Politik

"Das war Mist" Videoschnipsel bringt Amthor Shitstorm ein

116329216.jpg

War das rassistisch? Der CDU-Abgeordnete Amthor entschuldigt sich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Wirbel um den Youtuber Rezo steht der junge CDU-Überflieger Amthor schnell mit einem Gegenvideo parat. Das versenkt die Partei zwar in der Schublade. Doch schaut die Netzgemeinde nun genau hin, was Amthor sonst so sagt - und erhebt Rassismusvorwürfe.

Der CDU-Politiker Philipp Amthor hat sich erneut von einer Äußerung in einem bereits im Herbst 2018 veröffentlichten Video distanziert, das im Netz wieder für Diskussionen sorgt. In dem Film "Wie ticken junge Bundestagsabgeordnete der AfD und CDU?" des Reportage-Netzwerks "Y-Kollektiv", ist der Politiker auf dem Marktplatz einer Kleinstadt im Gespräch mit Bürgern zu sehen. Das Reportageteam begleitet ihn bei einem Besuch der Stadt Strasburg  in Mecklenburg-Vorpommern zum Tag der Deutschen Einheit. Nach dem Singen der Nationalhymne ist Amthor zu hören, wie er sagt, "hier ist keiner von uns Moslem, der das jetzt nicht singen kann".

*Datenschutz

Der "Nordkurier" hatte im November bereits darüber berichtet. Amthor hatte sich in dem Bericht von seiner Äußerung distanziert: "Ganz klar, das Zitat ist mehr als unglücklich, und ich würde das so auch nicht mehr sagen." Seinem Spruch vorausgegangen sei die Aussage eines Anwesenden, der nach dem Absingen der Nationalhymne gesagt habe, dass in Strasburg alle mitsingen würden - im Gegensatz zum Fußball. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass es sich dabei nur um einen flapsigen Spruch handelte, mit dem ich niemanden angreifen wollte und der so auch nicht mehr vorkommt", hatte der "Nordkurier" Amthor weiter zitiert.

Jetzt erneuerte der CDU-Politiker seine Entschuldigung: "In der Situation habe ich unangebracht reagiert und mich davon sofort distanziert - klar und deutlich. Die Situation entstand in einer Zeit, in der viele darüber diskutiert haben, ob Fußballspieler die Nationalhymne mitsingen. Für mich ist aber klar, dass Religion und Nationalhymne nichts miteinander zu tun haben. Natürlich freue ich mich über jeden, der die Hymne mitsingt." Zuvor hatte sich Amthor im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung geäußert und gesagt: "Ich war da kein Vorbild." Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Amthor: "Das war Mist."

"Komplexbeladener Wichtigtuer"

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli twitterte, was Amthor sage, sei rassistisch. CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus müssten "unmissverständlich klarmachen, dass Rassismus in der CDU keinen Platz hat". Amthor müsse sich bei allen Muslimen entschuldigen.

Ähnlich äußerte sich der grüne Bundestagsabgeordnete Omnid Nouripour, der muslimischen Glaubens ist, gegenüber FAZ.net: "Die Angst vor der AfD hat Herrn Amthor wohl den Anstand vernebelt", so Nouripour. "Entweder er entschuldigt sich bei uns deutschen Muslimen oder jemand muss mir den Unterschied zwischen ihm und der AfD erklären."

Die FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann kommentierte laut "FAZ" das Video mit den Worten: "Herr Amthor ist ein komplexbeladener Wichtigtuer, der im wahrsten Sinne des Wortes auf Teufel komm raus medial vorkommen will." Da gebe es nur zwei Antworten. "Die CDU sollte sich von ihm distanzieren, und der große Rest der Welt ihn ignorieren." Letzteres wäre für ihn die Höchststrafe.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

Mehr zum Thema