Politik

Finanzminister bereut Fotostory Varoufakis fordert erneut den "Merkel-Plan"

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Griechenland setzt im Schuldendrama auf die Hilfe der Bundesregierung. Yanis Varoufakis hat schon sehr konkrete Vorstellungen, wie Kanzlerin Merkel helfen könnte.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Schmeichelnde Worte an die Bundeskanzlerin und ein großer Appell: Griechenlands Finanzminister erneuert seine Forderung an Angela Merkel, einen Wachstumsplan für Europa vorzulegen. Außerdem spricht Yanis Varoufakis erstmals über die Dolce-Vita-Fotostory.

Der Marshallplan baute Europa nach dem Krieg wieder auf. Einen solchen Schub erwartet Griechenlands Finanzminister nun von Berlin. Yanis Varoufakis rief Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, einen Wachstumsplan für Europa vorzulegen. "Wir brauchen eine neue Doktrin, die Europa vereinigt.

Frau Merkel könnte in den nächsten Jahren, bevor sie ihre Karriere beendet, ein Vermächtnis für Europa hinterlassen, an das sich alle als Merkel-Plan erinnern würden, so wie man sich heute an den Marshall-Plan erinnert", sagte Varoufakis im griechischen Fernsehen. Ein solcher Plan sei dringend notwendig. Varoufakis hatte diese Forderung bereits Anfang Februar in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" geäußert.

Außerdem äußerte Varoufakis sein Bedauern über eine opulente Fotoserie mit seiner Frau in dem französischen Magazin "Paris Match". Varoufakis hatte sich von dem Blatt inmitten der schweren Finanzkrise seines Landes im Dolce-Vita-Stil fotografieren lassen. "Ich frage mich: Gefällt mir diese Ästhetik? Nein. Und ich bereue es. Wir beide (er und seine Frau) bereuen es", sagte Varoufakis im griechischen Fernsehen.

Entmachtungs-Gerüchte nur "Wunschträume"

Unterdessen dementierten Regierungskreise in Athen Berichte, wonach eine Entmachtung des Ministers unmittelbar bevorstehen könnte. Einige Medien verwandelten hier "Wunschträume" in Nachrichten, wurde in Athen erklärt.

Varoufakis erklärte am Sonntag, warum er sich auf die Fotos eingelassen habe. "Der Text, der diese Reportage begleitet, hat für uns (Griechenland) politisch sehr viel Gutes in Frankreich gebracht (...) Ich wünschte nur, es gebe diese Fotos nicht", sagte Varoufakis.

Am Freitag hatte "Paris Match" mehrere Fotos des Finanzministers und seiner Frau in ihrem Penthouse in einem der teuersten Stadtviertel Athens unterhalb der Akropolis veröffentlicht. Einfache Bürger zeigten sich im Fernsehen verwundert, dass sich Varoufakis angesichts der Schuldenkrise stundenlang für solche Fotoproduktionen Zeit nehme.

Die griechische Boulevardpresse hatte kürzlich ausgerechnet, dass Varoufakis binnen 30 Tagen mehr als 40 Interviews vor allem im Fernsehen gegeben hat. Kritik an den Fotos war auch aus Regierungskreisen gekommen. "Ich bin offen für Kritik", sagte Varoufakis dazu.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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