2017 nochmals um 73 Abgeordnete größeren Bundestag (782 Abgeordnete) wäre die Union nach den Berechnungen von Forsa nur noch mit 183 Abgeordneten (63 weniger als 2017) vertreten. Die SPD käme hingegen auf 197 Abgeordnete. Die Grünen wären mit 154, die FDP mit 103, die AfD mit 94 und die Linke mit 51 Abgeordneten im Bundestag präsent.

Die Grünen könnten also mit 87 Abgeordneten mehr rechnen als im aktuellen Bundestag. Die FDP würde 23 Abgeordnete und die SPD 44 Abgeordnete mehr als 2017 in den Bundestag entsenden. Die anderen Parteien wären mit weniger Abgeordneten im Bundestag vertreten als 2017, bei der AfD wären genau so viele Abgeordnete im künftigen Bundestag wie im derzeitigen.

392 Abgeordnete werden nach der aktuellen Umfrage und den Projektionen benötigt, um eine neue Regierung zu bilden. Eine regierungsfähige Mehrheit hätte derzeit weder ein Bündnis aus Union und Grünen (337 Mandate) noch eine Koalition aus Union und SPD (380 Mandate). Regieren könnte eine Koalition aus

  • Union, Grünen und FDP (440 Mandate)
  • SPD, Union und FDP (483 Mandate)
  • SPD, Grünen und FDP (454 Mandate)
  • SPD, Grünen und Linke (402 Mandate)

Union konnte selten bis zum Wahltag aufholen

Kann die Union noch auf eine Trendwende bis zum Wahltag am 26. September hoffen? Ein Blick in die Vergangenheit spricht eher dagegen. Die Differenzen zwischen den letztlichen Wahlergebnissen und den jeweiligen Umfragewerten von Ende August zeigen, dass nur bei einer der sechs letzten Bundestagswahlen seit 1998, nämlich 2013, das Ergebnis der Union um 1,5 Prozentpunkte über dem August-Ergebnis lag. Bei den fünf anderen Wahlen lag das Ergebnis der Union sogar unter dem Wert der August-Umfragen.

Das Wahlergebnis der SPD lag 2005 (plus 3,2 Punkte), 2009 (plus 1 Punkt) und 2013 (plus 2,7 Punkte) dagegen über dem Wert der Forsa-Umfrage im August. Bei den Grünen war das Wahlergebnis 1998 (plus 0,9 Punkte), 2002 (plus 1,6 Punkte), 2005 (plus 1,1 Punkte) und 2017 (plus 1,9 Punkte) ebenfalls besser als die Werte der August-Umfragen.

Laschet kommt nicht aus dem persönlichen Tief

In der Kanzlerpräferenz verliert SPD-Kandidat Olaf Scholz gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt und liegt nun bei 29 Prozent. Das sind allerdings immer noch 18 Punkte vor Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der bei 11 Prozent verharrt. Die grüne Kandidatin Annalena Baerbock stagniert ebenfalls und liegt unverändert bei 15 Prozent.

Leicht verbessern kann sich Laschet bei der Zustimmung der eigenen Wählerschaft. Bei einer Direktwahl der Kanzlerin oder des Kanzlers würden sich nun 41 Prozent (plus 3 Punkte im Vergleich zur Vorwoche) der Anhänger der CDU/CSU für ihn entscheiden. Baerbock käme bei den eigenen Anhängern auf 62 Prozent (plus 5 Punkte). Scholz würde bei den SPD-Anhängern auf eine Zustimmung von 82 Prozent (plus 2 Punkte) bauen können.

Dass die Union trotz leicht verbesserter Werte für Laschet keine Wende eingeleitet hat, deuten folgende Zahlen an: Unter den Wählerinnen und Wählern, die 2017 CDU oder CSU gewählt haben, würden sich derzeit nur unverändert 23 Prozent für Laschet entscheiden, wenn der Kanzler statt vom Bundestag direkt gewählt würde. In dieser Gruppe schneidet der SPD-Kandidat besser ab: Scholz käme bei den Unionswählern von 2017 auf 27 Prozent.

Wäre Söder der bessere Kandidat?

Forsa fragt seit Wochen auch immer nach einem möglichen Kandidaten Markus Söder. Wäre der CSU-Chef Kanzlerkandidat der Union, würden sich bei einer Direktwahl 39 Prozent (plus 1 Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche) der Befragten für ihn und nur 22 Prozent (plus 1 Punkt) für Scholz entscheiden. Baerbock käme dann unverändert auf 14 Prozent.

Auf die Frage, wer mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird, nennen unverändert 16 Prozent die Union. Die Grünen werden von 9 Prozent der Befragten genannt (minus 2 Prozentpunkte). 10 Prozent (plus 1 Punkt) glauben dies von der SPD, 11 Prozent nennen eine sonstige Partei. Erschreckende 54 Prozent der Befragten sagen, keine Partei werde mit den Problemen fertig. Noch im Januar gaben 41 Prozent der Befragten hingegen an, die Union werde "mit den Problemen in Deutschland am besten fertig". Damals sagten nur 45 Prozent, keine Partei sei dazu in der Lage.

Deutschland bei Pandemie-Bekämpfung gespalten

Mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung bei der Bekämpfung der Pandemie sind 45 Prozent zufrieden. 55 Prozent sind nicht zufrieden. Überdurchschnittlich unzufrieden sind weiterhin die Anhänger der FDP (67 Prozent) und vor allem der AfD (87 Prozent). Besonders zufrieden sind hingegen die Anhänger von CDU und CSU (63 Prozent) gefolgt von den Anhängern der Grünen (56 Prozent).

Die Daten zu Partei- und Kanzlerpräferenzen wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL vom 24 bis 30. August 2021 erhoben. Datenbasis: 2508 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte.

Quelle: ntv.de, tar

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