Politik

Stahlseile über ICE-Strecke Verdächtiger Iraker gesteht die Tat

Nach den ICE-Anschlägen in Bayern und Berlin ist in Wien ein Verdächtiger festgenommen worden. Ermittler sind dem Mann wegen des Bekennerschreibens auf die Spur gekommen. Der Iraker gesteht die Tat, doch bestreitet einen terroristischen Hintergrund.

In Wien wurde ein Mann gefasst, der in Verdacht steht, zwei Attentate auf deutschen ICE-Strecken verübt zu haben. Der 42-jährige Mann wird derzeit verhört, wie das bayrische Kriminalamt mitteilt. Hintergrund sind zwei verübte Anschläge auf deutschen ICE-Strecken in Bayern und Berlin. Nach Ermittlungen deutscher und österreichischer Geheimdienste führte das Bekennerschreiben zu einem Ex-Militär aus dem Irak. Wie APA berichtete, gestand der fünffache Vater die Taten. Den terroristischen Hintergrund bestreite er aber.

Im Oktober vergangenen Jahres hatten Angreifer ein Drahtseil auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München gespannt. Bei dem Anschlag im bayerischen Allersberg soll der Mann mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen aufgebracht haben, um einen ICE zum Entgleisen zu bringen. Ein Zug überfuhr die Hindernisse und wurde dabei leicht beschädigt.

In Tatortnähe entdeckten die Ermittler in arabischer Sprache verfasste Drohscheiben und Schmähschriften mit IS-Bezug. Bei dem vergleichbaren Anschlag in Karlshorst in Berlin fanden die Ermittler ebenfalls Schriftstücke und eine IS-Flagge. Da die beiden Schreiben laut der bayrischen LKA große Übereinstimmungen aufweisen, wurden länderübergreifende Ermittlungen eingeleitet. Bei beiden Anschlägen wurde niemand verletzt. Ermittler waren sich allerdings sicher, dass zahlreiche Menschen getötet werden sollten.

"Hervorragende internationale Zusammenarbeit"

Das zweiseitige Bekennerschreiben führte die Ermittler schließlich zu einem Gemeindebau in Wien. Laut "Kronen-Zeitung" soll der verwendete Drucker den Mann verraten haben. Der Tatverdächtige ist am Montag festgenommen worden. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Wien unter anderem wegen des Verdachts terroristischer Straftaten, des versuchten Mordes, der schweren Sachbeschädigung und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Vom Amtsgericht München liege ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr vor.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach von einer "hervorragenden internationalen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich". So sei es gelungen, einen vermutlich hochgefährlichen Täter aus dem Verkehr zu ziehen. Wie Herrmann sagte, sollen die weiteren Ermittlungen nun vor allem Aufklärung über einen möglichen IS-Bezug und über mögliche Hintermänner des Verdächtigen bringen.

Der Iraker ist nach Angaben der "Kronen-Zeitung" verheiratet und hat fünf Kinder. Er soll vor 20 Jahren als Flüchtling nach Europa gekommen sein und als solcher anerkannt sein. Davor habe er in der irakischen Armee gedient. In Österreich habe er an der Technischen Hochschule in Wien studiert und als Mitarbeiter einer Security-Firma Zugang zu sensiblen Sicherheitsbereichen wie Fußballstadien und Einkaufszentren gehabt.

Im Internet verherrliche der Ex-Militär regelmäßig radikale Islam-Prediger und rufe Muslime dazu auf, wegen des Anschlags in Neuseeland zu den Waffen zu greifen. Er gilt zudem als IS-Fanatiker und USA-Hasser. In seinen Facebook-Posts nahm er ebenfalls Bezug auf das LKW-Attentat von Nizza.

Quelle: ntv.de, vck/AFP