Politik

Fahrzeug fuhr langsamVideo wirft Zweifel an Israels Erklärung zu erschossenem Baby auf

10.06.2026, 22:18 Uhr
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Fahd Abu Haikal zeigt ein Bild seines toten Sohnes. (Foto: AP Photo/Mahmoud Illean)

Am Wochenende erregt ein Fall aus dem Westjordanland Empörung. Israelische Soldaten schießen auf ein Auto mit einer palästinensischen Familie und töten dabei ein sieben Monate altes Baby. Die Armee spricht von einer Gefahrensituation. Neu aufgetauchte Videoaufnahmen zeichnen ein anderes Bild.

Ein Video, das die israelische Nichtregierungsorganisation B'Tselem auf X gepostet hat, entkräftet Behauptungen der israelischen Armee im Falle der Schüsse auf ein sieben Monate altes palästinensisches Babys. Der Fall aus dem Westjordanland hatte am Wochenende Aufsehen erregt.

Auf den Videoaufnahmen, die die NGO veröffentlichte, ist zu sehen, wie das Auto der betroffenen Familie in der Nähe eines Militärpostens langsamer wird, bevor Soldaten das Feuer eröffnen. Auf einer zweiten Videoaufnahme sieht man, wie die Familie mit dem angeschossenen Säugling das Auto verlässt. Das Baby starb später in einem Krankenhaus an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

Die israelische Armee stellte den Vorfall folgendermaßen dar: Nach Angaben einer Sprecherin hatten Soldaten während ihres Einsatzes den Eindruck, ein Fahrzeug rase mit hoher Geschwindigkeit auf sie zu. Ein Soldat habe daraufhin mehrere Schüsse abgegeben. Drei Palästinenser seien verletzt und medizinisch versorgt worden.

Der Vater des getöteten Babys sagte der israelischen Tageszeitung "Haaretz", er habe sein Auto vollständig gestoppt, bevor ein etwa zehn Meter entfernt stehender Soldat geschossen habe. "Er sah mich, er sah meine Frau und die Kinder. Die Autofenster waren nicht getönt, es war helllichter Tag", schildert er dem Medium. "Man kann nicht behaupten, er hätte nicht gesehen, dass es sich um eine Familie handelte." Da die Videos von B'Tselem keinen Ton haben, ist unklar, wann genau das Feuer eröffnet wurde, doch die Bilder decken sich mit der Schilderung des Vaters und widersprechen denen der israelischen Armee.

"Das Videomaterial zeigt eindeutig, dass der israelische Soldat auf das Auto schoss, als es zum Stehen kam", erklärte B’Tselem in einer Stellungnahme. "Das Auto befand sich weit entfernt von den Soldaten und stellte keinerlei Gefahr für sie dar." Das Filmmaterial zeigt zudem, wie die israelische Soldaten tatenlos zusehen, während Zivilisten herbeieilen, um dem verletzten Kind und seinen Eltern zu helfen.

Ersten Ermittlungen zufolge seien die Palästinenser unbeteiligte Zivilisten gewesen, heißt es aus Israel. Die Umstände des Vorfalls würden untersucht. Die Armee erklärte, sie bedauere zutiefst jeglichen Schaden, der unbeteiligten Personen zugefügt werde.

Der Vater des getöteten Babys wies die Darstellung des israelischen Militärs zurück. Ein Soldat habe ihm signalisiert, anzuhalten. "Ich stoppte das Auto vollständig und hob die Hände ans Lenkrad. Unmittelbar darauf wurde das Feuer auf das Auto eröffnet", sagte er.

Quelle: ntv.de, toh/dpa

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