Politik
Wolfgang P. steht in Nürnberg wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht.
Wolfgang P. steht in Nürnberg wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht.(Foto: dpa)
Freitag, 20. Oktober 2017

Plädoyer im Reichsbürger-Prozess: Verteidiger werfen Polizei Unvermögen vor

Im Prozess um den Tod eines Polizisten plädieren die Anwälte des Angeklagten Wolfang P. auf fahrlässige Tötung statt Mord: Sie argumentieren, der Einsatz auf dem Grundstück des Reichsbürgers sei "dilettantisch" gewesen. P. habe einen Überfall vermutet.

Im Prozess gegen den sogenannten Reichsbürger aus Georgensgmünd hat die Verteidigung auf ein Urteil wegen fahrlässiger Tötung plädiert. Anwalt Michael Haizmann forderte vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth eine entsprechend "angemessene Haftstrafe" für seinen Mandanten. Welches Strafmaß ihm vorschwebt, ließ der Verteidiger offen. Bei fahrlässiger Tötung drohen maximal fünf Jahre Haft.

Wolfgang P. hatte im Oktober 2016 einen Polizisten erschossen und zwei weitere verletzt.
Wolfgang P. hatte im Oktober 2016 einen Polizisten erschossen und zwei weitere verletzt.(Foto: dpa)

Der 50 Jahre alte Wolfgang P. ist unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes an Polizisten angeklagt. Er hatte bei einem Routineeinsatz der Polizei am 19. Oktober 2016 auf Beamte geschossen - einer starb, zwei weitere wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Sie sieht bei P. auch eine besondere Schwere der Schuld; dies würde eine vorzeitige Haftentlassung ausschließen.

Sogenannte Reichsbürger lehnen die Bundesrepublik, deren Organe und Behörden ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide. Bei dem Einsatz sollten die rund 30 Waffen des Jägers beschlagnahmt werden, weil er als nicht mehr zuverlässig galt.

Urteil soll am Montag fallen

Anwältin Susanne Koller sagte, ihr Mandant sei am Tattag von einem Überfall auf sein Anwesen ausgegangen. Er habe nicht gewusst, dass Polizisten vor seiner Tür standen. Den Einsatz bezeichnete Koller als "dilettantisch" und unnötig. Haizmann warf der Polizei "mangelnde Besonnenheit" vor: Statt das Haus von P. frühmorgens mit einem Spezialeinsatzkommando zu stürmen, hätten Beamte den Bewohner auch per Megafon zum Verlassen seines Anwesens auffordern können.

Die Verteidiger wandten sich gegen den Vorwurf der Heimtücke. Ein Polizist, der mit einer geladenen Waffe ein Haus betritt, müsse mit allem rechnen und sei nicht wehrlos. Den Justizbehörden warf Haizmann vor, ein Exempel statuieren zu wollen, weil P. als sogenannter Reichsbürger einen Polizisten getötet habe. Das Urteil soll am kommenden Montag gesprochen werden.

Quelle: n-tv.de

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