Politik

Nach Bombenanschlag in Thailand Verdächtiger stellt sich in Bangkok

60901994.jpg

Am Erawan-Schrein wurden bei dem Bombenattentat 20 Menschen getötet und 123 verletzt. Vom Täter fehlt weiterhin jede Spur.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Bombenanschlag am Montag in Thailands Metropole Bangkok tötet 20 Menschen. 123 Menschen werden verletzt. Während vom Bombenleger jede Spur fehlt, meldet sich ein mutmaßlicher Komplize bei der Polizei. Auch eine junge Frau wird gesucht.

Nach dem tödlichen Bombenanschlag in Bangkok weitet sich der Kreis der Verdächtigen aus. "Wir fahnden auch nach einer jungen Frau", sagte Polizeisprecher Prawut Thavornsiri. Sie könnte demnach mit dem Hauptverdächtigen, der einen Rucksack am Tatort deponiert hatte, unter einer Decke stecken. Die Ermittler gehen inzwischen von mindestens zehn Tätern aus, sehen aber keine Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen, wie der Polizeichef nach Konsultationen mit verbündeten Geheimdiensten mitteilte.

Bei dem Anschlag an einem von Gläubigen und Touristen frequentierten Schrein waren am Montag 20 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 120 verletzt worden, darunter zahlreiche Ausländer. Die junge Frau in kurzem schwarzen Kleid ist auf demselben Video einer Überwachungskamera zu sehen, das schon andere Verdächtige ins Visier der Polizei gerückt hatte: So wie zwei Männer scheint auch sie den Hauptverdächtigen, der seinen Rucksack an einer Sitzbank abstellt, vor Blicken abschirmen zu wollen. Sie blickt sich nach ihm um, ehe beide kurz hintereinander getrennt davongehen.

Ein von der Polizei gesuchter Mann hat sich zwischenzeitlich der Polizei gestellt. Er hätte beteuert, Touristenführer zu sein, sagte ein Polizeisprecher. Er würden nun als "Zeuge" vernommen. Unklar war zunächst, ob die Polizei den Mann damit als Tatverdächtigen definitiv ausschließt.

Keine Spur vom Hauptverdächtigen

Von dem Mann mit Rucksack fehlt trotz Fahndungsfotos jede Spur. Er sei womöglich schon außer Landes, sagte der Polizeisprecher. Ob die Fotos überprüft wurden, die an den Flughäfen von allen Abreisenden gemacht werden, wusste er nicht zu sagen. Das auf Grundlage der Videoaufnahmen am Computer hergestellte Fahndungsfoto des Mannes bildet dessen Gesichtszüge allerdings auch so grob ab, dass gleich mehrere Thailänder darauf Ähnlichkeiten mit Bekannten sahen. Der Mann mit dem Rucksack war mit einem dreirädrigen Mopedgefährt zum Tatort gefahren, wie ein neues Video zeigt. Ob dessen bei der Polizei vorstellig gewordener Fahrer wertvolle Hinweise geben konnte, blieb zunächst offen.

Ein anderer Mopedtaxi-Fahrer, der den Mann vom Tatort fortgefahren hatte, sagte Reportern, der Verdächtige habe in einer fremden Sprache Handy-Gespräche geführt. Wer hinter dem Bombenanschlag stecken könnte, liegt weiterhin im Dunkeln. Einem Gerücht trat die Polizei aber entgegen: "Wir kommen zu dem Schluss, dass der Anschlag nicht auf Chinesen zielte", sagte eine Polizeisprecherin, die die Ansage eigens auf Englisch vor Kameras verlas. Diese Theorie kursierte, weil Thailand im Juli mehr als 100 illegal eingereiste, in ihrem Heimatland China verfolgte muslimische Uiguren zurück in die Volksrepublik abgeschoben hatte.

Auch im Fall einer zweiten Bombe gingen die Ermittlungen weiter, versicherte der Polizeisprecher. Am Dienstag soll ein Unbekannter an einem bei Touristen populären Bootsanleger eine Rohrbombe eingesetzt haben, die aber ins Wasser fiel und dort detonierte, ohne dass jemand zu Schaden kam. Bombenexperten machten dort Tests mit kleinen Sprengsätzen, um etwa Erkenntnisse über den Wurfwinkel des Geschosses zu gewinnen.

Quelle: ntv.de, spt/dpa